Oldenburger STACHEL Nr. 8/95

CASTOR - die endliche Geschichte!

oder

Immer die gleichen Märchen

Verloren. Was wir verhindern wollten, fand statt. Der erste CASTOR ist im (Zwischen?-) END?lager. Ist jetzt Frust angesagt? Im Gegenteil. Es war ziemlich schnell klar, daß der politische und der finanzielle Preis für die Betreiber kaum tragbar ist - 55 Mio DM Transportkosten wurden offiziell zugegeben, wovon 3,2 Mio DM aus den leeren Kassen Niedersachsens für die nds. PolizistInnen gezahlt wurden. Der nächste Transport - sollte es einen geben - wird teurer werden!

Seitens der AtomgegnerInnen wurde immer wieder gesagt, daß die Transporte nicht allein auf Grund der Einweihung des "Zwischen-"lagers (dadurch dürfen nach dem Atomgesetz die mörderischen AKW vorerst weiterbetrieben werden) untragbar sind. Die Transporte selbst sind so gefährlich, daß sie keinesfalls durchgeführt werden dürfen.

monitor deckt auf:

Die wesentlichen von monitor im August veröffentlichten Zahlen des Professor Kuni aus Marburg bedeuten, daß die "Öffentlichkeit (wie die Polizei) mal wieder hinters Licht geführt wurden" (Klaus Bednarz). Die Strahlenbelastung ist mindestens 30 mal (!) größer, als zunächst bekannt gegeben wurde.

CASTOR ist rechtswidrig!

Der CASTOR-Transport widerspricht dem geltenden Recht. Denn die derzeit gültigen (zu hohen!) gesetzlichen Grenzwerte für derartige Transporte wurden nach der Aussage von Professor Kuni mindestens um das 6-fache überschritten.

CASTORfrei für die Polizei!

Deshalb gab es mehrere Initiativen seitens der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sowie mehrerer Personalräte, um sicherzustellen, daß die KollegInnen nicht gefährdet werden. (Eine solche Sicherheit kann es nicht geben.) Das Antwortmärchen, das über "Glogo" - wie ihn einer der Personalräte liebevoll nannte - aus dem Munde von Wissenschaftlern übermittelt wurde, bewegte sich im Rahmen des üblichen "Rest-" RISIKOs (das Restrisiko ist das Risiko, das uns den Rest gibt). Die Strahlenbelastung sei unbedeutend und müsse von den BeamtInnen hingenommen werden. Immerhin: Ähnlich wie Amalgam "völlig ungefährlich sein soll" und dennoch für Schwangere und ... nicht mehr verwendet werden soll, durften die meisten Frauen andere Arbeit tun, als den "CASTOR vor den Chaoten" zu "schützen" (Chaoten: Da hat der Informant vermutlich die AtomgegnerInnen mit einigen aus der Polizeichefetage verwechselt. Oder?).

CASTOR ist zu gefährlich

Durch die erhebliche Neutronenbelastung bekommt mensch bei einem 6-stündigen Aufenthalt in der Nähe eines CASTOR die maximale für ein Jahr als zulässig genannte Dosis von Menschen, die in einem AKW arbeiten (diese Werte sind sehr hoch und der Gesundheit nicht zuträglich!) Viele Beamte - besonders die BahnpolizistInnen des Bundesgrenzschutzes (GBS) waren dieser Gefahr länger als 6 Stunden ausgesetzt! Nach Aussage von PolizistInnen ist es unmöglich, einen Einsatz so zu planen, das es pünktliche Abwechslung gibt. Außerdem müssen so noch mehr Beamte eingesetzt werden - das treibt die Kosten in die Höhe. Wohin sich diese Diskussion entwickeln wird, ist noch nicht absehbar. Derzeit ist die Diskussion etwas konfus - sicherlich nicht allein wegen der "Chaostage".

Widerstand tut not

Nach den CASTOR-Aktionen gab es bereits weitere Aktivitäten in Oldenburg. Nach einer Radtour zum AKW Ende Juni von Daheimgebliebenen mit einem gutbesuchten Vortrag von Ingo Harms in Brake haben sich einige Gruppen (re-) aktiviert. Der (legendäre) Arbeitskreis Wesermarsch mit dem einschlägigen Kürzel "AKW" arbeitet wieder intesiv. Außerdem hat sich eine Beobachtungsgruppe gebildet, die auf CASTORaktivitäten beim AKW Esenshamm achtet. Leider lassen die bisherigen Informationen darauf schließen, daß die Vernunft sich vorerst nicht in die Kreise der Regierenden und der Industriellen einschleicht - ich möchte nur an der bajuwarischen Wurzelsepp aus der CSU erinnern, der einige Zeit nach der Katastrophe von Tschernobyl meinte, seinen Magen mittels des zweifelhaften Genusses von Strahlenmolke in eine atomare - aber nicht genehmigungsfähige - Einrichtung umfunktionieren zu müssen. (Weiß jemand, obs den noch gibt?)

Auch Gesetzesänderungen sind nötig

Jetzt wollen die Betreiber eine neue Strahlenschleuder bei München etablieren (Garching) - rein zu wissenschaftlichen Zwecken versteht sich. Gleichzeitig fließt viel Geld in AKW-Projekte außerhalb der BRD. Es ist längst Zeit für gesetzliche Regelungen, die festlegen, daß Produktionen außerhalb der BRD die mindestens gleichen Standards erfüllen müssen, wie Produktion in der BRD. Was auf keinen Falls bedeuten soll, daß in diesem Lande nicht eine Menge zu verbessern wäre - AKW's abschalten!

Die anderen Transporte

CASTORtransporte mit ihrer ganzen Fragwürdigkeit gibt es seit langem. Z.B. nach Frankreich. Deshalb sollte - besonders angesichts der aktuellen Lage - nicht nur französischer Champagner boykottiert werden, sondern natürlich erst recht kein atomares Geschäft mit den Chiracs & Co getätigt werden. Der nächste bekannte Transport nach La Hague soll nicht am 28.8. von Brunsbüttel aus starten. "Soll nicht" heißt, wenn genügend Leute, also Du ind ich es schaffen, unseren Hintern und den Rest in Bewegung zu setzen und uns auf irgendeine Art und Weise daran zu beteiligen, die hiesigen AKW-Betreiber zu überzeugen (Renitente müüsen notfalls gehindert werden), daß Geschäfte mit Durchgeknallten sowie CASTORtransporte in dieser Welt nichts verloren haben.

Wir sind bereits mehr

Die Anti-AKW-Bewegung hat in den vergangenen Wochen einen regen Zulauf erhalten. Ob's reicht ... ??

Wer irgendetwas tun möchte, kann sich an die Oldenburger Gewaltfreie Aktion (OLGA) wenden. Kontakt: Tel. 0441/53121, Kaspersweg 62. Weitere Informationen gibt es auch beim Oldenburger Energierat, Bloherfelder Straße 87, Tel. 52333, Bürozeiten Mo-Fr 9-12.30 Uhr.

Gerold Korbus


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