Oldenburger STACHEL Nr. 10/94

Von Oldenburg in die weite Welt

Stachel als Museum

Manche Stachel-Gäste staunen nicht schlecht, wenn sie uns während der Arbeit besuchen. Nicht selten stehen sie mitten in unserem Hi- Tech-Satzstudio, den Mund weit geöffnet und wissen gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen. So manchem Nostalgiker laufen die Augen voll Wasser und wir haben Mühe, die bereitgelegten Taschentücher unter unseren Papierstapeln wiederzufindn.

Zwar sind wir Anfang des Jahres auf etwas moderneren Satz umgestiegen, doch die Tipp- Computer vom Anfang der 80er werden immer noch benutzt und manchmal mogeln wir Euch auch noch Artikel unter, die mit dem 18 Jahre alten Fotosatzgerüt gesetzt sind (welche Artikel das sind, verraten wir nicht. Das müßt ihr selber herausfinden, aber wetten, daß Ihr das nicht schafft? Kicher, ein eingebildeter Setzer)

Wir wissen nicht, in welchen Kreisen unsere Museumstechnik thematisiert wird. Recht erstaunlich aber ist, wer alles davon Wind bekommt (Muß am Wetter liegen, d.S.). So staunte kürzlich einer unserer Redakteure nicht schlecht, als er bei seinen Recherchen erfuhr, daß es Menschen im Presseamt der Stadt gibt, die glauben, wir würden Schmierzettel vervielfältigen und geheftet unter's Volk bringen. (Die haben wohl dieses Manuskript gesehen, d. Tipper - Nee, das habe ich später geschrieben, d. Autor - Achso, na dann..., d. Tipper)

Doch der Schein trügt, denn technisch sind wir Spiegel, Focus und taz einen weiten Schritt voraus. Was diese als Novum verkaufen, ist für uns seit Jahren grauer Alltag: Das elektronische Publizieren in Computernetzen. Neben der konventionellen Methode, den Stachel einfach aufzuschlagen und darin zu lesen, gibt es drei weitere elektronische Zusatzangebote: Über ein linkes Mailboxnetz, über das weltweite Internet und aus einem Textarchiv.

Ein Artikel geht auf Reisen.

Das Prinzip eines Mailboxnetzes sei an folgendem fiktiven Beispiel erklärt: Antje besitzt Computer, Telefon und ein Zusatzgerät (Modem), mit dem sie den Computer ans Telefonnetz anschließen kann. Sie hat einen Text zum Thema Abschiebung verfaßt und eingetippt und möchte ihn anderen zu lesen geben, weil er interessante Hintergrundinform ationen enthält. Mit Computer und Modem ruft sie einen anderen Computer an, der so ausgerüstet ist wie ihrer, um ihm ihren Text zu übertragen. Der andere Computer, das weiß Antje, ist dafür da, viele Texte zu sammeln und auf Anfrage anderen, z.B. Matthias aus der Nachbarstadt, zum Lesen zur Verfügung zu stellen. Diesen Sammelcomputer nennt man "Mailbox" oder "Newsserver". Etwas traurig ist Cora, die 800km weit entfernt wohnt. Teure Telefonkosten müßte sie zahlen, um Antjes Artikel zu bekommen. An ihrem Ort gibt es jedoch auch eine Mailbox, die mit anderen, indirekt auch mit Antjes, vernetzt ist. Die Mailboxen rufen sich nach festgelegten Regeln untereinander an und geben Kopien der Artikel weiter, die bei der anderen fehlen. Solche Mailboxnetze ermöglichen Cora, den Artikel von Antje oder Matthias zu lesen. Damit Cora den Artikel findet, gibt es verschiedene Themenrubriken ("Bretter" oder "Newsgroups"), in denen die Texte einsortiert werden.

Stachel bundesweit in ComLink

Es gibt sehr viele Mailboxnetze, die sich durch unterschiedliche Zielrichtungen und Verbreitungsgebiete unterscheiden. Für uns interessant ist das ComLink-Netz, das deutschlandweit vor allem alternative, linke Informationen verbreiten soll, die frei von Rassismus, Sexismus und Militarismus sind. Über ComLink vernetzt haben sich viele Umweltgruppen, Menschenrechtsvereinigungen, Teile der Frauen- und Friedensbewegung, der Antifa, der Hausbesetzungsszene und verschiedene andere Gruppierungen. Auch alternative Radios und Zeitungen wie ANNA, telegraph,... beteiligen sich am ComLink- Verbund.

