Oldenburger STACHEL Nr. 10/94

Mercedes Benz und die Protestanten

"Sollte die Odyssee von Daimler Benz tatsächlich ein Ende gefunden haben? Nachdem die Bauern vom Boxberg Benz bezüglich der Teststrecke für

Nachdem die Bauern vom Boxberg Benz bezüglich der Teststrecke für Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge eine Abfuhr erteilt hatten, hatte eine rosa & (ehemals) grüne Landesregierung politisch in die Wege geleitet, was schwarze & b..... Landesregierungen nicht haben durchsetzen können. In diesen Tagen wurde die letzte politische Weiche vom Stadtrat in Papenburg auf Grün gestellt.

Herr Walker von den GRsNEN im Stadtrat stellte zuvor noch einmal die Bedeutung dieser gewollten ökologischen Katastrophe dar: Es wird nicht nur eines der größten zusammenhängenden europäischen Moorgebiete vernichtet - eine Katastrophe für Fauna und Flora. Gleichzeitig wird die größte Landebahn für Bedarf des Militärs bereitgestellt. Diese Betonfläche steht dafür, daß der Automobilkonzern nicht kleine, weniger Gift und Abfall verursachende KFZ herstellen will, sondern weiterhin auf Rasen ohne Rücksicht setzt. So wurde ein Vertrag mit China abgeschlossen. Auch dort wird nicht auf umweltfreundliche Verkehrspolitik gesetzt, sondern auf das Auto. Wenn möglicherweise irgendwann China den heutigen Motorisierungsgrad der BRD erreicht haben wird, bedeutet dies 600 Millionen KFZ. Die Folgen mag sich jedeR selbst ausmalen. Völlig unverständlich, daß die LandesGRÜNEN diesem Beton-Mammut zugestimmt haben. Herr Walker übte diesbezüglich Kritik an seinen ParteifreundInnen.

V"llig unverst,ndlich übrigens auch, was bei der Ratssitzung einigen Anwesenden deutlich wurde. Die als Argument immer wieder angeführten ,ökologischen Ausgleichsmaßnahmen" sollen in folgendem bestehen: Es ist u. a. geplant, einen

Wald abzuholzen, um dort eine Moorfläche einzurichten. Obwohl keine Bürgerfragestunde sei, bestätigte dies der Bürgermeister gegen Ende der Sitzung auf Frage einer Zuhörerin.

In der gleichen Sitzung wurde der Bau eines luxuri"sen Hotels beschlossen. Ob dort die eingeflogenen Mercedesspezialisten nächtigen werden? Wer sonst wird so viel Geld haben? Ach ja, eingeflogen... Der Flugplatz bei Leer wird ebenfalls erweitert. Wer mag da wohl fliegen wollen, daß eine Erweiterung nötig sein soll?

Die Rede von Herrn Walker, deren Inhalte hier hoffentlich wiedererkennbar sind, bekam tosenden Beifall aus dem Publikum. Die folgende ,Abstimmung" wurde begleitet von einem teilweise fast happeningartigen Protest. Später stürmten beknüppelte Grünröcke den Ratssaal und drängten - teilweise mit massiver Gewalt - viele ZuhörerInnen nach draußen. Auf der Treppe bekamen einige ,Grüne" noch rote Tupfer. Ob die nicht den Mitgliedern der großen schwarz-braun-rosa-gelben Umweltvernichtungskoalition besser gestanden hätten?

Die verbliebenen ZuschauerInnen nahmen mit Erstaunen zur Kenntnis, da  nach Auffassung der Ratsmitglieder während des Tohowabohus die Beton-Versiegelung des Moores mit drei Gegenstimmen besiegelte Sache geworden sei. Ob das so im Sinne der Niedersächsischen Gemeindeordnung sein kann, mag bezweifelt werden.

Letztlich sind bislang die politischen Fragen gekl,rt. Die juristischen sind offen. Sicher ist: Widerstand ist nötig! Denn ganz ungrün: Wenn es bleiben soll, muß sich etwas ändern.

Gerold Korbus

PS: Protestanten? Bei einem kurzen NDR-Bericht über die Ratssitzung entreligiösierte der Sprecher diesen Begriff und gab dem evangelisch okkupierten Wort seine ursprüngliche Bedeutung zurück.


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