Oldenburger STACHEL Ausgabe 11/00     Seite 14
 
Aktuelles
Archiv
2003
2002
2001
2000
Dezember (218)
November (217)
Oktober (216)
September (215)
Juli (214)
Juni (213)
Mai (212)
April (211)
März (210)
Februar (209)
Januar (208)
1999
1998
1997
1996
1995
1994
UHN
Service
Wir über uns
Impressum
Kontakt
 
Inhalt dieser Ausgabe
 

Castortransport - 1:0 für uns!

Aber der Tanz geht weiter...

Der geplante Transport von Brennelementen, der am 18. Oktober 2000 vom AKW Philippsburg in die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) La Hague /Frankreich rollen sollte, ist vorläufig verschoben worden. Die Transportgenehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist erteilt, der beladene Behälter steht abfahrbereit auf dem Gelände des AKW Philippsburg (bei Karlsruhe). Bis jetzt jedoch weigert sich die französische Regierung, deutschen Atommüll zur Wiederaufbereitung anzunehmen, bevor nicht ein Rücktransport des deutschen Mülls, der sich noch in La Hague befindet, stattgefunden hat. Seit Beginn des Transportestopps vor zwei Jahren (aufgrund des Skandals um die extrem überhöhten Strahlenwerte an der Außenhülle der Castorbehälter) stehen mehrere der sog. Kokillenbehälter in der WAA La Hague bereit für die Rückführung nach Deutschland ins Gorlebener Zwischenlager. Diese scheitert bisher zum einen an einer nicht hinreichend tragfähigen Brücke auf der Transportstrecke nach Gorleben, die frühestens im Februar 2001 genügend ausgebaut sein könnte. Zum anderen interpretiert die französische Umweltministerin die deutschen Rücknahmegarantien zu Recht als unglaubwürdig, da ein Transport aufgrund des zu erwartenden Widerstandes nur mit einem massiven Polizeieinsatz durchsetzbar wäre. (...)

Darüber hinaus fürchtet Frankreich den wachsenden Widerstand im eigenen Lande, der gerade hinsichtlich der bevorstehenden Wahlen sehr ungelegen käme.

Ein weiteres Hindernis stellt ein gerichtlicher Einspruch von Greenpeace und AnwohnerInnen der Transportstrecke dar, der sich auf das noch immer nicht gelöste Kontaminationsproblem bezieht, welches 1998 zum Verbot der Transporte durch die damalige Umweltministerin Merkel geführt hatte. Dieser Einspruch könnte durch einen Sofortvollzugsantrag des BfS kurzfristig zurückgestellt werden, und würde dann - unter Voraussetzung einer französischen Zustimmung - innerhalb von 48 Stunden nach Antragsstellung einen Transport möglich machen.

Es könnte also jeden Tag der Tag X sein! In dieser Situation ist unsere Wachsamkeit und Präsenz ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Aktionen in Philippsburg

Nachdem sehr kurzfristig der geplante Termin für den Tag X bekannt geworden war, reisten am Sonntag, den 15. Oktober, rund tausend Menschen in Philippsburg zur Auftaktkundgebung an. Mit einer Blockade auf dem Stichgleis am AKW wurden die Aktionen eingeleitet. Noch am selben Abend wurden erste Meldungen in den Medien verbreitet, der Transport fände nicht statt.

Trotzdem entschloß sich der Großteil der DemonstrantInnen, vor Ort zu bleiben. Mit sehr restriktiven Mitteln bemühten sich Polizei und lokale Behörden, jede Organisation im Keim zu ersticken: der Aufbau eines Camps wurde verboten, bzw. das zur Verfügung gestellte Gelände eines couragierten Privatmannes geräumt und der Eigentümer hart unter Druck gesetzt; Zelte, Klohäuschen, Material und Küche wurden beschlagnahmt. Bereits einige Tage vorher war der örtlichen Bevölkerung in Rundschreiben vor den "anreisenden Chaoten" Angst gemacht worden, u.a. mit der fälschlichen Behauptung, daß sich strafbar mache, wer die DemonstrantInnen in irgendeiner Weise unterstützt, usw. Trotzdem kamen jeden Tag mehr BürgerInnen zur improvisierten Mahnwache auf dem Rheinsheimer Dorfplatz, um zu diskutieren, sich zu informieren oder ihre Unterstützung in Form von Essen, Wolldecken, Klobenutzung, etc. für die "obdachlosen" AtomkraftgegnerInnen zu zeigen.

In etlichen LeserInnenbriefen an die Lokalzeitung beziehen nun BürgerInnen auch öffentlich Stellung gegen das Atomkraftwerk, das in der Gegend großen finanziellen Einfluß hat. Mittlerweile hat sich sogar eine neue BürgerInneninitiative gegen das Atomkraftwerk in dieser Region gegründetßß;-)

Informationen zur weiteren Entwicklung der Situation gibt's im Internet unter: www.x1000malquer.de

Unter Castor-Mobi-OL-subscribe@
egroups.com kann mensch sich in die Oldenburger Castormailingliste eintragen, über das Infotelefon (0179/3486790) besteht die Möglichkeit, sich auf die Oldenburger TagX-Telefonkette setzen zu lassen (Mailbox).

Doris Brahms für OlgA

 

 
  Differenzen zur gedruckten Fassung nicht auszuschließen. Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Siehe auch Impressum dieser Ausgabe und Haupt-Impressum