Auch der Oldenburger Stachel konnte sich da nicht zurückhalten. Wir beziehen Informationen, verbreiten seit Ende 1991 jedoch auch die in der Zeitung veröffentlicht en Artikel, Meldungen, Veranstaltungstips und neuerdings Hörfunktips im ComLink. Über Nacht sind sie dann in ganz Deuschland zu lesen. Einsortiert sind unsere Artikel in der Rubrik "cl/magazine/stachel", allerdings setzen wir auch Verweise in andere Rubriken.

Wer einmal testweise den Stachel im ComLink lesen möchte, kann sich an die Subetha- Mailbox in Hude wenden. adreessee. Studierende der Uni haben auch über die PC-Räume der Fachbereiche oder des Rechenzentrums die Möglichkeit, ComLink- Artikel vom Stachel zu lesen. Dazu mußt Du Dich über das Menü als "Login Student" beim System anmelden und aus dem Auswahlmenü "Software" das Programm "News" auswählen. Du wirst dann mit der Mailbox (bzw. "Newsserver") der Uni verbunden und bekommst eine Liste der vorhandenen Themenrubriken.

Der Stachel umsegelt die Welt

Für Oldenburger, die in einer anderen Stadt studieren oder Austausch-Studis könnte unser Internet- Service interessant sein. Das Internet ist ein weltumspannendes Netz, das vor allem Universitäten und Forschungseinr ichtungen verbindet. Ihm aufgesetzt ist das World Wide Web (WWW), das man sich als dezentrales Textarchiv vorstellen kann. Mittels Programmen, wie Mosaic oder Cello, können diese Texte auf dem Bildschirm sichtbar gemacht werden. (Das besondere am WWW ist, daß man nur Textstellen anklicken muß, um einen weiteren Text, ein Bild, einen Kurzfilm oder was auch immer zu bekommen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wo die entsprechenden Daten liegen). Um den Stachel über WWW zu lesen, ist unter Unix und X- Windows "Mosaik &" oder unter MS-Windows "Cello" aufzurufen. Als URL (Uniform- Ressource-Locator)-Adresse ist "http://aix12.h rz.uni-oldenburg.de:81/^u664526/stachel.html" anzuwählen.

Antesten kann man es auch in der Uni, im 2. Stock des AVZ. Dort steht im Treppenhaus ein öffentlicher Mosaic-Terminal. Vom Eröffnungstext des Fachbereichs Informatik aus kann man mit der Maus auf "Studentenverwa lter Bereich" klicken und anschließend auf "Studi-eigene Seiten". In der Liste wird der Oldenburger Stachel aufgeführt. Durch weiteres Klicken mit der Maus kommt man zu unserer aktuellen Ausgabe.

Stachel auf CD-ROM

Wem das nicht reicht, und den Stachel unbedingt auf CD-ROM haben möchte, dem steht die dritte Bezugsmöglichkeit offen. Wir haben auf der Mailbox "Infodrom Oldenburg" unsere Texte in archivierter Form (ca 70KB) abgelegt, die mit Modem oder über UUCP (Unix- to-Unix-Protokoll) oder Online Login abrufbar sind. Mit einem Terminalprogramm (Einstellung 9600 oder 14400 Baud) rufe man Infodrom unter 777884 an und logge sich als bbs ohne Paßwort ein. Es wird automatisch ein Mailboxsystem geladen und eine Menüoberfläche erscheint. Als login ist nun gast mit dem Paßwort gast einzugeben. Durch Drücken der Taste f läßt sich der Dateibereich anzeigen. Mittels s wähle man sich nacheinander in die Ordner "texte", "magazine", "Stachel" und liste sich mit l die vorhandenen Dateien auf. Das gleiche geht auch über nUUCP sofern ein UUCP- paket (crosspoint, linux) vorliegt.

Der Stachel als Lieblingszeitung

Obwohl wir jetzt zwei Seiten diesen Thema gewidmet haben, wollen wir nicht darüber hinwegtäuschen, daß die elektronische Form ein reines Zusatzangebot ist - eine Weiterverwertung von Datenmüll sozusagen, denn getippt werden müssen die Texte sowieso. Anders sieht das schon bei einem anderen Projekt aus, was sich einer unserer Programmierer ausgedacht hat. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Der Stachel lebt für und von den gedruckten Exemplaren, denn wir wollen nicht nur für Computerfreaks da sein, sondern für Dich und Dich. Und wo kann man schon den Stachel besser lesen als (auf dem Klo, d. Tipper) auf (Schmier?)papier!

muh


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel.