Oldenburger STACHEL Nr. 6/95

KurzBerichtet


HiTech und Multimedia

scheinen auch in der alternativeren Szene hoch im Kurs zu sein. Dennoch möchten wir alle diejenigen, die uns Beiträge auf Diskette einreichen oder sie uns per eMail zusenden, uns immer auch ein Manuskript auf Papier zukommen zu lassen, wenn der Beitrag gedruckt werden soll. Das erleichtert uns den Umgang damit und gibt uns eine gewisse Sicherheit. Außerdem sollten die elektronischen Textfassungen immer im "ASCII-" oder "ANSI-"Format gespeichert werden. Danke. Red.


Expo 2000: Der Mensch

zerstört Natur

mit Technik

Trotz Proteste von Umweltschützern hat die Stadt Hannover Mitte April im Stadtwald Eilenriede 540 z.T. über 100 Jahre alte Bäume fällen lassen, um die Pferdeturmkreuzung für die Weltausstellung Expo 2000 auszubauen. Obwohl noch Klagen gegen den Ausbau beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg vorlagen, gab es seine Einwilligung zur Fällaktion, die zwei Tage in Anspruch nahm. Zirka 100 Millionen DM verschluckt der Kreuzungsumbau und der Bau einer Trogstrecke zum Messeschnellweg. Die Expo 2000 steht unter dem Motto: "Mensch, Natur, Technik".


Sommerferien

Wir verabschieden uns nun ersteinmal von einem unserer Mitarbeiter und wünschen ihm ein tolles Jahr in Norwegen. Nach unserer Sommerpause werden wir also noch mehr zu tun haben, denn so richtig mehr geworden sind wir immer noch nicht. Schade eigentlich. Wer also den Stachel wichtig findet und das Projekt unterstützen möchte, möge bitte zu unseren öffentlichen Redaktionssitzungen kommen. Die Termine ändern sich wegen unserer Sommerpause, in der wir uns voraussichtlich nur am 13.6., 25.7., 1.8. und 8.8. jeweils um 19 Uhr in unseren heiligen Hallen treffen. Zusätzliche Treffen werden auf unserem Anrufbeantworter angekündigt, der übrigens regelmäßig abgehört werden wird.

Allen unseren LeserInnen (besonders der Stadtverwaltung) wünschen wir gute Erholung von uns... im August werden wir wieder verschärft zustacheln. Was wir in der Zwischenzeit aushecken, verraten wir gewissen Leuten nicht. Kicher!


Empört verlassen

haben die Anwohner der Umgebung des Gleisweges die Bauausschußsitzung am 1.6., weil beschlossen wurde, daß die schutzwürdige Grünfläche mit sozialem Wohnungsbau bebaut werden darf.


Bürgerversammlungen im Juni

Die Stadt Oldenburg führt bis zu den Ferien folgende Bürgerversammlungen durch: Bebauungsplan Altes VFB-Stadion: 20.6., 19 Uhr, BBS II; Bebauungsplan Brookweg: 21.6., 17 Uhr, Grundschule Dietrichsfeld


Altenheim wechselt Besitzer

Für 12 Millionen DM kann das Diakonische Werk zum 1.9. das letzte städtische Altenheim am Schützenweg übernehmen und erhalten. Während 7,5 Millionen DM davon den Haushalt der Stadt aufbessern, soll der Restbetrag in die Sanierung und bauliche Erweiterung der Gebäude investiert werden. Der Verkauf und die drohende Schließung des Heims hatte in den letzten 15 Monaten für Unruhe und Angst unter den Heimbewohnern und Angestellten geführt (wir berichteten). Die Diakonie verspricht den Erhalt des Heims und konzeptionelle Verbesserungen für die alten Menschen, wie Wohngruppen, Ausbau der sanitären Anlagen und die Möglichkeit, eigene Möbel mit ins Heim zu bringen.

Dennoch werden die Mobileren unter ihnen bald vom Kiosk gegenüber Abschied nehmen müssen. Er wird dem Wohnhausbau weichen wie die ehemalige Drogerie in der Nähe der Ammerländer Hin- und Herstraße.


