Oldenburger STACHEL Nr. 8/95

Feuer ohne Rauch?

Für den 13.9 ist um 19.30 eine Veranstaltung vorrausichtlich im BIS-Saal der Uni zu dem Thema ,Die Gefährdung von Mensch und Umwelt durch Emissionen von Müllverbrennungsanlagen" geplant.

Als ein Referent für den Abend ist der Kieller Toxikologe Prof. Ottmar Wasserman eingeladen, der über die Bewertung der Giftigkeit der Emissionen aus Müllverbrennungsanlagen berichten soll. Zusätzlich ist ein Referat von Johannes Boers, Tierarzt aus Oldenburg, über die Auswirkung von MVA-Emissionen auf die Landwirtschaft geplant.

Wie bekannt ist, wird die Oldenburger Mülldeponie in der Eidechsenstraße im Jahr 2003 geschlossen. Die Entsorgung des Oldenburger Mülls ist für den Zeitraum danach nicht gesichert. Weiter gibt die TASi (Technische Anleitung Siedlungsabfall), die bis 2005 umgesetzt sein soll, bestimmte Vorgaben zur Behandlung und Ablagerung von Hausmüll. Durch einige umstrittene Regelungen in der TASi (Parameter Glühverlust) wird die Müllverbrennung als einziges Verfahren zur Behandlung des Mülls vor der Deponierung praktisch vorgeschrieben.

Großunternehmen wie die EWE haben offen Interessen gezeigt in das Abfallgeschäft einzusteigen. Es ist zu befürchten, daß die Stadt Oldenburg, evtl. im Verbund mit anderen Kommunen aus dem Umland, ihren Müll an eine noch zu errichtende MVA abgeben will.

Bei der Verbrennung lösen sich die Müllprobleme aber keineswegs in Luft auf, sie belasten sie viel mehr. Aber nicht nur die Luft, auch die Böden werden belastet. Und über die Nahrungskette, in der sich langlebige Gifte aus Müllverbrennungsanlagen noch anreichern, gelangen diese Stoffe auch wieder in den Menschen. Da ein Grundsatz für den Betrieb von Müllverbrennungsanlagen ist, daß sie ihre Emissionen möglichst großflächig und gleichmäßig über das umleigende Land verteilen sollen, so daß niemand besonders betroffen ist, kommen alle in den Genuß eines Giftcocktails, der vom größten Teil der darin enthaltenen Stoffe noch völlig unbekannt ist.

Die Müllverbrennung ist ein Einstieg in eine neue Großtechnologie, in der satte Profite winken. Die Betreiber der Müllverbrennungsanlagen schließen Verträge mit Laufzeiten um 25 Jahre mit den Kommunen ab, die in diesem Zeitraum eine bestimmte Menge Müll an die Verbrennungsanlage liefern müssen. Auch die Zusammensetzung des Mülls, ein bestimmter Mindestbrennwert, wird in die Verträge hineingeschrieben. Durch solche Knebelverträge wird den Kommunen eine Politik zur Abfallvermeidung und besseren Verwertung unmöglich gemacht; die Verbrennungsanlage muß gefüttert werden. Die Technik, die heute in derartige Anlagen eingebaut wird, wird während der gesamten Laufzeit der Anlage nicht grundlegend geändert werden. Die Kosten von aktuell bis deutlich über eine Milliarde Mark für eine Abfallverbrennungsanlage müssen erst wieder reingeholt werden. Kleine, dezentrale und weniger kostenintensive Verfahren zur Abfallbehandlung, die auch keinen guten Ansatz zur Monopolisierung bieten, werden so für die nächsten 30 Jahre ausgeschaltet. Mechanisch-Biologische Verfahren böten neben geringeren Investitionskosten auch bessere technische Möglichkeiten, die Anlagen an neue Entwicklungen anzupassen.

Mit der TASi hat Bundesregierung über den zur Beurteilung von Müll ungeeigneten Parameter Glühverlust die Privatisierung der Abfallwirtschaft festgeschrieben, da die Kommunen in ihrer finanziellen Lage deratige Anlagen nicht selbst bauen und betreiben können; die Konzerne, die diese Großanlagen bauen und betreiben, können sich über das für die kommenden Jahre aufgelegte Investitionsprogramm freuen.

Für die Finanzierung der Veranstaltung haben wir bereits einige Spenden gesammelt, es fehlen aber noch ca. 700,- . Wir möchten Sie hiermit bitten, uns mit einer Spende zu unterstützen, auch kleine Beträge haben ihren Sinn!

Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung Weser-Ems

Bürgerinitative gegen Müllverbrennung Weser-Ems - für ein besseres Müllkonzept
BLZ: 280 501 00, Landessparkasse zu Oldenburg, KtNr: 017-184169
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