Oldenburger STACHEL Nr. 246 / Ausgabe 11/04     Seite 2
 
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Nötiger denn je:

Verständigung der politisch Aktiven

Den Oldenburger STACHEL durchzieht sie seit Gründung wie ein roter Faden. Bereits im ersten STACHEL 1982 schrieb Gernot Koch: "So auffällig groß die Zahl fortschrittlicher Kräfte in Oldenburg offenbar ist, so groß ist auch deren Zersplitterung und Vereinzelung. ... Der STACHEL erscheint uns als ein Mittel, in dieser Richtung voranzukommen, indem darin zunächst Informationen über die verschiedenen Initiativen verbreitet werden. Wenn das einigermaßen gelingt, kann sich der STACHEL auch zu einem Diskussionsforum weiterentwickeln."

Über die Jahrzehnte hinweg hat sich der STACHEL diesen Aufgaben mal recht und auch mal schlecht gewidmet. Wie die Themen sich ähneln: Vor zehn Jahren berichteten wir bereits von der dramatischen Zunahme der Kinderarmut. Auch drohten Krippenschließungen mangels Geld und die Verwüstung des Stadtgebietes durch die Betonmafia schritt voran. Für die "Nordtangente" wurden Kleinode hingerichtet und die Bettenfedernfabrik Fromm an der Uferstraße suchte man mit der Abrißbirne heim. Hier wurden gute Möglichkeiten zu alternativen Entwicklungen vertan! Mittlerweile ist ja eine Baumallee am Kanal vernichtet - der zugesagte zügige Ausbau der Wasserstraße war nun wohl doch nicht so eilig. Hauptsache die Bäume sind weg. Bitter!

Doch der STACHEL hat auch letztlich Positives begleitet. Zur Initiative gegen die Straße durch das Biotop Bornhorster Wiesen gab es z.B. einen vielseitigen Sonderdruck - die Schwalben und das andere Viechzeuchs freuen sich dort immer noch über ihre Heimstätte.

Über viele Initiativen wurde damals berichtet - so z.B. über ein mittlerweile geradezu legendäres Seminar an der Volkshochschule, aus dem später die Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg - ALSO - hervorging. Wie es zu den heutigen brandheißen Themen paßt: Ausführlich ging es um eine neue Zumutbarkeitsregelung für Erwerbslose.

Hier leistete sich die junge Redaktion gleich den ersten Faux Pas - dieses Thema wurde ziemlich sexistisch "garniert" dargeboten. Erfreulicherweise blieb das nicht ohne deutliche Resonanz. Die Redaktion versprach Besserung, was fast durchgehend eingehalten wurde. Zum zehnjährigen Bestehen wurde eine "Orgie" angekündigt, die so von der Redaktion nicht geplant war und deren Art der Ankündigung für ziemliche Mißstimmung zwischen den verschiedensten Leuten sorgte. Nun, das sollte verjährt sein, ist mittlerweile mehr als ein weiteres Jahrzehnt durch das Land gezogen. Doch das kann nicht heißen, daß so etwas nicht wieder möglich wäre. Auch der STACHEL existiert nicht im luftleeren Raum und auch diese Redaktion muß sich der Kritik stellen. Und doch bietet der STACHEL Möglichkeiten wie kaum ein Medium sonst: Zum Beispiel angesichts eines unabgesprochenen Demonstrationsverbotes am Rande einer Antifa-Demo im Jahr 2000 konnten die verschiedenen Positionen ohne Zensur erörtert werden. Oft mißverstanden bedeutet die Ermöglichung freier Veröffentlichung natürlich keine Unterstützung kritikwürdigen Verhaltens! Ohne freie Rede kann es keine freie Gesellschaft geben. Wann immer wir uns dafür einsetzen, daß Menschen sich frei äußern dürfen, bedeutet das nicht, daß wir die verbreiteten Auffassungen teilen.

Ein Höhepunkt in der Geschichte des Oldenburger STACHEL ist sicher die von Dr. Klaus Dede angestoßene Diskussion: "Ich würde ja gerne SPD wählen". Er kam zu dem Schluß, daß ein aufrechter Sozialdemokrat eigentlich nur noch "Grün" wählen könne. Doch auch das ist lange her und von Klaus weiß ich, daß er dort wohl auch kein Kreuzchen mehr macht. Der STACHEL hatte 1982 noch "warme Empfindungen" für das, was damals "grün" genannt wurde. Deutlich beschrieben wurde jedoch bereits das politische Verhalten: "Dennoch sind die Grünen noch weit entfernt von ihrem Anspruch, "parlamentarischer Teil der neuen, demokratischen Bewegung" zu sein. Soweit Verbindungen z.B. zu Bürgerinitiativen bestehen, sind sie meist zufällig, und beruhen auf Interesse und Engagement einzelner Parteimitglieder oder wurden umgekehrt hergestellt, indem sich Initiativen an die Grünen wandten, um so ihre Interessen im Rat einzubringen. Beide Wege sind richtig und notwendig, reichen aber nicht aus." Hinsichtlich dieses Anspruches ist die Luft inzwischen reichlich dünn geworden. Das Vertrauen in diese Partei ist dahin.

Selbst im 23. Erscheinungsjahr ist der STACHEL nicht zum kreischenden Zeitgeistblättle mutiert. Was zählt sind vor allem die Inhalte. Auch wenn der Eindruck bei einigen besteht, durch Medien wie z.B. das Internet könnten Aufgaben des STACHEL erfüllt werden: Das ist eine Illusion. Denn das Internet ist mit einer Menge von Problemen behaftet, deren Lösung in weiter Ferne steht. (Ein Teil davon wird in anderen Berichten in dieser Ausgabe bearbeitet.) Das soll niemand davon abhalten, die verschiedenen Möglichkeiten des Netzes zu nutzen - auch wir tun das. Doch das macht Strukturen wie den STACHEL keinesfalls überflüssig - wie glücklicherweise auch immer noch Bücher gelesen werden.

245 Ausgaben und einige Themenhefte - diese Zeilen können kaum einen Hauch der vielgestaltigen Beiträge aufzeigen. Wer Interesse an der Mitwirkung hat: Einfach mal reinschnuppern. Unterstützung ist in vielerlei Hinsicht möglich und wir bedanken uns ganz herzlich für alle bisherige Hilfe! Ohne Spenden, Zuarbeit, Inserate, Beiträge wäre der STACHEL nicht möglich gewesen.

Besonders ein Thema muß hier noch genannt werden: Der STACHEL benötigt bald ein neues Domizil! Wer ein oder zwei Räume weiß, in denen ein paar Schreibtische Platz finden können, bitte dringend bei der Redaktion melden.

Gerold Korbus

 

 
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