Oldenburger STACHEL Nr. 7/94

Leserbriefe

Leserbriefe

Zum Kurz-Berichtet "Jugendferien mit den Falken" (5/94, S.11) erreichte uns folgender Leserbrief:

Liebe Stachel-RedakteurInnen

ersteinmal bedanken wir uns für die Ankündigung unserer Zeltlager in Eurer Zeitschrift. Jedoch können wir die Titelierung "SPD-Jugend" so nicht auf uns sitzen lassen. Die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken sind ein unabhängiger Kinder- und Jugendverband im sozialdemokratischen Spektrum. Dies bedeutet nicht, daß wir in irgendeiner Weise der SPD angehören oder gar mit deren Politik einverstanden sind. Wir vertreten vielmehr die Auffassung, daß die heutige SPD durch ihre Politik das sozialdemokratische Spektrum verlassen hat. Daher bitte ich Euch, auf derartige Kommentierungen an einer solchen Stelle künftig zu verzichten.

Nichtsdestotrotz freuen wir uns, daß es neben den von der NWZ beherrschten Medien in Oldenburg auch noch eine Alternative wie den Stachel gibt.

Auf weiterhin gute Zusammenarbeit freut sich mit vielen Grüßen

Jan Knöttig, Pressereferent


Leserbrief zu Studiticket

Den Artikel über das Studiticket aus dem Juni-Stachel möchte ich zum Anlaß nehmen, meine Gedanken nicht zum Studiticket, sondern zum organisatorischen Ablauf der Urabstimmung zu äußern.

Urabstimmungen und Vollversammlungen halte ich für wichtig, wenn es um Themen wie dieses geht. Das Thema ist in privaten Kreisen viel diskutiert worden. Schade, daß es kaum öffentliche Diskussionsveranstaltungen dazu gab. Vielleicht wären dadurch mehr Informationen an die Studis gelangt. Die Art, wie die Öffentlichkeitsarbeit von Seiten des Ökoreferats ablief, halte ich für sehr fragwürdig: Auf den Ankündigungsflugis für die Urabstimmung wurde mir vorgesetzt, wohin ich meine Kreuzchen zu machen hatte. Wurde ich für zu blöd gehalten, mich selbst zu entscheiden? Weshalb wurden keine ausgiebigen Informationen über den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen gegeben? Mir blieb der Weg zum "Info-Cafe" im Mensa-Foyer nicht erspart. Dort angekommen, fragte ich, ob ich mit dem Ticket auch nach Jever fahren könne. "Müßte eigentlich", bekam ich zur Antwort, der Blick auf die Karte verriet das Gegenteil. Später wurde die Karte geändert und die betreffende Strecke war mit dabei. Auf die für mich wichtige Frage, ob der Interregio mit im Paket sei, bekam ich ein "Weiß ich nicht, mußt Du sowieso fragen" zur Antwort. Die Frage, ob und wie ich mit dem Studiticket am besten von Borbeck zur Uni kommen kann, ersparte ich mir daraufhin lieber. Wer "informierte" mich da eigentlich? Die Studiticket-AG doch wohl hoffentlich nicht?

Überhaupt frage ich mich, wer eigentlich das Studiticket-Projekt erarbeitet, verhandelt und vertritt. Bisher hatte ich geglaubt, eine Studiticket-AG, die aus engagierten Leuten besteht sei maßgeblich daran beteiligt und arbeite kooperativ mit dem AStA- Ökologiereferat zusammen, um die Forderungen aus einer stärkeren Position heraus zu vertreten. Dem widerspricht aber, daß der AStA auf der Vollversammlung dem Urabstimmungszettel der Studiticket-AG eine Konkurrenz entgegenstellte. Außerdem wurde auf den Flugis immer wieder die Bündnisliste Jusos/Simply Red erwähnt, so daß der Eindruck entstehen konnte, sie wäre Initiatorin der Idee. Und weshalb höre ich von immer mehr Leuten, die bei der ursprünglichen Studiticket-AG mitmachten, daß sie das Handtuch werfen?

Doch zurück zum Stimmzettel. Haben sich die EntwerferInnen des Stimmzettels, der vom AStA auf der VV eingebracht und dort beschlossen wurde, eigentlich intensiv mit seiner Gestaltung auseinandergesetzt? Es gibt, so wie ich das verstanden habe, inhaltlich drei verschiedene Positionen: Für die sofortige Einführung (für 98 DM), für Weiterverhandeln mit deutlich geringeren Kosten (danach Neuabstimmung) und generell gegen ein Studiticket. Ich würde also einen Stimmzettel machen mit drei Feldern und einem zugelassenem Kreuz, da die Entscheidung für nur einen der drei Punkte fallen soll. Weshalb also gab es für jede der drei Fragen Ja/Nein-Felder und somit insgesamt (23=) 8 zulässigen Ankreuzmöglichkeiten (mit Enthaltung sogar (33=) 27!)? Sind das nicht etwas viele?

