Oldenburger STACHEL Nr. 6/95

Eine kurze Geschichte über's Wohngeld

Es begab sich vor 17 Monaten, daß ein Mensch mit nicht allzu üppigem Einkommen bei der Stadt Oldenburg um Wohngeld nachsuchte. Jedoch die Stadt lehnte ab, denn besagter Mensch sei ja 'nur vorübergehend vom Familienhaushalt abwesend'. Der Mensch - nennen wir ihn einmal L. -war irritiert. Von welchem Familienhaushalt mochte denn da die Rede sein? War hier gar der Haushalt seiner Eltern gemeint? Aber aus dem war er doch schon vor neun Jahren ausgezogen!

Diese Ungereimtheiten reizten L. zum Widerspruch, den er flugs (na ja, noch gerade fristgerecht) bei der Behörde einlegte. Einige Zeit verging - bis L. eines Tages ein längliches Schreiben erhielt, den sogenannten Widerspruchsbescheid. Selbiger war - L. hatte es schon vermutet - ablehnender Natur. Noch einmal wurde darin die 'nur vorübergehende Abwesenheit' beschworen, diesmal noch angereichert mit einer falschen Behauptung über die Einkünfte des L.. All dies war eingebettet in viele Zeilen allgemein gehaltenen Textes, die ein williger Computer beigesteuert haben mochte.

L. beschloß zu klagen. Eine Begründung wurde verfaßt und dem hohen Gericht übermittelt. Wieder gingen einige Monate ins Land, bis der betroffene Einwohner Oldenburgs schließlich eine Einladung zu einer mündlichen Verhandlung erhielt. L. war erstaunt, hatte er doch seinerseits auf eine solche verzichtet, die Gegenseite mußte also darum gebeten haben.

L. versicherte sich der Unterstützung eines Advokaten. Gemeinsam und auf alles gefaßt betraten beide am Verhandlungstermin den Gerichtssaal. Doch wer beschreibt ihr Erstaunen als sie sahen, daß zwar fünf RichterInnen versammelt waren, allein wo war die Gegenseite? Niemand war für die Stadt Oldenburg resp. die Bezirksregierung erschienen.

So hub der Vorsitzende Richter zu einer Erklärung an, die sinngemäß folgendermaßen lautete: "Die Gegenseite sei nicht erschienen, weil sie in ihrer Argumentation (im Widerspruchsbescheid) wohl etwas über's Ziel hinausgeschossen sei und dies so nicht vor Gericht vertreten möchte. Der weitere Verlauf der Verhandlung sei damit ja auch schon einigermaßen klar."

L. mochte es erst garnicht glauben; da verschicken also Stadt Oldenburg und Bezirksregierung Bescheide wohl wissend, daß diese rechtswidrig sind. Wie viele ehrbare Bürger mögen schon der schändlichen Irreführung durch die Organe von Stadt und Staat auf den Leim gegangen sein und so ihren Wohngeldanspruch verloren haben?

So ist der Schluß von der Geschicht'

Traue der Behörde nicht!

Nachsatz:Es soll hier noch auf das segensreiche Wirken einer Einrichtung hingewiesen werden, die unter dem geheimnisvollen Namen ALSO, Menschen, die sich mit Wohngeldfragen plagen, in reichem Maße Rat (und falls nötig auch Advokat) zukommen läßt.

L.


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