Oldenburger STACHEL Nr. 7/94

Manche Sheriffs prügeln und killen Menschen

Manche Sheriffs prügeln und killen Menschen

BürgerInnen sehen nicht mehr zu!

ist ein Mensch, der sich in seiner Rolle der Gerechtigkeit verschrieben hat. So jedenfalls können wir allein schon jeden Tag der Glotze entnehmen. Wobei sich sicherlich schnell die Frage auftut, was eigentlich Gerechtigkeit ist. Dieser Frage, zu der es die verschiedensten Vorstellungen gibt, möchte ich mich nicht widmen. Ich bin "nur" durch verschiedene Beobachtungen erschreckt:

Da melden die Tagesthemen, wie in Köln ein Aufgebot von 15 (!) PolizistInnen einen Rollstuhlfahrer des Platzes verweist. Dabei wird er "mal so eben" verprügelt, und zwar derartig, daß Passanten hinterher äußern, daß so nicht einmal mit dem lieben Vieh umgegangen würde. Dafür wurde er im Nachherein noch mit einer Strafanzeige wegen "Widerstand gegen die Staatsgewalt" bedacht. Ach ja, sein Vergehen: Er hat keine Wohnung.

In Hamburg war die Polizei geradezu fair: "Heute bist du dran", wurde einem Journalisten gesagt, der vor einiger Zeit kritisch über die Polizei berichtet hatte. Vor Zeugen und Kameras wurde er "drangenommen". Schwerste Verletzungen waren die Folge von Nierenhaken und "Fußverdrehen", bis die Bänder im Gelenk rissen. Bei Redaktionsschluß war er noch immer im Krankenhaus.

In Hannover wurde jetzt ein 16-jähriger Jugendlicher erschossen. "Unglückliche Umstände" sagt die Polizeiführung. "Es habe eine Rangelei gegeben", äußern die beteiligten Beamten, "es habe sich ein Schuß gelöst". Andere Zeugen hingegen berichten, daß es keine Rangelei gegeben habe, und daß der Schuß gezielt abgegeben worden sei. Wer soll glauben, daß "sich ein Schuß löst" und nicht gelöst wird. Es ist nicht das erste Mal, daß versucht wird, der Öffentlichkeit Glauben zu machen, daß einfach etwas so passiert sei. Wer so eine Waffe schon einmal in der Hand gehalten hat, weiß, daß der Sicherungshebel nur mit erheblichem Kraftaufwand umgeschaltet werden kann. Deshalb kann sich nicht einfach ein Schuß gelöst haben, sondern die Vorbereitungen hierzu müssen bewußt und gezielt getroffen worden sein.

Und in Oldenburg? Hier kam es u.a. zu Prügelaktionen gegen BauwagenbewohnerInnen, denen selbst Mitglieder des Stadtrates zum Opfer fielen. So bekam u.a. der Abgeordnete Reinhold Kühnrich blaue Flecke und ihm wurde die Kamera zerschlagen. Und wie es scheint, werden Aktionen gegen andere Menschen vorbereitet, indem lauthals - so daß es durch die Straßen schallt - Personen per Polizeifunk diffamiert werden: "Das war bestimmt XXXX, das ist so ein Querulant, der macht so etwas" hieß es kürzlich, als Beamte einen gemeldeten Unfall im Artillerieweg nicht finden konnten. Sicher ist hier nur eines: Herr XXXX war es nicht. Bleibt die Frage, wo beim Polizeifunk der Datenschutz bleibt, wenn Namen in diffamierender und rufmörderischer Art so in der Polizei und darüber hinaus veröffentlicht werden. Ist Herr XXXX vielleicht "auch bald dran"?

Es wird Zeit, daß die alte Initiative "Menschen beobachten die Bullizei" wieder belebt wird - wie es scheint, gibt es einiges zu beobachten. Die des Denkens fähigen Beamten sollten sich ihrer Zivilcourage entsinnen und sich nicht für alles vereinnahmen lassen, z.B. nicht für Stadtdirektor Wandschers Privat"spiele" "Wie verhindere ich eine Bauwagensiedlung in Oldenburg". Ihnen sei z.B. eine Schrift ihres Kollegen Manfred Such ans Herz gelegt: "Bürger statt Bullen".

Gerold


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