Von der Möglichkeit, mehrere Ja-Kreuze zu vergeben, wurde ja auch Gebrauch gemacht: die Summe der Ja-Stimmen ergibt 100,8%. Weil es Enthaltungen und Stimmzettel mit nur Nein- Stimmen gab, sind es mehr als 0,8% zu viele Ja-Stimmen. Die genaue Zahl ist leider unbekannt, da auch die Auswertung der Urabstimmung wenig aussagt über tatsächliches Abstimmverhalten und Meinungsbild. Zumindest die 27 verschiedenen Abstimmmöglichkeiten hätten im Ergebnis aufgeschlüsselt werden müssen. Dann käme z.B. heraus, daß viele Enthaltungen als Nein zu verstehen sind...

Gewundert habe ich mich übrigens über Frage 2: "Ich stimme für die Fortführung der Verhandlungen durch den AStA, mit dem Ziel einen Preis um 55,- DM für das Gesamtangebot zu erzielen. Mit der Einführung des Semestertickets zu diesen Konditionen zum nächstmöglichen Termin bin ich einverstanden."

Für mich bedeuten Verhandlungen, daß ein Kompromiß gefunden werden muß mit Abstrichen auf beiden Seiten, damit sich beide Seiten darin wiederfinden. Was ist das für eine Verhandlung, in der das Gesamtangebot erhalten bleiben muß und nur die Verkehrsbetriebe Zugeständnisse machen müssen? Außerdem interpretiere ich das "Ja- Kreuzchen" an dieser Stelle für den Abschied der Studiticket-AG, sollen die Verhandlungen doch vom AStA weitergeführt werden. (von welchem eigentlich?)

Leider führten auch die Verkehrsbetriebe bisher keine fairen Verhandlungen, sondern schienen die Preise nach Lust und Laune hochzupuschen. Schade, daß soviel durcheinanderging und soviele Fehler gemacht wurden. Ich finde, es ist dringend Zeit, zu einer ökologisch vernünftigen Lösung der Verkehrsprobleme rund um die Uni (und nicht nur dort) zu kommen... Michael Uhlemann


Semesterticket und Parkplatzgebühren an der Uni?

Leider abgelöst vom Versuch, die Studis auf den Bus zu bekommen, wurden weniger Verkehr und weniger Abgase vom Kanzler in Aussicht gestellt. Deshalb sollen die Bediensteten der Uni bis 70 DM pro Monat an Parkgebühren berappen. Z.B. für Teilzeitbeschäftigte mit Kind einerseits eine große Summe, während sie andererseits durch schlechte ÖPNV-Anbindungen aufs Auto angewiesen sind.

Hätte eine private Firma wirklich ein Interesse, daß die von ihr bewirtschafteten Parkplätze frei bleiben, damit wir wieder atmen können? Würde ein Vater aus z.B. Kreyenbrück morgens sein Kind zum Hort bringen und dafür jeweils eineinhalb Wegzeit erübrigen, wenn das mit dem Auto eine halbe Stunde dauert und er es so gerade zur Mittagszeit zurück schafft?

Der vom Kanzler geäußerte Versuch, außerhalb Wohnende über horrende Parkgebühren zum Wohnen in der Stadt zwingen zu wollen, scheint mir ein unglücklicher Weg. Viele haben befristete Verträge. Soll so die moderne Nomadenschaft begründet werden, ganz abgesehen vom Wohnungsmangel, der Tatsache, daß Umzüge so besonders ökologisch auch nicht sind und viele Menschen aus sozialen Bezügen herausgerissen werden und unter Einsamkeit leiden?

Zeichen der Zeit ist Verkehrsvermeidung! Deshalb muß die Universitätsleitung schnellstens Verhandlungen über ein Jobticket sowie über eine Verbesserung der Unianbindung mit den Trägern des ÖPNV aufnehmen. Vielleicht sind NACH einer Verbesserung des ÖPNV auch Parkgebühren sinnvoll - hier erwirtschaftete Gelder müssen in die Verringerung der Umweltverschmutzung durch den Autoverkehr fließen und nicht in das Finanzloch der Uni!

Gerold Korbus


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