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Gorleben:
Zuckerstücke gegen CS-Gas

Ein realsatirisches Lehrstück

Am 25. 4. wurde der erste CASTOR-Transport nach Gorleben mit einer Polizeiarmee von insgesamt über 155000 PolizistInnen durchgesetzt. Neben dem Protest während des eigentlichen CASTOR-Transports durch das Wendland, der dessen Fahrtzeit auf ein Vielfaches der vorhergesehenen Zeit verlängerte, fanden schon an den Tagen vorher Demonstrationen und Aktionen unter dem Motto ,Den CASTOR stoppen, bevor er losfährt!" statt. Nicht nur bei dem Transport, der nur mit massivem Wasserwerfereinsatz durchgesetzt werden konnte, ging die Polizei bei vielen Gelegenheiten äußerst brutal und rücksichtslos vor. Der Ermittlungsausschuß zählte nach dem Tag X insgesamt 250 Personalienfeststellungen, 70 Festnahmen und 50 zum Teil schwer Verletzte, wobei er davon ausgeht, nur von einem Bruchteil erfahren zu haben.

Wasserwerfer, Knüppel,...

"Bei einer der Aktionen an dem vorausgehenden Wochenende wurde auch Richard aus Oldenburg festgenommen. Er hatte am Samstag und Sonntag kontinuierlich das Vorgehen der Polizei fotografiert und dokumentiert. In Dannenberg fotografierte er die Räumung einer Blockade von mehreren gestoppten Polizeibullis. Bei der Räumung setzte die Polizei mehrfach wahllos CS-Gas ein. Richard fotografierte einen Polizisten, wie er einer friedlichen Frau aus kürzester Entfernung CS-Gas ins Gesicht spritzte. Im Anschluß an diesen CS-Gas-Einsatz wurde die Polizei mit Zuckerstückchen beworfen, woran sich auch Richard beteiligte.

CS-Gas und ...

"Dieses nahmen die, nicht nur in ihrer Ehre tief getroffenen, stark gepanzerten Beamten des nordrheinwestfälischen Einsatzkommandos zum Anlaß, auf den unliebsamen Fotografen loszustürmen und ihn zwecks Festnahme im wahrsten Sinne des Wortes plattzumachen. Während der Festnahme traten die Polizisten gezielt nach der Kamera, die auf Grund der geistesgegenwärtigen Reaktion einer Mitdemonstrantin vor der Polizei gerettet wurde. Obwohl Richard sich nicht wehrte, gingen die Polizisten ziemlich brutal vor und konnten eine Miniskusverletzung sowie einige blaue Flecke als Erfolge verbuchen.

Tritte gegen ...

Nun sollen sich nicht etwa die Polizisten, sondern Richard, vor Gericht verantworten. Die in der Tradition der gewaltfreien Aktion und der Spaßguerillia stehende ,Un"-Tat des Bewerfens gut gepanzerter, behelmter und knüppelschwingender Polizisten mit Zuckerstückchen wird als versuchte Körperverletzung ausgelegt. Weiter wird von der Staatsanwaltschaft der Standardvorwurf Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgebracht.

Mit beiden Anklagepunkten wird die Staatsanwaltschaft vor Gericht aber sehr große Probleme haben, da Fotos, Videoaufnahmen und Zeugenaussagen existieren, die einwandfrei belegen:

• die Polizei ist grundlos mit CS-Gas gegen friedliche Menschen vorgegangen

• die Beamten waren so gut gepanzert, daß die auch im Bild klar zu erkennenden Zuckerstücke für den Versuch einer Körperverletzung völlig ungeeignet wären.

• bei der Festnahme hat Richard keinen Widerstand geleistet.

Der Prozeß findet am 20. 11. um 13 h im Amtsgericht Dannenberg statt, Mitfahrgelegenheiten zu dem Gerichtstermin sind unter 0441/53121 zu erhalten. Zuckerstückchen sind mitzubringen.

... Karneval und Zuckerstückchen

Um seine Unschuld zu beweisen wird Richard sich, vor dem Prozeß, im Selbsttest und vor der Presse sowie neutralen BeobachterInnen dem Hagel der Zuckerstückchen stellen. Hierzu sind auch die be- und getroffenen Polizisten eingeladen.Zuckerstückchen "Um seine Unschuld zu beweisen wird Richard sich, vor dem Proze , im Selbsttest und vor der Presse sowie neutralen BeobachterInnen dem Hagel der Zuckerstückchen stellen. Hierzu sind auch die be- und getroffenen Polizisten eingeladen.

Weiter werden wir, um Rechtsgleichheit herzustellen, am 11. 11. 95 um 11.11 Uhr den Kölner Karnevalsverein wegen der ,Vorbereitung von Straftaten" verklagen. Wir können belegen, daß der Kölner Karnevalsverein versuchen wird, am kommenden Rosenmontag mehrere tausend Menschen mit Süßwaren zu bewerfen, was eindeutig den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen wird, da diese Menschen, wie schon in den letzten Jahren und im Gegensatz zu den Polizisten, völlig ungeschützt auf den Straßen sein werden. NebenklägerInnen sind willkommen.

Marshmallows zur Eskalation

Sollte Richard trotzdem verurteilt werden, kündigen wir hiermit an, bei dem nächsten CASTOR-Transport die Spirale der Gewalt noch weiter in die Höhe zu schrauben. Wir werden alle CS-Gas oder Knüppel einsetzenden PolizistInnen rücksichtslos mit Marshmallows bewerfen. Wir fordern hiermit alle auf, sich daran zu beteiligen. (Dieser Absatz erfüllt den Tatbestand der Aufforderung zu Straftaten.)

P.S.: Süßwaren aller Art werden als Spende und Tatwaffen für den Tag X2 gerne entgegengenommen.

Michael Friedrich
(OldenburgerInnen gegen Atomkraft)


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel. Differenzen zur gedruckten Fassung sind nicht auszuschließen.
Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.