Oldenburger STACHEL Nr. 7/94

Fahrradstation nun doch!

Fahrradstation nun doch!

Nach nunmehr dreijähriger Planung wurde die Fahrradstation am Waffenplatz vom Rat der Stadt auf den Weg gebracht. Nachdem sich die SPD von Ihrem Kommunalwahlprogramm distanzierte (,Es war nur so eine Idee und außerdem war gerade Wahlkampf", so Bürgermeister Rolf Müller in der Ratsdebatte), verhalf eine Koalition von Grünen, der CDU und Werner Rettig der Fahrradstation zum Durchbruch.

Der Widerstand der SPD gegen dieses Projekt ist nicht nachvollziehbar, pa t die Fahrradstation doch nahtlos in das derzeit von Rat und Verwaltung favorisierte Verkehrskonzept, das eine Verlagerung des Berufsverkehrs auf umweltfreundliche Verkehrsmittel vorsieht.

Nun wurde durch die bisherige Diskussion um den Standort schon viel kaputtgeredet; viele sehen die leeren Fahrradst,nder auf dem VHS-Parkplatz und fragen sich, welchen Sinn eine Fahrradstation an diesem Ort hat.

Was beim Auto selbstverst,ndlich erscheint, n,mlich eine umfassende Parkinfrastruktur mit Parkh,usern samt Parkleitsystem bis zum solarbetriebenen Parkscheinautomaten, scheint beim Fahrrad entbehrlich.

Sichere Abstellanlagen aber geh"ren zu einer umfassenden Radverkehrsf"rderung dazu: Radfahrer parken dort, wo sie hoffen, ihr Rad nach der Arbeit auch wiederzufinden. An Stellen etwa, wo viele Menschen unterwegs sind und ein Diebstahl unwahrscheinlich ist (das ist auf dem VHS-Parkplatz bisher nicht der Fall) oder in einer bewachten Anlage (dann würde auch dieser Standort ein sicheres Abstellen gew,hrleisten). Eine Fahrradstation macht es m"glich, ein gutes, schnelles Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit zu nutzen, was Zeit spart oder lange Wege ertr,glicher macht.

Darüberhinaus werden in der Fahrradstation kleinere Reparaturen erledigt wie Reifenflicken und Licht reparieren. Für Eink,ufer sollen Kinder- und Einkaufswagen vermietet werden. Und für ausw,rtige Besucher stehen Leihfahrr,der bereit. Weitere Serviceangebote wie eine Kooperation mit der V.W.G. sind denkbar und sollen es zunehmend leichter machen, in Oldenburg auch ohne Auto auszukommen. Und der Preis der Fahrradstation entspricht etwa dem einer Anzeigetafel für das Parkleitsystem.

Mal sehen, ob die Verwaltung diese Idee genau so intensiv unterstützt wie das Parkleitsystem oder Park & Ride...

Billiger ist Radverkehrsplanung allemal und erfolgreicher auch: Park & Ride hat einen Verkehrsanteil von etwa 0,3% und die langen Staus vor der roten Null des Parkleitsystem lassen an dessen Wirksamkeit zweifeln. Das Fahrrad hingegen hat einen Anteil von ca. 30% am Verkehr und Erfahrungen anderer St,dte lassen eine Verdopplung realistisch erscheinen; wenn die Stadt ihren Teil dazu tut...


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