Oldenburger STACHEL

LeserInnenbriefe

LeserInnenbriefe

Liebe Stachelredaktion!

Ich habe den Stachel eher zufällig in die Hand bekommen, den vom 19.3.94. Ich finde ihn gut, informativ und verständlich geschrieben. Es gibt ein ABER, dieses ABER ist für mich das Setzen der Anzeigen/Werbung. Das geht immer - leider auch bei alternativen Zeitungen - nach dem Platz (??nicht genau zu lesen - d.Tipp.) und wird nicht weiter bedacht!? Ich finde die Anzeige "Kanutouren für alle mit einem Hauch von Abenteuer" des Ladens Yeti unter einem Artikel über Ex- Jugoslawien schlicht daneben. - Bin betroffen von so einem Artikel, aber ist ja nicht so schlimm, weil, wie ich mich entspannen kann im Urlaub, wird ja auch gleich gezeigt. Die Anzeige ist als letztes auf der Seite und somit auch im Gedanken (so funktioniert doch Werbung). Somit wird die Wirkung des Artikels aufgehoben.

Noch ein Beispiel: "Gegen `ökologische` Verkehrswende" - die Seite endet mit einer Anzeige für ein Cafe in Kirchhatten, soweit ich weiß, auch nicht unbedingt zu Fuß zu erreichen. Auch hier wird das Gegenteil des Artikels - nämlich Cafebesuch mit Auto - in den Gedanken mitgenommen. Ich denke, oft sind es diese Feinheiten, die die politische Wirkung eines Artikels kaputt machen. Anzeigen sind leider eine Notwendigkeit, aber könnten diese Anzeigen nicht alle auf zwei Seiten zusammengefaßt werden ?

Vielleicht könnt ihr ja mit dem ABER etwas anfangen.

Mit freundlichen Grüßen

C. Friedrich

Lieber C., dein Brief erreichte uns kurz vor dem Wochenende, an dem wir diesen Stachel herstellten. Wir werden über deine Kritik auf der nächsten Redaktionssitzung diskutieren. Red.

Leserinnenbrief zum Vorgehen der Stadt gegenüber den Wagenburg-BewohnerInnen

In den letzten Tagen war ich bei einigen Versuchen der (jetzt obdachlos gemachten) WagenbewohnerInnen anwesend, mit der Stadt auf diplomatischem Wege eine für alle Seiten sinnvolle Lösung zu finden. So z.B. bei dem versuchten Gespräch am Freitag, den 22.4., mit Herrn Otter, als auch bei der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag, den 26.4.

Über das Verhalten der Vertreter der Stadt bei diesen Anlässen war ich wirklich schockiert. Sämtliche Personen, die wir in diesem Zusammenhang sprachen bzw. sprechen wollten, verschanzten sich hinter Vorschriften, Nicht-Zuständigkeiten und Rahmenbedingungen. Niemand bekannte sich als Person mit persönlichem moralischen Denken zu einer Verantwortung bezüglich des Themas.

Es ist wirklich ein Armutszeugnis, daß keinE EinzigeR der Verantwortlichen den Mut aufbringt, aus dem Rahmen starrer Regeln auszubrechen, (vielleicht gegen die Meinung vieler "Kollegen" und Vorgesetzten)aufzustehe n und aus der brisanten Situation heraus als Mensch für eine Lösung einzutreten.

Aber so etwas ist in diesem Staat offensichtlich nicht gefragt und gewollt. Alle sollen nur als kleines Rädchen im "Regelsystem" funktionieren, so daß niemand für irgendetwas verantwortlich zu sein braucht. Dies gilt für die leider nie zuständigen Menschen der Stadtverwaltung genauso wie für die gewaltsam zerstörenden und verletzenden PolizistInnen bei den nächtlichen Räumungen der obdachlos Gemachten vor dem Rathaus.

Moral ist nicht gefragt!

Und solch ein System macht mir Angst. Denn in diesem ist alles möglich!

G. Ziemer

Verspäteter Leserbrief zum Artikel "Ewiges Thema Atommüll", Stachel Nov./Dez. 93

Die Thesen von M. Keppler sind etwas aus dem Zusammenhang der Gesprächsrunde gerissen, daher wirkt der Artikel stellenweise wie spirituelles Gefasel. Damit ist Marliese Keppler Unrecht getan, die einen realistischen Zustandsbericht über das Atommüllproblem lieferte, auch über verseuchte Landstriche in der ehemaligen Sowjetunion und einfaches Vergraben in den USA. Sie war u.a. bei den Endlager-Anhörungen in Braunschweig dabei und hatte mit vielen Atomvertretern Gespräche geführt (wobei Zitate z.T. verräterisch waren:"Dann würden Sie sich als Bewacher ja radioaktiver Strahlung aussetzen!")

Dabei machte sie Mut zur Utopie: Es gibt auf alle Fälle eine Zukunft der Erde, und noch in Jahrzehntausenden werden Menschen leben; auf so etwas müssen Industrievertreter erst einmal hingewiesen werden, denn sie rechnen überhaupt nicht damit.

(Auch Greenpeace stellte Forderungen für die Zeit nach der Abschaltung auf: sicherer Einschluß der Atomkraftwerke, Lagerung des Mülls auf deren Gelände, bis "die beste von allen schlechten Lösungen" gefunden ist.)

Die Überschrift "Setzt die Betreiber unter Druck!" ist nicht im Sinne des Artikels, vielmehr sollte folgendes klar werden: Die Betreiber sind durch ihre eigenen Produkte schon massiv unter Druck gesetzt, den sie auf die Bevölkerung abwälzen. Der Widerstand aus der Bevölkerung hat daher die Funktion, die Last auf die Betreiber zurückzuwälzen, aber auch einen Teil der Verantwortung zu übernehmen. Niklaus Halblützel (taz):"Atomkra ftgegner und Energiewirtschaft sind dazu verurteilt, einen gemeinsamen Ausweg zu finden." (Ökolumne, taz 30.10.93) Wahnsinnige Transporte dürfen nicht stattfinden.

Katja v. Viebahn

LeserInnenbrief

betr.: "Wie die Helden von Shakespeare", Zistbald Frühling, Stachel 3/4 94

Frühling läßt sein blaues Band

Wieder knattern auf der Walze,

Zwischen ist Papier gespannt,

Und er schreibt mit sichrer Hand

(Daß sich uns das Großhirn falze)

Was sich tat in diesem Land:

Alte wohlbekannte Düfte#q Steigen auf wie immerdar,

Doch die Tiefe mancher Klüfte

War uns doch nicht ganz so klar.

Was ist unter dem Talar,

Unterm Wirtschaftswendemantel ?

Abs-olut für freien Handtel...

Ja, nun wissen wir, wie's war.

"Frühling, ja, du bists",

war das Wort des Polizists,

"dich hab ich vernommen!"

(Doch so weit muß es ja nicht kommen.)

Anna Chronismus


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel.