Oldenburger STACHEL Ausgabe 2/01     Seite 1
 
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Was kann mensch noch essen?

BSE ist nur die Spitze des Eisbergs

Anfang der achtziger Jahre brachte die Katalyse-Gruppe aus Köln ihren Bestseller "Chemie in Lebensmitteln" heraus - ein gutes Beispiel in der Wissenschaftsgeschichte als Antwort auf die Wissenschaftsgeschichte. Angesichts der zahlreichen Lebensmittelskandale war dies ein Versuch, durch die chemische Analyse der Lebensmittel einen Weg zu finden zwischen: "Es ist gleichgültig, womit ich mich vergifte" und "Es gibt nichts mehr, was ich gefahrlos verzehren könnte". Nach Lektüre des 50-fach aufgelegten Klassikers bekommt mensch Durchblick im Dschungel der Supermärkte und Bioläden. (1)

Der Fleischer weiß es auch nicht

Wir müssen es somit nicht dem Fleischer nachmachen, der beim Interview in der Kindersendung Mikado (NDR 4) "werbeträchtig" verkündete, er esse Rindfleisch, die VerbraucherInnen müßten nur Vertrauen zu ihrem Fleischer entwickeln. Immerhin gab er zu, das meiste verkaufte Rindfleisch sei zwischen 16 und 18 Monate alt, während die BSE-Tests sehr viel später ansetzen.

Die große Panscherei oder "Iß regional und saisonal"

Kleine Chronik vom Lebensmittelpfusch und gewissenloser Panscherei ohne Grenzen: 1981 starben Hunderte Menschen durch vergiftetes Olivenöl. 1985 wurde Frostschutzmittel - Glykol - mit dem Wein eingeschenkt. 1986 starben Menschen an mit Methylalkohol gepanschtem Rotwein. 1987 berichtete das ARD-Magazin "monitor" über Rundwürmer - Nematoden - in Fischen. 1988 erreichte die Öffentlichkeit, daß Kälber mit Hormonen gemästet wurden. 1994 war das Jahr der Entdeckung von Pestiziden in hoher Konzentration in Babynahrung. 1996 wurde einem Hühnerquäler - Anton Pohlmann - der Einsatz von Desinfektionsmitteln im Futter nachgewiesen. 1999 gab es Dioxin via Altöl im Tierfutter. (2) Von 1985 bis heute währt der katastrophale Umgang mit "BSE".

BSE - Bovine Spongioforme Enzephalopathie:

"B. (auch als Rinderwahnsinn oder als BSE bekannt) trat erstmals 1985 in Großbritannien auf. B. ist eine Erkrankung des Nervensystems, die durch infizierte Eiweißkörper ausgelöst wird. Aufgrund der langen Inkubationszeit (2-8 Jahre) ist es kaum möglich, infizierte Rinder frühzeitig zu erkennen und auszusondern. B. zählt zu einer Gruppe von Erkrankungen, die bei Schafen unter dem Namen Scrapie schon rund 200 Jahre bekannt ist.

In Laborversuchen wurde bewiesen, daß auch Hamster, Mäuse und Schweine infiziert werden können. Unklar ist, ob Menschen infiziert werden können. Es liegen jedoch Hinweise vor, nach denen die selten auftretende Creutzfeldt-Jakob-Krankheit Parallelen zu der Erkrankung von Rindern und Schafen aufweist. Die Ansteckung der Rinder wurde durch die industrielle Verarbeitung von infiziertem Schaffleisch für Rinderfuttermittel ausgelöst, das aus Kostengründen nicht sterilisiert wurde." (3)

1987 - Entdeckung des Erregers

"Auf der Suche nach dem Erreger wurde eine besondere Form von Eiweißen entdeckt, die sogenannten Prionen. Es handelt sich dabei im Prinzip um körpereigene Eiweiße, die jedoch erhebliche strukturelle Veränderungen aufweisen. Es stellte sich heraus, daß Prionen auch bei anderen seltenen Krankheiten bei Tieren und Menschen eine Rolle spielen. Dazu gehören die Traberkrankheit bei Schafen und die Bovine Spongiforme Encephalopathie (BSE) beim Rind. Beim Menschen wurden bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die über Rinder übertragene nvCreutzfeld-Jakob-Krankheit, Kuru, dem Gerstmann-Sträussler-Syndrom und der Fatal Familial Insomnia (FFI) Prionen gefunden. Da diese veränderten Eiweiße (Prionen) all diesen Erkrankungen zu Grunde liegen, faßt man sie neuerdings unter dem Begriff Prionenkrankheiten zusammen. Der Neurologe Stanley Prusiner erhielt 1997 für die Aufstellung einer Theorie über die Natur der Prionenkrankheiten den Nobelpreis für Medizin. Erste Hinweise verdichten sich, daß Tiermehl die Prionen übertragen könnte" (3a)

BSE-Experten waren gegen Export-Freigabe

Die Entscheidung der EU zur Freigabe von Rindfleischexporten aus Großbritannien ist nach Angaben der Zeitung "Die Woche" gegen den ausdrücklichen Rat von BSE- Forschern erfolgt. Der Göttinger Neuropathologe Hans Kretzschmar sagte dem Blatt in einem Interview: "Ausgewiesene BSE- Experten plädierten dafür, den Export von Rindern nicht zu erzwingen." Das Verbot, Tiermehl zu verfüttern, bestehe erst seit 1996, die Inkubationszeit der Rinderseuche betrage aber fünf Jahre. (4) Wobei festzuhalten bleibt, daß das Tiermehlverbot oft nicht eingehalten wurde.

Überraschung für die Verantwortlichen?

In den vergangenen Wochen schienen PolitikerInnen überrascht, daß sich in Wurst sogenanntes Risikomaterial befand. Dabei deckte das Fernsehmagazin "frontal" bereits im Frühjahr 2000 auf: "Eine Reihe deutscher Wursthersteller mischt unerlaubt Hirn in Wurstprodukte. Betroffen sind vor allem Leber-, Mett- und Kochwürste. Nach Informationen des ZDF-Magazins "Frontal" wurde eine Delikatess-Leberwurst der Firma Brandenburg mit dem Zusatz Hirn verkauft. Brandenburg ist eine 100prozentige Tochter der REWE-Gruppe und beliefert die Supermärkte HL, Minimal und Penny mit seiner Wurst." (5)

Völlig überrascht?

In diesen Tagen wurde festgestellt, daß die Schlachtmethoden der Verbreitung von BSE Tür und Tor öffnen. Wenn ein Rind mit einem Bolzenschußapparat getötet wird, spritzt es nur so durch die Gegend. Was da spritzt, ist Hirn und Blut. Nun denn. Neuesten Pressemitteilungen zufolge soll jetzt ein "elektrischer Stuhl" für die Rinder eingerichtet werden. Ob die Todesart durch Stromschläge angenehmer für die armen Tiere ist, weiß ich nicht. Doch es spritzt nicht so stark. Vielleicht steht diese Information mit einer weiteren Neuigkeit in Beziehung:

BSE-Ansteckungsgefahr höher als gedacht?

Die Ansteckungsgefahr bei BSE ist möglicherweise höher als bisher angenommen. Die Krankheit kann möglicherweise auch über die Schleimhäute und Hautverletzungen übertragen werden. Die Bundesregierung habe die Schlachtbetriebe angewiesen, entsprechende Schutzkleidung zu tragen, heißt es. (zitiert nach (6)) Diese Möglichkeit hat zur Grundlage, daß geringste Mengen infektiös wirken können.

Geheime Studie über BSE bei Hunden

"Britische Wissenschaftler haben im Auftrag der Regierung bereits vor fünf Jahren herausgefunden, daß auch Hunde sich eine Form des Rinder-Wahnsinns BSE über das Futter zuziehen können. Die Studie wurde jedoch nie veröffentlicht, und es wurden auch keinerlei Konsequenzen daraus gezogen, erklärte heute das britische Landwirtschaftsministerium in London. Es bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "The Independent". Bisher wurde nachgewiesen, daß BSE auf Rinder, Mäuse, Nerze, Ziegen, Schafe und Katzen übertragen werden kann. Und auf den Menschen gilt die Übertragbarkeit als sehr wahrscheinlich." (7) Wie war das noch mit der Tiermehlfütterung für Haustiere? Gut nur, daß Katzen niemals kratzen ...

Weitere Katastrophenmeldung: BSE-Erreger in Milch?

