Umwelthaus Nachrichten - Nr. 4/97, Seite 3

Moorschutz: Es geht um die letzten Reste

Dreizehn Kilometer westlich von Oldenburg, bei Jeddeloh II, quert das Flüßchen Vehne den Küstenkanal. Etwas weiter erstrecken sich südlich des Kanals die Flächen der Vehnemoor GmbH, eines von zwei Unternehmen, die hier das Moor großflächig abtorfen. Über 1500 Hektar Moor dehnt sich die Abbaufläche aus. Die "Vehnemoor" verfügt über eine gültige Abtorfgenehmigung von 1991, die ihr bis zum Jahr 2021 den Torfabbau gestattet.

Anschließend soll ein Großteil dieser Flächen renaturiert werden und dabei in einen Zustand zurückgeführt werden, der wieder moortypischen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bieten soll. Diese Abtorfgenehmigung, die der Landkreis Cloppenburg in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung in Oldenburg aufgesetzt hat, stellt für die amtlichen und außerbehördlichen Naturschützer bereits einen beachtlichen Teilerfolg auf dem Weg zur endgültigen Unterschutzstellung des Vehnemoores dar.

1989 hatte sich im Grenzbereich der Landkreise Ammerland und Cloppenburg eine Bürgerinitiative gegründet, die "Interessengemeinschaft zur Rettung des Vehne-moores"(IVM). Die Anwohner wußten um die Einzigartigkeit dieses großflächig unbesiedelten und wenig durch Straßen zerschnittenen Gebietes. Was nach der Abtorfung mit diesem Gebiet geschehen würde, wollten sie lieber nicht allein den Torfwerksbetreibern überlassen. Zu groß schien die Gefahr, daß über die Folgenutzung ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden würde.

Keine Landwirtschaft nach Abtorfung

Dabei hatte sich die anfängliche Hoffnung der Moorschützer, das gesamte Moorgebiet vor dem zerstörerischen Zugriff der Torfindustrie zu retten, schon bald zerschlagen. Es erwies sich als unmöglich, dem Unternehmen einfach durch eine Nichtverlängerung ihrer Abtorfgenehmigung die Grundlage zu entziehen. Stattdessen konzentrierten sich die Aktivitäten der Interessengemeinschaft nun darauf, alles zu verhindern, was eine spätere Regeneration des Vehnemoores unmöglich machen könnte: Erstens, daß die Flächen nach dem Ende der Abtorfung in landwirtschaftliche Nutzung genommen würden, wie es den Vorstellungen des Eigentümers entsprochen hätte; zweitens, daß der Torfkörper durch "illegale Abbaupraktiken", wie die Moorschützer das nannten, so geschädigt würde, daß die Moorflächen das Wasser nicht mehr halten könnten.

Die Sache mit dem Wasser

Wenn die Gräben durch die wasserstauenden Torfschichten hindurch bis in den mineralischen Untergrund hineinreichen, dann ist das "als wenn jemand den Stöpsel herausgezogen hätte": das Moor trocknet aus. Also sah man jetzt die Moorschützer an Wochenenden mit Meßstangen und Karten durch das Moor ziehen, um den Zustand der lebenswichtigen Resttorfauflage zu dokumentieren.

Günstigerweise standen 1990 gerade Landtagswahlen ins Haus, so daß die Aktivitäten der Interessengemeinschaft dank guter Pressekontakte und Unterstützung durch örtliche Politiker auch in der Öffentlichkeit viel Beachtung fanden. Das 1981 von der Landesregierung aufgestellte Moorschutzprogramm lieferte die argumentative Basis. Zwar dauert der Torfabbau auf großen Flächen des Vehnemoores bis heute an, aber es konnten im Zuge der Erteilung der endgültigen Abbaugenehmigung 1991 drei besonders wertvolle Teilbereiche als Naturschutzgebiete sichergestellt und damit vom Torfabbau ausgeschlossen werden. Die Abbaugenehmigung beendete gleichzeitig einen jahrzehntelang währenden, quasi rechtslosen Zustand, wie ein Gericht später feststellte.

Der "vergessene" Torfstich

Bei der Sicherstellung wurde - sehr zum Leidwesen der Moorschützer - ein besonders wertvoller kleinerer Bereich "vergessen". Die Chancen, diese Fläche, einen ehemaligen Torfstich, wo besonders viele hochmoorbildende Torfmoosarten vorkommen, auch noch von der Torffirma "loszueisen", die derzeit die Abbaurechte innehat, werden als sehr gering eingeschätzt. Bei einem Gespräch mit Vertretern der Torfindustrie, wobei die Möglichkeiten ausgelotet werden sollten, im Frühjahr 1996 bissen die Vertreter der Interessengemeinschaft und des BUND Ammerland auf Granit. Dies ist verständlich, wenn man bedenkt, daß die Torffirmen sich schon seit Jahren in einem zähen juristischen Stellungskrieg vor den Verwaltungsgerichten mit den Genehmigungsbehörden herumschlagen. In dem Streit um Abbaurechte und Folgenutzungen auf den bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Flächen ist keine der Parteien bereit, auch nur einen Meter Moorboden freiwillig herzugeben. Auch der Eigentümer der Torfwerksflächen war bislang nicht für Geld und gute Worte bereit, dem Naturschutz auch nur das geringste Zugeständnis zu machen.

Das Moorschutzgebietssystem

Die Ausweisung von Naturschutzgebieten im Vehnemoor soll unterdessen weitergeführt werden. Auf der Grundlage von umfangreichen Pflege- und Entwicklungskonzeptionen, welche die für die Naturschutzgebietsausweisungen zuständige Bezirksregierung in Oldenburg durch ein Planungsbüro erarbeiten ließ, soll ein Großteil der Moorflächen zwischen Oldenburg und Papenburg zu einem zusammenhängenden Moorschutzgebietssystem entwickelt werden. Dieses soll naturnah verbliebene Restmoorflächen wie das Naturschutzgebiet "Vehnemoor-Dustmeer", regenerierende Hochmoorgebiete ( die derzeit noch abgetorft werden) und Hochmoorgrünland in den Randbereichen (auf denen extensive Weidewirtschaft betrieben wird) umfassen.

Solange dies aber noch nicht verwirklicht ist, gilt weiterhin das Motto, welches die Moorschützer von der Interessengemeinschaft zur Rettung des Vehnemoores auch für 1997 ausgegeben haben: Torf gehört ins Moor und nicht ins Blumenbeet!

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De Eerste Dot, de Tweede Not, de Daarde Brot

Die Kraft von drei Generationen war nötig, um dem kargen Moor eine gesicherte Existenz abzuringen. Daran erinnert der Spruch aus der Zeit der Moorkolonisation:Dem Ersten Tod, dem Zweiten Not, dem Dritten Brot. Doch der Unabhängigkeitsdrang der Menschen war groß.Nicht wenige zogen das beschwerliche, aber selbstbestimmte Leben im Moor einem Tagelöhnerdasein auf der übervölkerten Geest vor.Um einen Eindruch zu bekommen, wie das Leben der ersten Siedler in den oldenburgisch-ostfriesischen Mooren ausgesehen hat, muß man heute ins Museum gehen, denn die Landschaft von damals existiert nicht mehr. Unser Tip: Ein Besuch im Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn vermittelt viel Wissenswertes über das Moor gestern und heute.


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