Uni kündigt Hörsaalbau an

Die Universität will noch im Herbst dieses Jahres den Grundstein für Hörsaalzentrum und Hotelkomplex am Uhlhornsweg setzen. Das geht aus einem Bericht des Uni-Infos hervor. Die Bauten, mit denen ein Generalunternehmer beauftragt sei, würden innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt. Besonders von Studis und Anwohnenden gibt es Kritik am Projekt. Siehe auch Stachel 12/94 "Uni will Prestigebau".


Ozon-Telefon

Die Arbeitsgruppe Physikalische Umweltanalytik (AG PUMA) des Fachbereichs Physik an der Uni hat wieder ein Ozon-Telefon eingerichtet. Unter 798-3548 kann man rund um die Uhr die Meßwerte erfahren, die in der Zeit von 13 bis 13 Uhr 30 ermittelt wurden. In den Nachmittagsstunden liegen die Ozon-Werte gewöhnlich höher als gegen Mittag. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, bei einer einstündigen Belastung 200, bei einer achtstündigen Belastung 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft nicht zu überschreiten.


Oldenburgs Klage gegen Schacht "Konrad"...

... müßte langsam vorbereitet werden. Die Einwendung der Stadt gegen den Schacht wurde im Erörterungstermin vorgetragen, das Erörterungsverfahren im März abgeschlossen. Nun liegt ein Entwurf des Bundes für einen Planfeststellungsbeschluß vor, den das Land nach Weisung aus Bonn bis Mitte 95 erlassen soll.

Oldenburg hatte seine Einwendung mit den Gefahren begründet, die der Stadt durch die Atommülltransporte ins Endlager drohen. In der Tat würde eine Anlieferung aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield wahrscheinlich über Emden oder Wilhelmshaven und damit auch über Oldenburg erfolgen. Diese Anlage ist neben La Hague in Frankreich der zweitgrößte "Abnehmer" von abgebrannten Brennelementen aus Deutschland. Ein riesiges Gefahrenpotential würde also regelmäßig durch unsere Nachbarschaft rollen.

Doch es ist sehr fraglich, ob in dem Planfeststellungsbeschluß die Transportproblematik überhaupt behandelt wird. Für diesen Fall haben bisher Salzgitter und die Gemeinde Vechelde eine Klage angekündigt, Hannover hat dazu noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Ein Gutachten zu den Gefahren, die von Atomtransporten ausgehen, hat Hannover bereits anfertigen lassen. Hiermit könnte die Stadt Oldenburg ohne große Kosten die örtliche Gefährdung überprüfen und ein eigenes Gutachten anfertigen lassen. Aufgrund dieses Gutachtens könnte dann eine Klage der Stadt Oldenburg gegen den Planfeststellungsbeschluß beschlossen werden. Das müßte nur bald geschehen, denn Frau Ministerin Merkel treibt zur Eile an. Es wäre oberpeinlich, wenn Oldenburg die Klagefristen nicht mehr wahrnehmen könnte.


Umwelt-Infos

...von Jugend-Umweltinitiativen sind in dem Katalog des Jugendumweltnetzwerkes enthalten. Für deutlich unter zehn Mark kann mensch ihn bestellen bei der Jugend-Umwelt-Infostelle, Goebenstr. 3a, 30161 Hannover, Tel. 0511/3940415.


Eine Jugendwanderfahrt durch Südpolen...

... bietet das Jugendumweltbüro jungen Leuten ab 15 an, die vom 13. bis 31. Juli gemeinsam mit polnischen Jugendlichen wandern, radfahren und am Lagerfeuer sitzen wollen. Urige Wildnis in der Hohen Tatra wird geboten, aber auch Krakau und ein Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz. Das Programm kann von den TeilnehmerInnen mitgestaltet werden. 450 DM kostet die Polenfahrt. Infos dazu und zu anderen ökologischen Jugend- Aktivfreizeiten in Nordskandinavien, Irland, Schottland oder Teutoburger Wald gibt es im Jugendumweltbüro Oldenburg unter Tel. 0441/15878.


