Oldenburger STACHEL Nr. 6/95

Das ausgefranzte "Grüne Band"

Ohne Start, Route und Ziel - aber mit Autoverkehr

An einem Sonntag im Mai zog sich eine lange Schar Radfahrer von Nord nach Süd durch Oldenburg; alle mit einer gelben Baseballmütze auf dem Kopf. Das war die Eröffnungsveranstaltung zum "Grünen Band von Oldenburg", ein Geschenk der Stadt an ihre Bürger anläßlich des Stadtjubiläums. Das war sicherlich gutgemeint, aber das Geschenk erinnert an Krawatten von Großmutter zu Weihnachten: Man sagt artig "Danke" und weiß schon, daß man sie nie wieder anzieht. Das "Grüne Band" ist eine ausgeschilderte Fahrradroute, die die Oldenburger Grünflächen "verbinden" soll, aber so richtig grün ist es nur in Kreyenbrück. Zusammen mit 1.500 Mitradlern hatte die Tour einen eigenen Reiz, aber ein zweites Mal wird sobald niemand diese Tour abradeln. Denn teilweise geht es auf Hauptverkehrsstraßen (Scheideweg) direkt an den Grünanlagen (Bürgerbusch) vorbei, andernorts fordert es den Pfadfinder, wenn Hinweisschilder gesucht werden müssen. Die Route zieht sich von Nord nach Süd und am Ziel angekommen hat man einen genausolangen Rückweg. Und es ist auch nicht ersichtlich, wo denn nun der Anfang und das Ende der Tour ist, manch einem geht vielleicht erst in Sandkrug ein Licht auf...

Die Ausschilderung von Fahrradrouten ist durchaus sinnvoll. Aber wir Radfahrer wollen auch wissen, wo wir letztendlich landen. Beim Autoverkehr die Regel, scheint es beim Radverkehr entbehrlich zu sein, den Radlern das Ziel zu nennen. Der Weg ist das Ziel... Streckenweise kann man sich schon zwischen drei Fahrradwegen entscheiden, allerdings ohne zu wissen, wo man schließlich landet. Aber für uns Radfahrer ist ja die Hauptsache das Radeln an der frischen Luft; wenn wir auf dem kürzesten Weg irgendwohin wollen, nehmen wir natürlich das Auto...


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