Oldenburger STACHEL Ausgabe 4/01      Seite 5
 
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Strahlende Perspektiven

Cebit läutet neue Funk-Computer-Technik ein

Eingeweihten war sie bereits ein Begriff, die auf der Cebit stark umworbene drahtlose oder wireleß Verbindungstechnik "Bluetooth". Künftig funken nicht allein die Telefone und ähnliches. Der PC treibts per Funk mit dem PC, aber auch mit seiner Tastatur, dem Monitor, der Maus und vieles andere funkt da in der Welt herum.

Das ist in Deinem Koffer

Bei der Veranstaltung des Niedersächsischen Datenschutzbeauftragten auf der Cebit wurde von einem der Experten eine noch viel weitergehende Vision umrissen. Beispielsweise können zukünftig eine Tür und ein etwa hindurchgetragener Koffer miteinander in Funkkontakt stehen. Der Koffer wäre dann mit einer Markierung versehen, die einen Verweis auf eine WorldWideWeb-Seite (oder auch Internet-Seite) zeigt. Dort abgespeichert könnten sein das Kaufdatum, die letzte Reise dieses Koffers und auch die derzeitig enthaltenen Gegenstände. Diese Vision beinhaltet die Datenspur total und ist bereits auf dem Weg der Realisation. Die bereits heute verfügbaren Speicherkapazitäten jedenfalls ermöglichen diese Wege zu beschreiten.

Goldenes Kalb Technik

Auf der Datenschutzkonferenz waren etwa 120 Personen anwesend. Das ist für eine solche Fachtagung ein guter Wert, angesichts eines Besucherstromes von 800.000 Menschen auf der Cebit jedoch auch bedenkenswert. Festgestellt wurde, daß der heutige Datenschutz ein Niveau des Zeitalters der Großrechnertechnik hat und selbst mit der heutigen PC-Welt nicht mithalten kann. Dieser Exkurs in einen Bereich der Technikentwicklung konnte vielleicht aufzeigen, daß viele der möglichen Folgen der neuen Technik nicht durchdacht und deshalb auch bei der Entwicklung nicht berücksichtigt wurden.

Wir wollen lachen und nicht strahlen

So wünschen die Menschen in Gorleben und nicht nur dort sich ihr Leben. Doch während der Castor rollte, bekamen Besucher der Cebit lediglich ein Achselzucken von den ComputerspezialistInnen bei der Frage nach den physikalischen Gegebenheiten der neuen Funktechnologie. Dabei war laut Cebit-Messeleitung die gesamte Halle mittels dieser neuen Technik vernetzt und die strahlenden Bluetooth-Funkverstärkereinheiten an der Decke der Halle gut erkennbar. Die Frage nach möglichen Einwirkungen der Strahlung auf lebendiges Gewebe ist für die ComputerspezialistInnen derart fern, daß zackiges "ich verstehe Sie nicht" abgesondert wurde. Lediglich die Redaktion einer Computerzeitung äußerte, daß "in der Redaktion mal über einen diesbezüglichen Beitrag nachgedacht wurde". Ob im nächsten Jahr etwas zu lesen sein wird?

Menschenschutz unwirtschaftlich?

Vielleicht war es auch eine diplomatische Antwort, um die unwirtschaftlich wirkenden Fragen zu beenden. Doch unwirtschaftlich ist tatsächlich, wenn die KundInnen krank werden und nicht mehr kaufen können. Während jedenfalls die Bundesärztekammer dieser Tage auf einer Fachtagung feststellte, daß die Dimension Elektrosmog-empfindlicher Personen in die Million geht und dringend Forschung in diesem Bereich einfordert, war auf der Cebit zwanghaftes "was machbar ist, muß auch gemacht werden" zu erfahren.

Strahlenschutz?

Die Bundesärztekammer geht bei ihren Forderungen von einer Erhöhung der Zahl der Basisstationen für den Mobilfunk von 33.000 auf 80.000 aus. In den Veröffentlichungen der Presseagenturen zur Bundesärztekammertagung war nicht die Rede von der hier besprochenen Technik Bluetooth. Die medizinische Betrachtungsweise hinkt also der Entwicklung der Technik in gleicher Weise hinterher wie der sogenannte Datenschutz. Derzeit schützt der Datenschutz die Daten vor ihren Menschen und das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter schützt die Strahlen vor den Verstrahlten.

Selbstorganisation als Lösungsweg

Kann uns noch jemand helfen außer wir selbst? Ich erhoffe mir nach diesem Blick in die Welt eine Bewegung, wie sie die Menschen 1998 in Salzburg vorgemacht haben. Dort wurde der Salzburger Vorsorgewert entwickelt. Es wurde nicht nach wissenschaftlichen Erkenntnisssen geschielt und auch die Politik durfte lediglich zusehen. Bei nach den Vorschriften erlaubten 4500 mW/m$^2$ Einstrahlungsleistung wurde dort zwischen AnwohnerInnen und den FunknetzbetreiberInnen im Rahmen eines zivilrechtlichen Vertrages eine maximale Einstrahlungsdichte von 1 mW/m$^2$ festgelegt. In der Salzburger Resolution, dem Ergebnis einer Juni 2000 durchgeführten Fachtagung zum Mobilfunk, wird jedoch darauf hingewiesen, daß selbst dieser Wert noch zu hoch sein kann und allenfalls als vorläufiger Richtwert zu betrachten ist.

Gerold Korbus

 

 
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