Sommerhochschule für Mädchen

Oberstufen-Schülerinnen können vom 19.6.- 23.6. probeweise an der Fachhochschule in einem Studiengang ihrer Wahl studieren. Mit dieser Möglichkeit versucht die Gleichstellungsstelle der FH junge Mädchen verstärkt für Ingenieursstudiengänge zu interessieren.


Aktivitäten zum Antikriegstag

Auf einem Nachbereitungstreffen der Ostermarsch-Initiative haben die dort anwesenden Gruppen sich überlegt, daß sie die Arbeit gerne mit Aktionen zum Antikriegstag fortsetzen möchten. Inhaltlich soll es vor allem um die hier stationierte Krisenreaktionseingreiftruppe und deren zu erwartenden Out-of-area-Einsätze gehen, so jedenfalls der Vorschlag der dort Anwesenden.

Eine erste Idee war, daß vielleicht jede Gruppe, die Lust und Interesse hat, eine eigene Aktion vorbereitet, und daß diese unterschiedlichen Aktivitäten gemeinsam an einem Ort (z.B. Rathausmarkt) stattfinden könnten. Aber auch eine gemeinsame Aktion aller wäre möglich. Zwei Frauen erarbeiten jetzt erstmal einen Aufruf-Entwurf, der verschiedenen Initiativen, Gruppen und Organisationen in den nächsten Wochen zugeschickt wird.

Außerdem findet am Dienstag, 8.8.1995, um 20 Uhr im Gemeindehaus Wilhelmstraße ein Vorbereitungstreffen statt, so dem alle Interessierten (auch Einzelfrauen und - männer) herzlich eingeladen sind.


Beratungscafé von Frauen für Frauen

Am 17.06.1995 um 15 Uhr soll das "Caf'e Aufbruch" im Frauenhausprojekt (Cloppenburger Str. 35) eröffnet werden. Das Caf'e soll in erster Linie Frauen ansprechen, die von Gewalt gegen Frauen betroffen sind. Es soll u.a. Frauen in der ersten Phase nach dem Frauenhaus unterstützen, sich neu zu orientieren und neue Kontakte zu knüpfen. Im Caf'e können Informationen ausgetauscht werden. Auf Wunsch bietet der Trägerverein "Aufbruch e.V." kostenlos psychosoziale Beratung und Rechtsberatung an. Kinder können während der Beratungszeit betreut werden.


Zufluchtstätte für Mädchen und junge Frauen

Am 1.Juni 1995 wurde die Zufluchtstätte als zweite Einrichtung des Vereins "Autonomes Mädchenhaus Oldenburg e.V." eröffnet. Die Zufluchtstätte soll vorübergehenden Schutz bieten und Hilfe in Notsituationen gewähren. Die Adresse der Zufluchtstätte ist geheim, sie kann zunächst nur über Telefon 04401/9490933 erreicht werden.


KIF 23,0 in Oldenburg

Die Konferenz der Informatik-Fachschaften (KIF) 23,0, die vom 1.-5.6. in Oldenburg ausgerichtet wurde, hat Zeichen für den Umweltschutz gesetzt. Erstmalig wurde versucht, während der Konferenz weitestgehend auf motorisierte Fortbewegungsmittel zu verzichten. Die ca. 100 Teilehmenden aus ganz Deutschland, Polen und Östereich konnten sich bei der Ankunft für die Dauer der Konferenz ein Fahrrad ausleihen uns so problemlos und schnell alle Veranstaltungsorte erreichen. Damit wurde gezeigt, daß auch mehrtägige Konferenzen, die an verschiedenen Orten einer Stadt ausgerichtet werden, umweltschonend und unmotorisiert sein können, ohne daß die Beweglichkeit der Teilnehmenden darunter leidet.

Auf der Konferenz wurde u.a. über den Bildungs- und Sozialabbau, Globalhaushalt und die zunehmende Vernetzung diskutiert.


Deutscher Kriegseinsatz...