"Landwirtschaftsministerin Künast möchte nach einer Meldung von dpa nicht ausschließen, daß auch Milch BSE-Erreger enthalten kann. Allerdings halte die Ministerin weitere wissenschaftliche Untersuchungen für notwendig, bevor verlässliche Aussagen gemacht werden könnten. Bisher gibt es noch keine bestätigten Fälle einer Übertragung von BSE über Milch." (8)

Was können wir noch essen?

Diese Frage sollte mehr von Hirn und Herz denn vom Bauch beantwortet werden. Bei Tierernährung auf Getreidebasis werden je nach Tierart und Mästungsmethode 7 bis 21 Kilo Getreide benötigt, um ein Kilo Fleisch zu erhalten. Bei der heutigen und besonders bei der zukünftigen Lage der Welternährung scheint es mir ein Gebot der Menschlichkeit, zumindest weitgehend auf Fleisch zu verzichten. Die armen Menschen hungern nicht zuletzt deshalb, weil mehr als ihr letztes Hemd in die reichen Länder exportiert wird. Wesentliche Ursachen für das Nord-Süd-Gefälle sind weiterhin die ungerechten Rohstoffpreise, das Wirtschaftsdiktat der Marktwirtschaft - verstärkt durch Weltbank und Internationalen Währungsfond IWF -, der hohe Fleischkonsum in den Industriestaaten ... (9) Auch das angeblich den Hunger in der Welt besiegende Gen-Soja wächst zum großen Teil auf Böden hungernder Länder und verdrängt beispielsweise einheimisches Maniok.

Schweinisches löst keine Probleme

"Neueste Forschungen zeigen, daß - möglicherweise - auch über Schweine BSE übertragen werden kann. ... Professor Peter Smith, BSE-Kommission England: "Bei der ersten Versuchsreihe wurde BSE-infiziertes Material direkt ins Schweinehirn injiziert. Von zehn der Schweine, die auf diese Art behandelt wurden, entwickelten sieben Krankheitssymptome von BSE. Das war das erste Mal, daß nachgewiesen wurde, daß Schweine mit BSE infiziert werden können. In einer zweiten Versuchsreihe wurde den Schweinen der BSE-Erreger nicht ins Hirn geimpft, sondern sie wurden mit großen Mengen BSE-infizierten Materials gefüttert. In keinem dieser Fälle entwickelten die Schweine Krankheitssymptome von BSE. ...

In dem Versuch unter der Leitung des renommierten englischen BSE-Forschers John Collinge wurde eine Maus mit dem BSE-Erreger infiziert. Das Tier erkrankte an BSE. Dann wurde das Gehirn dieser Maus einem Hamster injiziert. Doch der Hamster sprach scheinbar nicht auf die BSE-Erreger an - er zeigte keine Symptome. Nun wurde einer weiteren, völlig gesunden Maus Körpermaterial des nicht erkrankten Hamsters gespritzt - und dann die Überraschung: die Maus erkrankte an BSE, obwohl der Hamster keine Symptome aufgewiesen hatte. ...

Dr. Markus Moser, Firma "Prionics": "Das könnte heißen bei Schweinen, daß möglicherweise infizierte Tiere vorhanden sein könnten, ohne, daß man das wirklich von den Symptomen her sehen würde. ... "monitor"-Reporter: "Kann es in der Theorie sein, daß Schweine BSE-Erreger übertragen können?" Professor Peter Smith, BSE-Kommission England: "Das ist theoretisch durchaus möglich. Noch gibt es keinen Beweis, aber theoretisch ist das möglich." (10)

BSE ist nicht das einzige schweinische Problem

Das Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz BgVV hat das Ruhen der Zulassung für Clenbuterol-haltige Tierarzneimittel (Ventipulmin, Spasmospectin) weiterhin verlängert. Das Inverkehrbringen von Tierarzneimitteln zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, die ß-Agonisten mit anaboler Wirkung enthalten, ist damit weiterhin verboten. So etwa heißt das in Behördendeutsch, daß Hormone bei der Schweineaufzucht nichts zu suchen haben. Denn so erzeugtes Schweinefleisch bedeutet Tierquälerei und außerdem Krankheit für die Menschen. (11)

Die Schweinemast ist viel stärker als die Rinderhaltung industrialisiert. Wer also heutzutage zu Schweinefleisch greift, fördert umso mehr die Agrarindustrie. Das gleiche gilt für Geflügel, das auch von einigen als Ersatz für Rindfleisch angesehen wird.

