Oldenburger STACHEL Nr. 7/94

Die Rettung ist nahe... Lokaler Rundfunk in Oldenburg

Die Rettung ist nahe... Lokaler Rundfunk in Oldenburg

Es ist kaum zu glauben, aber die Karten liegen günstig: Aller Voraussicht nach wird es in absehbarer Zeit in Oldenburg einen nichtkommerziellen lokalen Rundfunksender geben. Am 6. Oktober 1993 wurde in Niedersachsen ein neues Landesrundfunkgesetz verabschiedet. Die bedeutendste Neuerung ist dabei, daß es ab sofort möglich ist, lokale Rundfunksender zu errichten, die keine gewerblichen Ziele verfolgen dürfen. Eine Finanzierung ist über die öffentliche Hand aus Werbeeinnahmen der privaten Großsender vorgesehen.

Bereits seit einigen Jahren sind verschiedene Initiativen in der ,Interessengemeinschaft nichtkommerzieller lokaler Hörfunk in Niedersachsen e.V. (INGEHN)" organisiert. Nicht zuletzt durch deren Einwirkung konnten die Grünen und die SPD sich zu der Gesetzesänderung entschließen. Eine dieser Initiativen ist der Verein ,RADIO OLDENBURG".

Wohl jedem und jeder geht das quasi vom ,Großen Bruder" gleichgeschaltete dumme und inhaltsarme Informations- und Kulturgebräu aus dem Fernsehen, den bekannten Rundfunksendern sowie unserer allerliebsten ,Wild-West Zeitung" auf die Nerven. Besonders Ereignisse vor Ort kommen immer wieder zu kurz und werden verzerrt, falsch oder gar nicht berichtet. Auch Informationen von und über örtliche Zusammenschlüsse von BürgerInnen und deren Belange spielen kaum eine Rolle in dem medialen Grauschleier, der uns gerade im Rundfunk tagtäglich vorgehängt wird. Dabei ist es gerade für solche Zusammenschlüsse wichtig, die Öffentlichkeit über ihre Anliegen informieren zu können, da sie meist über keine anderen Mittel verfügen, auf den Lauf der Dinge einzuwirken. Die Anliegen von Bürgerinitiativen oder die Interessen der Radfahrer etwa spielen im hiesigen Medienalltag keine Rolle oder werden sogar aktiv bekämpft. Denken wir zum Beispiel an die Bauwagenleute oder an die Geschehnisse in und um Blankenburg. Daß zu diesen Themen in der Tageszeitung etwas Sachliches erscheint, ist etwa so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn.

Im kulturellen Bereich gilt dasselbe, in Oldenburg gibt es, im Vergleich mit anderen Städten, sehr viele Kulturschaffende, von unzählbar vielen Bands und Orchestern verschiedenster Sortierung über kleine Theaterstudios mit hochwertigen Programmen bis zu den Kolleginnen und Kollegen der bildenden Kunst, überall haben Menschen etwas mitzuteilen. Wenn man sie nur ließe...

Genau da will RADIO OLDENBURG ansetzen. Mit einer auf die Bedürfnisse der Leute zugeschnittenen Programmstruktur, frei von Werbung und mit einem Musikprogramm, das nicht den Verkaufskonzepten der großen Plattenfirmen die Fahne hält, soll auch denen eine Öffentlichkeit geboten werden, die sonst kaum zu Wort kommen. Gefragt ist die Beteiligung aller Leute, die etwas beizutragen haben, das redaktionelle Konzept ist auf eine Informations- und auch Beitragsversorgung ,für die Basis-von der Basis" ausgelegt. Arbeitsgruppen von Interessierten und Radiobegeisterten können und sollen Beiträge gestalten, genau wie Vereine und sonstige Gruppen. Für aktuelle Ereignisse gibt es die Möglichkeit der Berichterstattung direkt vom Ort des Geschehens - wie wär's mit einer Livesendung von einem Straßenfest ? Einer Schulfete, bei der die Radio-Arbeitsgruppe der Schule die Sendung gestaltet ? Ein Hörspiel von Bewohnern eines Seniorenheimes ? Aufnahmen Oldenburger Bands im musikalischen Programm, womöglich Live ? Oder ein paar interessanten Interviews vor der Stadtkasse, am Zahltag des Sozialamtes ?

Die Anzahl der Möglichkeiten ist schier unbegrenzt. Für eine korrekte Umsetzung wird eine qualifizierte Redaktion zuständig sein, mit Mitarbeitern, die wissen, worum es geht und Sachkenntnis mit einem Gespür für Zusammenhänge und Idealismus zu kombinieren wissen. Für die Überregionale Themenversorgung ist ein Austausch von Informationen mit den anderen in der INGEHN zusammengeschlossenen Sendern vorgesehen, um auch z.B. von einem Ereignis in Hannover aktuell berichten zu können.

Wer steckt denn dahinter ?

... so mag sich die geneigte Leserin fragen. Nun, bei RADIO OLDENBURG handelt es sich um eine Gruppe von Personen aus unterschiedlichen Zusammenhängen und Sachgebieten, von erfahrenen Presseleuten über Rechtsanwälte, ehemalige FunkpiratInnen, Techniker und Computerfreaks bis zu Musikern und engagierten Einzelpersonen, das Rockbüro zeigt Interesse. Neue sind willkommen, eine Informationsbroschüre liegt in nächster Zeit vor. (Die überwiegend männlichen Wortendungen hier sind weder beabsichtigt, noch ein Zufall, alle interessierten Frauen sind gefragt, sich aktiv zu beteiligen und ihre Positionen einzubringen.) -

Und wann geht's los ?

Wann die Niedersächsische Landesmedienanstalt den ersten Projekten die Bahn freigibt, ist allerdings noch nicht bis ins Letzte geklärt. Eine der offenen Fragen ist zum Beispiel die Vergabe der Sendefrequenzen, eine Angelegenheit der Telekom... Auch ist noch nicht entschieden, welche der zahlreichen Ini's im Lande überhaupt einen Zuschlag erhalten, hier entscheiden mehrere Aspekte, unter anderem die Frage, wie es um die Medienvielfalt im betreffenden Gebiet bestellt ist. Da können die Oldenburger und Oldenburgerinnen nur milde lächeln und sich auf auf eine baldige Änderung im lokalen Geschehen freuen.

Neugierig ? 0441-15662 0441-2488247


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