... auf dem Balkan rückt näher! Während die Bundesregierung bisher davon gesprochen hatte, der UNO bei ihrem Abzug helfen zu wollen, tritt Kriegsminister Rühe seit Anfang Juni offen für eine deutsche Luftunterstützun g mit Kampf- und Transportflugzeugen bei der Umgruppierung der UNO-Truppen ein. Umgruppierung bedeutet hier Konzentrierung in "verteidigungsfähige Positionen" und die "Verstärkung alliierter Verbände durch zusätzliche Elite-Truppen" sowie nach französischen Vorschlägen "die Bildung eines Korridors nach Sarajewo". Außerdem sollten die Blauhelme freien Zugang zu den muslimischen Enklaven erhalten. Damit wäre die UNO in Bosnien kriegsfähig, und das würden die Serben nicht ohne Kampf zulassen.

Der deutschen Abzugshilfe hatte sich die SPD nicht entgegenstellt, und auch für das neue Vorhaben ist die Zustimmung von CDU und SPD zu erwarten. Die Grünen im Bundestag wollten sich bis Redaktionsschluß nicht "festlegen", weil sie abwarten wollten, ob es ein UN- Mandat für den Einsatz der Luftwaffe geben wird. Wäre das neuerdings für sie ausreichend, um solcher deutschen Kriegsausweitung zuzustimmen ? Hoffentlich nicht.


Für NATO-Einsatz

Die UNO scheiterte auf dem Balkan an ihrem Ziel, gleichzeitig humanitäre Aufgaben wahrnehmen und militärischen Druck ausüben zu wollen. Gehen die militärischen Sanktionen über Symbolhandlungen hinaus, wird die ganze UNO automatisch zur Kriegspartei. Die caritative Arbeit wird von den Serben (durch Geiselnahme etc.) unterbunden. Insofern ist Minister Rühe zuzustimmen, der Anfang Juni die UNO aufforderte, sich auf die humanitäre Hilfe zu beschränken. Doch daraus folgerte er, die NATO als geschlossene kriegsfähige Organisation solle beauftragt werden, den Kampfeinsatz der UNO zu übernehmen und konsequent jede angekündigte Sanktion sofort auszuführen. Damit würden Bundeswehr und NATO einen regulären Krieg gegen die Serben beginnen. Eine neue schreckliche Kriegsrunde wäre eingeleitet.

Mit weniger als 200.000 Soldaten ist ein Bodenkrieg gegen Serbien nicht zu führen. Dafür verweigerten aber die Republikaner Präsident Clinton unter Hinweis auf Vietnam etc. die Zustimmung. Was die Europäer mit ihrer frisch gegründeten Bosnien-Eingreiftruppe nun allein machen sollen, wird deshalb noch viel Anlaß zur Diskussion sein.


ijgd Antirassismuscamps

Aus dem ehemaligen Jugoslawien befinden sich viele Flüchtlinge in Berlin, unter ihnen viele Kinder. Während des Camps in Berlin- Friedrichshain vom 8. Juli bis zum 30. Juli werden die 10 TeilnehmerInnen in zwei Flüchtlingsheimen eingesetzt. Spielaktionen, Ausflüge mit den Kindern werden gemeinsam mit den dort arbeitenden Erzieherinnen sowie mit KünstlerInnen geplant. Es besteht die Möglichkeit, sich durch Gespräche, Referate und einem Theaterworkshop mit der Flüchtlingsproblematik auseinanderzusetzen.

In der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Mittelbau (Thüringen) werden die Reste des Lagers und die Grabstätten der ca. 20.000 ermordeten Häftlinge bewahrt. Die 15köpfige ijgd-Gruppe soll mithelfen, Pflegemaßnahmen an den Gräberanlagen und den Grünanlagen durchzuführen. Dabei können alle TeilnehmerInnnen die Geschichte dieses KZ kennenlernen und auch persönliche Kontakte mit ehemaligen Häftlingen knüpfen.

Anmeldung für diese und viele andere internationale workcamps bei ijgd- Bundesverein, Kaiserstr. 43, 53113 Bonn, Tel. 0228/213933.


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