Oldenburger STACHEL Ausgabe 5/99     Seite 15
 
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Wenn der Tag zur Nacht wird...

Die Totale Sonnenfinsternis rückt in greifbare Nähe

Eines der beeindruckendsten Naturschauspiele kannst Du am 11. August 1999 im Süden Deutschlands erleben. Zu Mittag dieses Mittwochs wird sich der Neumond vor die Sonne schieben und sie komplett bedecken. Für zwei Minuten erleben die tief bewegten Menschen eine Totale Sonnenfinsternis.

Wir wollen heute und in den kommenden Ausgaben auf dieses Ereignis vorbereiten. Im ersten Teil geht es um die beobachtbaren Phänomene, geeignete Beobachtungsorte und das Wetter. In der kommenden Ausgabe wollen wir dem Phänomen Sonnenfinsternis näher auf die Schliche kommen. Im Juli soll es dann um die konkrete, letzte Vorbereitung gehen. Außerdem können wir die Ausstellung der studentischen Astronomie-AG empfehlen, die ab Ende Mai in der Ringebene in der Universität Wechloy zu sehen sein wird. Im August wollen wir die Sonnenfinsternis erleben und bei erfolgreicher Beobachtung im September darüber berichten.

Naturereignis Sonnenfinsternis

Etwa um 11.15 Uhr wird der Neumond beginnen, sich vor die Sonne zu schieben. Zunächst bemerkt man dieses kaum, doch bald sieht die Sonne angeknappst aus - ein rundes Stück fehlt. Eine gute Stunde dauert es, bis von der Sonne nur noch eine Sichel zu sehen ist. Trotz sommerlicher Temperaturen wird es kühler - man wird sich etwas überziehen wollen. Windböen kommen auf, die bei bedecktem Himmel den Blick auf die verfinsterte Sonne freigeben können. Das Licht wird fahler. Nach einer Dreiviertelstunde beginnen sich die Ereignisse zu überstürzen: Etwa 10 Minuten vor Beginn der Totalität kann bei klarem Wetter die Venus1 gesehen werden. Nach und nach tauchen auch die helleren Fixsterne und der Planet Merkur auf. Auf der Erde reagiert die Natur: Tiere werden unruhig, Hunde heulen, Hühner verstecken sich, andere Vögel suchen ihre Nachtlager auf, nachtaktive Tiere erwachen, Blüten schließen ihre Kelche, Tautropfen bilden sich.

Von der Sonne sieht man nur noch eine scharf geschnittene Sichel - die Totalität steht unmittelbar bevor: Unter einem Baum kann man am Boden lauter kleine Sonnensicheln sehen, die durch den Lochblendeneffekt der Blätter hervorgerufen werden. Auf hellen Flächen, wie weißen Hauswänden oder einem ausgelegten weißen Tuch kann man ein wellenartiges Muster von 20 cm Breite entlanghuschen beobachten: die "Fliegenden Schatten". Nur wenig später kann man von Westen her den Mondschatten heranrasen sehen, während gleichzeitig die schmale Sonnensichel in einzelne Lichtpünktchen zerfällt (Perlschnurphänomen), weil das Licht nur noch durch die Mondtäler dringt. Schließlich leuchtet nur noch ein Lichtpunkt, während das Bild einem Diamantring "hnelt.

Dann stehen wir im Dunkeln und sehen die Sonnenkorona. Der Horizont ist noch aufgehellt, da dort keine Totalität herrscht. Am 11. 8. wird es maximal gut zwei Minuten dunkel sein - dann, schlagartig, tritt der erste Sonnenstrahl durch ein Mondtal hindurch und die beschriebenen Phänomene treten in umgekehrter Reihenfolge auf. Nach etwa einer Stunde (gegen 14 Uhr) wird der Mond die Sonne wieder komplett freigegeben haben.

