Oldenburger STACHEL Nr. 6/95

Astrokurs für "Oldenburger Stern"deuter

- Für Ratsmitglieder insbesondere -

Teil 4: Einschlägige Meteoriten
Teil 5: Zeitmessung mit mechanischen Uhren

Welche Auswirkungen es haben kann, wenn eine 800m lange und 70000km/h schnelle Weltraumkartoffel auf die Erde einschlägt, haben wir glücklicherweise noch nicht erfahren müssen. Am 23. März 1989 wäre jedoch genau dieses fast geschehen, aber das merkten die Astronomen erst Tage später, als sich der Gesteinsbrocken bereits von der Erde entfernte. Nur wenige zehntausend Kilometer jenseits der Mondbahn war er an unserer Erde, und wir an einer vernichtenden Katastrophe, vorbeigeschlittert. Wäre er wenige Stunden später gekommen, hätten wir unser blaues Wunder erlebt, aber wahrscheinlich nicht überlebt.

Pech gehabt hatte dagegen wohl Fred vom Jupiter im letzten Sommer, als der Komet Schoemaker-Levy 9 dort niederging. Er überlebte es anscheinend nicht, schließlich haben wir lange nichts mehr von ihm gehört. Doch den Menschen schien das ziemlich egal, denn erstmalig in ihrer Geschichte hatten sie die Sternstunde zweier Himmelskörper vorausgesagt und waren begeistert.

Entgeistert hingegen waren die Oldenburger - jedoch aus einem anderen Grund, und auch nur dann, wenn sie versäumt hatten, die einschlägige oldenburger Presse zu schauen. (Ja! Auch der Stachel schlägt manchmal in die Stadt(veraltung) ein.) Sie hatten nämlich den Eindruck, als hätte sich in ihrer Stadt der Meteoriteneinschlag wiederholt, der sich in der sibirischen Tunguska ereignete. Dort ging 1908 ein Gesteinsbrocken nieder, der jedoch vor seinem Aufschlag explodierte und eine Menge Bäume sternförmig abknickte und eine große Verwüstung hinterließ.

In Wirklichkeit jedoch handelte es sich beim Einschlag in Oldenburg um eine Mixtur mit der Sache mit Fred vom Jupiter: Das Ereignis war vorhersehbar, wenn die Auswirkungen auch eher denen aus der Tunguska ähnelten, nur halt auf Oldenburger Art: Hier wurde im Jahre 1994 ein Bahnausbesserungswerk so stark verwüstet, daß es danach schlicht - und vor allem ergreifend - weg war. Auch wurden Bäume abgeknickt, ohne daß sie (oder irgendwer sonst) vorher gefragt wurden, und das auch noch sternförmig, womit wir schon bei dem recht passenden Namen für den Meteoriten wären: Oldenburger Stern. Doch dürfen wir uns dabei nicht festlegen, denn nicht selten werden Himmelsobjekte nach den Namen der Entdecker benannt. Von daher wäre ebenso ein anderer Name denkbar: "D/Wandscher-Schutte 1", sofern es sich um einen Kometen handelte. Aber bitte schickt uns keine einschlagende Leserpost bezüglich der Namensgebung, das wollen wir der IAU oder der S.OL überlassen.

Vom Stern erschlagen fühlten sich die Nicht-Stachel-lesenden Oldenbürger vor allem deshalb, weil sie auf der "frühzeitigen" Bürgerbeteiligung feststellten: "Toll! Alles schon beschlossen und erst jetzt werden wir informiert!"

Der Begriff "frühzeitig" trifft es unseres Erachtens völlig zu recht. Die Bürgerbeteiligung zum Oldenburger Stern war sehr früh zeitig (im Sinne von: an der Zeit). Was war geschehen? Weshalb kam die Beteiligung ein Jahr zu spät? Die Erklärung kann nur eine astronomische sein, denn zur klassischen Astronomie gehört schließlich auch die Zeitrechnung. Diese wird wiederum mit Uhren gemessen. Wir erinnern uns an den letzten Stachel, worin wir darüber berichtet hatten, daß Herr Wandscher und Herr Holzapfel eine 650 Jahre alte Uhr mit Schloßmotiv geschenkt bekommen hatten. Entweder wurde am 15.10.1582 vergessen, den eingebauten Kalender auf den Gregorianischen umzustellen (Kalenderreform), oder die Uhr hat im Laufe der 650 Jahre um ein Jahr verloren. Beides kann nicht zutreffen. Liefe in der Uhr noch der Julianische Kalender, ginge sie nur um 13 Tage nach, und hätte die Uhr in der ganzen Zeit ein Jahr verloren, würden wir erst nächstes Jahr das Stadtrechtsjubiläum feiern oder bewußt-nicht-feiern. Wir finden momentan nur eine mögliche Erklärung dafür, daß die früh zeitige Bürgerbeteiligung ein Jahr zu spät kam: Herr Wandscher hat erst, nachdem er seine neue 650 Jahre alte, sekundengenaue Uhr erhalten hatte, gemerkt, daß er spät dran war. Aber auch das ist nur Spekulation, vielleicht erkundigt sich mal jemand bei ihm...

Wie dem auch sei, wir können beruhigt aufatmen, denn eines steht fest: Beim Einschlag des "Oldenburger Sterns" ins Bahngelände habe eine Gefahr für Leben und Gesundheit der ortsansäßigen Bevölkerung zu keiner Zeit bestanden. Das ließen die offiziellen Stellen nicht wissen, weil wir sie nicht gefragt haben, aber stark davon ausgehen, daß sie uns genau das sagen würden, weil das einfach immer so ist und sein muß.

In diesem Sinne: Schönes "Oldenburger-Stern"-Baden am See. Bis zum August...


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel. Differenzen zur gedruckten Fassung sind nicht auszuschließen.
Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.