Oldenburger STACHEL Nr. 8/95

Ökomarkt - wozu?

"Marktwirtschaft" - so überschreiben die Organisatoren des Ökomarkts ihr Editorial in der Ökomarktzeitung. Nein, es geht ihnen nicht um ein Bekenntnis zur Gesellschaftsordn ung, sie sprechen ein neueres Phänomen an: die Renaissance der Märkte. Wochenmärkte, Weihnachtsmarkt, Flohmärkte, Töpfermarkt - immer mehr OldenburgerInnen erfreuen sich an diesen Plätzen der Gerüche und Farben, des Stimmengewirrs, der Begegnung und Unterhaltung, und natürlich auch des besseren Einkaufs. Nun auch noch ein neuer Bauernmarkt - (fast) immer direkt vom Produzenten aus der Umgebung frisch auf den Tisch. Brauchen wir dann noch einen Ökomarkt ?

Einkaufspolitik für eine andere Produktion

So sehr eine Ausschaltung des Zwischenhandels, eine Stärkung der Kleinbauern und eine Verkürzung der Lieferwege zu begrüßen ist: Ökologisch hergestellte Produkte bekommt mensch dadurch noch nicht. Die wie vor 11 Jahren unverändert große Bedeutung des Ökomarktes ergibt sich aus seiner besonderen Zielsetzung: "Bei unserem Konsum darauf zu achten, daß bei Herstellung, Produktion, Transport und Entsorgung der angebotenen Waren und Dienstleistungen weder Menschen noch Umwelt geschädigt, keine Tiere gequält und keine Rohstoffe verschwendet werden. ... Es ist eine Absage an eine Landwirtschaft, die Nahrung und Grundwasser vergiftet, für die Produktion von billigem Fleisch, Eiern und Milch Tiere leiden läßt. Eine Absage an eine Industrie, die unsere Luft verseucht und das Klima verändert, an Produktionsverhältnis se und Handelsstrukturen, die Menschen die Zukunft nehmen und Völker in Armut stürzen..."(editorial)

Das zu unterstützen haben wir in der Hand - auch wir mit unserem kleinen Geldbeutel beim täglichen Einkauf. "Einkaufen mit Köpfchen" - das will der Ökomarkt fördern. Klare Auswahlkriterien sorgen dafür, daß dort auch nur solche Anbieter vertreten sind, die dieser Zielsetzung entsprechen.

Innovationsmarkt: neue Möglichkeiten kennenlernen !

Die Ökobranche boomt, und sie hat nur noch wenig mit dem Müslilädchen der Achtziger zu tun. Da gilt es einerseits, genau hinzugucken und sich zu informieren, was wirklich ohne Umweltschädigung hergestellt wurde und was nur den Modenamen geklaut hat. Andererseits eröffnen sich viele neue Möglichkeiten, weniger auf Kosten der Umwelt zu leben. Die Ökologie "erobert sich" immer neue Bereiche: So ist z.B. zum ersten Mal ein Fischstand von den Ahlhorner Fischteichen vertreten; neben Naturfarben und Teppichböden aus nachwachsenden Rohstoffen, neben Honig aus einer kontrolliert ökologischen Imkerei und Produkten vom ökologisch orientierten Möbelbau, neben Hinweisen auf einen Kontrolltest für angebliche Öko-Fertighäuser, -Betten, -Textilien etc. kann mensch auch die Entwicklung des "Huntetaler Tauschringes" und des "Vereins für gemeinschaftliches Leben und Wohnen" begutachten; während hier "Tauschleistungen" für Dinge und Fähigkeiten aller Art ohne Geldeinsatz organisiert werden, werden dort generationsübergreifende, gemeinschaftliche Wohnformen, neue Nachbarschaftsverhältnisse und die Verknüpfung von Wohnen und Arbeit vorgestellt. Ätherische Öle und ihre Wirkungsweise sind kennenzulernen, die "Ökologische Akademie Hosüne, Scarabeus e.V." hebt den Zusammenhang zwischen Grundwasserschutz und biologischem Landbau hervor...

Information, Imformation

... ist die Hauptsache auf dem Ökomarkt. Die Verbraucherberatung stellt ihre Arbeit vor, Förderprogramme für Energieeinsparung in Wohngebäuden werden erläutert, zum "Bakterienrummel um Rohmilch" wird Stellung bezogen, der Unterschied zwischen kontrolliertem Vertragsanbau und Bioland- Anbau wird erklärt; Heilkräuter und die Bedeutung des Stillens, die Reaktivierung des Hanfs und vieles andere mehr sind Themen dieses Ökomarkts. Doch Information ist hier nicht von Kritik zu trennen: Ledergerbung in Indien wird konkret angeprangert, auf das Pestizid Permethrin als Mottenschutztmittel in Schurwollteppichen wird hingewiesen. Spätestens jetzt ist nicht zu übersehen: Der Ökomarkt ist einzigartig in der "Marktwirtschaft". Bleibt zu hoffen, daß Wetter und Besuch dies ebenso sind.

achim


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