Begrenztes Beobachtungsgebiet

Beobachtbar ist die Totalität nur in einem 100 km breiten Streifen auf einer Länge von 144000 km - der sogenannten Totalitätszone. In Deutschland durchläuft der Mondschatten etwa die Linie Saarbrücken - Stuttgart - München (siehe Karte). Saarbrücken erreicht er um 12h29m18s Uhr, Stuttgart um 12h35m12s und München um 12h37m12s. Die Totalität dauert in Saarbrücken und München 2m08s, in Stuttgart neun Sekunden länger. Das liegt daran, daß Stuttgart in der Mitte der Totalitätszone liegt. Außerhalb der Totalitätszone bleibt eine Sichel zurück, die irgendwann wieder größer wird anstatt völlig zu verschwinden, auch z. B. in Heidelberg, wo die Sonne nur zu 99,92% bedeckt wird. In Oldenburg beträgt der maximale Bedeckungsgrad nur etwa 88%, was vergleichsweise langweilig ist.

Wer das Naturschauspiel erleben möchte, sollte also einen Ort wählen, der möglichst dicht an der Mittellinie der Totalitätszone liegt. Es empfiehlt sich besonders für uns Nordlichter, schleunigst eine Unterkunft zu organisieren, denn schon jetzt sind viele Hotels, Pensionen und Jugendherbergen für den 11. August ausgebucht. Viele Menschen reisen von weither an, wie z. B. aus den USA oder Japan. Für die Anreise ist zu bedenken, daß sich das Verkehrsaufkommen stark erhöhen wird - man sollte Staus einrechnen oder sich schon jetzt Plätze bei der Bahn reservieren.

Sonne astronomisch

oder meteorologisch verfinstert?

In die Überlegungen ist auch das Wetter einzubeziehen. Leider lassen sich bis hin zu wenigen Stunden vorher keine verläßlichen Vorhersagen über das Wetter machen. Untersuchungen der letzten Jahre haben ergeben, daß die größte Wahrscheinlichkeit auf Sonne im August mit 65% bei Karlsruhe zu erwarten ist. In München z. B. beträgt sie nur 57%. Das Problem an der Rechnung ist, daß aufgrund des Meßverfahrens auch Hochnebel und Cirrusbewölkung zur Sonnenscheinzeit zählt. Liegt eine solche Wetterlage vor, kann man zwar den Finsternisverlauf erleben, aber man sieht nichts von der schönen Korona, was sehr bedauerlich wäre. Die Zeitschrift "Sterne und Weltraum" (5/99) empfiehlt, sich ein oder zwei Tage vor der Finsternis aufgrund der aktuellen Wettervorhersage für einen Beobachtungsplatz zwischen Bruchsal und Baden-Baden oder im Stuttgarter Raum oder zwischen Ulm und München zu entschließen. Wer seine Chancen erhöhen will, muß ins Ausland reisen.""In die sberlegungen ist auch das Wetter einzubeziehen. Leider lassen sich bis hin zu wenigen Stunden vorher keine verl,ßlichen Vorhersagen über das Wetter machen. Untersuchungen der letzten Jahre haben ergeben, daß die gr"ßte Wahrscheinlichkeit auf Sonne im August mit 65% bei Karlsruhe zu erwarten ist. In München z. B. beträgt sie nur 57%. Das Problem an der Rechnung ist, daß aufgrund des Meßverfahrens auch Hochnebel und Cirrusbewölkung zur Sonnenscheinzeit zählt. Liegt eine solche Wetterlage vor, kann man zwar den Finsternisverlauf erleben, aber man sieht nichts von der schönen Korona, was sehr bedauerlich wäre. Die Zeitschrift "Sterne und Weltraum" (5/99) empfiehlt, sich ein oder zwei Tage vor der Finsternis aufgrund der aktuellen Wettervorhersage für einen Beobachtungsplatz zwischen Bruchsal und Baden-Baden oder im Stuttgarter Raum oder zwischen Ulm und München zu entschließen. Wer seine Chancen erhöhen will, muß ins Ausland reisen.

Augen schützen!

Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß man sich aus dem Astronomie-Fachhandel geeignete Filter oder Filterfolie kaufen sollte, wenn man mit optischen Hilfsmitteln (Fernglas,...) die Finsternis beobachten will. Auch das bloße Auge sollte mit speziellen Filtern geschützt werden, da besonders die infrarote Strahlung Augenschäden verursacht, ohne daß der Beobachter dabei Schmerzen erleidet. Es ist günstig, sich jetzt schon um solche Dinge zu kümmern, da es möglicherweise zu Lieferschwierigkeiten kommt.

muh

1) die Venus findest Du z. Z. abends als hellstes Gestirn am westlichen Himmel.

 

 
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