Oldenburger STACHEL Ausgabe 6/96     Seite 3
 
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BSE - Herz oder Magen?

Anfang des 20. Jahrhunderts gelang Upton Sinclair mit seinem Bericht über die Zustände in den Chicagoer Schlachthöfen "The Dschungel" ein einzigartiger und nie zuvor erreichter Bucherfolg. Damals war es an der Tagesordnung, daß - unter entsetzlichen Bedingungen tätige - Arbeiter und Arbeiterinnen spurlos verschwanden. Bar jeglicher Sicherheitseinrichtungen landeten sie in den Sudkesseln - und wurden mit verwurstet.

Ein Aufschrei der Empörung ging durch die USA - es wurden Gitter eingebaut und auch abgeschnittene Finger wurden seltener zu Wurst und Sülze verarbeitet. An den Arbeitsbedingungen hingegen änderte sich nichts. Die Menschen wurden eher noch schlimmer ausgebeutet. Dies beeindruckte Bertolt Brecht so, daß er das Thema mit seinem Stück "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" für das Theater bearbeitete.

Upton Sinclair schrieb in einem Vorwort einer späteren Auflage seines Bestsellers resigniert, er habe auf das Herz der Menschen gezielt, aber er habe sie in den Magen getroffen.

Jahrzehnte später war es Günter Wallraff vergönnt, mit "Ganz unten" einen sogar noch höheren Verkaufserfolg zu erzielen als Sinclair. Auch er berichtete von widerlichen Bedingungen für Mensch und Tier. Im gleichen Zeitraum veröffentliche Nina Kleinschmidt das Buch "Wer hat das Schwein zur Sau gemacht" sowie den Film "Und ewig stinken die Felder". Die Pohlmänner und -frauen sind also seit Jahrzehnten bekannt.

Gleichwohl wurden viele VerbraucherInnen lediglich ins Portemonaie und in den Magen getroffen. Das gönne ich uns! Das ist die gerechte Antwort dafür, daß über viel zu lange Zeit hinweg die Existenzberechtigung der armen Kreaturen so mißachtet wurde. Es sind nicht nur die Lebensbedingungen allgemein völlig widerwärtig. Ich halte es für zutiefst verwerflich, z.B. Rinder durch Tiermehlfutter von Pflanzenfressern zu Fleischfressern und sogar Kannibalen zu machen. Die Tiere werden nicht ohne Grund krank und bringen uns zusätzlich zum Eiweiß und Wasser unsere tägliche Dosis Antibiotika mit allen erdenklichen Nebenwirkungen mit auf den Tisch.

Einzige Alternative: Ökologische Landwirtschaft

Muß es nicht nachdenklich stimmen, daß von allen bisher bekannt gewordenen BSE-Fällen kein einziger auf einem Bio-Hof aufgetreten ist? Zurecht werden Forderungen laut, die konventionelle oder besser agrarindustrielle Landwirtschaft nicht mehr zu subventionieren. Gefördert werden darf mit Geldern der Allgemeinheit nicht mehr organisierte Tierquälerei. Finanziert werden muß jetzt die konsequente Umstellung auf Verfahren des biologischen Landbaus - nach den Richtlinien der anerkannten Anbauverbände wie Bioland, Demeter, ...

Wer persönlich sicher gehen will, kann zukünftig nur noch im Bio-Laden einkaufen. Denn auch "Aus Deutschen Landen" gibt keine Sicherheit - die subversiven Fähigkeiten der Tierquäler-Mafia sind enorm und werden in dieser Gesellschaft öffentlich gefördert. Große persönliche Sicherheit ist nur bei Verzicht auf alle Mischerzeugnisse, denen Tierisches beigemengt ist, zu erreichen. Die Palette ist groß und endet nicht bei Gummibärchen!

"Auch dazu ward ihm der Verstand" *

Wir sollten zukünftig nicht mehr so sehr nach dem Magen lauschen - meist ist das nur ein Verlangen nach Völlegefühl (eine Einrichtung mit Suchtcharakter). Wir sollten uns vielmehr bei der Auswahl unserer Lebensmittel vom Herzen (Mitgefühl) und vom Hirn (Verantwortungsbereich für ÖKO-logisches) leiten lassen. Meistens liegt ja das Einkaufen vor dem Hunger und dem Essen.

Einkauf: Regional & Saisonal

Bei unserem Einkauf sollen wir Lebensmittel aus der Region und der jeweiligen Saison bevorzugen. So können wir persönliche Kontakte zu den ProduzentInnen halten. Wer das Tier persönlich kennengelernt hat, das er oder sie gerade verspeist, wird vermutlich auch nicht mehr besinnungslos mengenweise Fleisch in sich schaufeln - das ist gut für Herz, Kreislauf und auch für die ökologie.

Wir sehen uns im Bioladen, im Erzeuger/Verbraucherring oder in der Einkaufsgemeinschaft (Coop).

Gerold Korbus

(* frei nach Gerda Wurster, Heilpraktikerin).


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Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.

 

 
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