Oldenburger STACHEL Nr. 8/95

Stachel-Feuilleton:

Zaubern will gelernt sein

Zum 1. Gala-Abend der Magie lud der Ortszirkel Oldenburg am 5. August ins PFL. Als Sektion des 2200 Mitglieder zählenden "Magischen Zirkels von Deutschland" zeigte er ein buntes Programm von Amateur-Magiern aus dem Weser-Ems-Gebiet.

Das Publikum äußerte seine größte Begeisterung bei der Diabolo-Nummer, die eigentlich eher im Circus oder dem Varieté zuhause ist. Ein Diabolo ist ein chinesisches Jonglierwerkzeug und besteht aus zwei Rädern, die durch eine Achse miteinander verbunden sind. Mit der an Handstöcken befestigten Schnur schleuderte René Carolus aus Oldenburg das Diabolo hin und her, ließ es durch die Luft fliegen und nahm ein weiteres hinzu.

Huch! Wo ist das Tuch?

Zwischen den Auftritten hielt Bernd Schäfer mit Ansagen und kleineren Tricks das zahlreich erschienene Publikum bei Laune. Er gehört übrigens mit Zampano aus Jever zu den Menschen, denen man im Winter auf keinen Fall sein Tuch anvertrauen darf, sonst ist es anschließend anders gefärbt oder weg, und man muß frieren. Vor hunderten von Augen verschwanden Seidentücher in den Händen der Künstler.

Wenn mal was schiefgeht...

Zaubertricks dürfen nicht fehlschlagen, besonders wenn es ums Feuer geht. Daher müssen sich Zauberer z.B. gut gegen Feuer versichern und besondere Auflagen erfüllen. Beinahe hätten die Veranstalter eine saftige Strafe zahlen müssen, weil sie vergessen hatten, die Zuschauer über das Verhalten in einem Notfall zu belehren. Doch sie hatten einen Joker: Feuerwehrmann Stöver unterbrach eigenmächtig das laufende Programm und übernahm diese Aufgabe. So klärte er das Publikum unterhaltsam darüber auf, wo sich die Notausgänge befanden und wohin es gegebenenfalls laufen muß.

Daß Zauberern manchmal etwas abbrennt, was offensichtlich nicht abbrennen soll, erfuhr der Zuschauer Horst. Er lieh dem Zauberer Mikado leichtfertig seinen Hundert-Markschein. Dieser ging wenig später in Flammen auf. Da half Horst auch sein Pfand, eine Zuckertüte aus einem Restaurant, nichts. Bestimmt könne er die Asche bei der Bank umtauschen, schließlich habe er eine Menge Zeugen, tröstete ihn Mikado...

Traum oder Realität? Dieses fragten sich zum Schluß des Abends besonders alle NachwuchsjournalistInnen, die gerne eine gute Anstellung bei einer bekannten großen Zeitung hätten. Während der Oldenburger Jakabi seinen Trick mit der schwebenden Berufsredakteurin präsentierte, träumten sie von der attraktiven freien Stelle. Realität aber blieb: Der Trick gelang, die Dame fiel nicht herunter und behielt ihre Stelle.

Das gut zweistündige Programm der Amateur-Zauberer kam an. Sicherlich werden bald wieder Zauberkarten gemischt, Seile zu einem langen zerschnitten, Flaschen mit Gläsern vertauscht und ahnungslose Menschen hinters Licht geführt...

muh


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