Der Wahnsinn erreicht den Wein

"Rinderwahnsinn und Doping-Schweine haben jetzt auch die bayerischen Winzer alarmiert. Der Fränkische Weinbauverband in Würzburg kündigte an, man werde prüfen, inwieweit künftig mit Rücksicht auf die verunsicherten Verbraucher auf den Einsatz von Risikosubstanzen tierischer Herkunft in der Kellerwirtschaft verzichtet werden kann. Es geht dabei in erster Linie um Gelatine und Milcheiweiß, die nach der Gärung zur Klärung des hefetrüben jungen Weines eingesetzt werden. Der Abteilungsleiter "Kellerwirtschaft" an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim, Alfred Schmitt, bestätigte, daß es eine gängige und legale Methode sei, bei der so genannten Schönung der Weine saure Schweineschwarten-Gelatine sowie Molke- und Milcheiweiß-Präparate zu verwenden. Damit würden etwa zehn Prozent der jährlichen Produktionsmenge - das sind in Franken durchschnittlich 70 000 Hektoliter - behandelt. ...

Bei der Gebietswinzergenossenschaft Franken (GWF), in der rund 30 Prozent der 7000 unterfränkischen Winzer organisiert sind, kennt man durchaus Schönungs-Alternativen. Dort wurde nach Angaben von Geschäftsführer Helmut Schätzlein bereits vor einem Jahr auf Extrakte der Stör-Blase umgestellt, die denselben Effekt hätten, wie Gelatine." (12) In VegetarierInnenkreisen wird seit der Verschärfung der Situation um BSE ein verstärktes Engagement in der Gesellschaft diskutiert.

BSE: Wie die Forschung jahrelang blockiert wurde

"Wissenschaftler warnen: Auch in Deutschland wird es in den nächsten Jahren einen dramatischen Anstieg von Creutzfeldt-Jakob-Toten geben - als Folge von BSE. Eine Entwicklung, die nach Auffassung von renommierten Wissenschaftlern hätte verhindert werden können, wenn es rechtzeitig einen zuverlässigen BSE-Test gegeben hätte. Doch jahrelang wurde die Forschung an einem solchen Test von der Bundesregierung behindert, frei nach dem Motto: "Deutschland ist BSE-frei!" Das Resultat: Die Wissenschaft läuft dem BSE-Problem um fast ein Jahrzehnt hinterher. ...

Für Professor Gerhard Hunsmann (Göttingen) war schon vor Jahren klar: Deutschland ist eben nicht BSE-frei. Seine Befürchtung damals: ohne einen zuverlässigen BSE-Test keine Sicherheit für die Menschen. So beantragte er bereits 1994 beim Bundesministerium für Forschung Geld für die Entwicklung von BSE-Antikörpern - der erste Schritt auf dem Weg zu einem BSE-Test. ... Es war dann kein Geld mehr da, um tatsächlich den Test zu entwickeln. ... Möglicherweise hätte schon 1997 ein erster BSE-Test in Deutschland entwickelt werden können - um BSE bei Rindern festzustellen. Das hätte auch mehr Sicherheit für die Menschen bedeutet. ..."

"monitor"-Reporter: "Warum sind diese Versuche jetzt hier so wichtig?" Professor Gerhard Hunsmann: "Wir müssen eine Vorstellung haben, wie viel infektiöses Material man braucht, um einen Menschen zu infizieren. Davon wird abhängen, wie viele Menschen hier bei uns erkranken werden. Es ist also die Frage - um es einfach zu fassen - ob man 1000 Steaks essen muß, um die infektiöse Dosis aufzunehmen oder ob vielleicht eine Scheibe Wurst reicht. Die zweite Sache ist, wenn es nun infizierte Personen in Deutschland gibt, und die gehen zur Blutspende, können die auf diesem Wege auch andere gefährden? Und das werden wir in diesem Experiment ebenfalls untersuchen. Das ist eine sehr wichtige Frage." (13)

Wenn eine Scheibe Wurst reicht ...

Bei einem erkrankten Rind werden Prionen in unterschiedlicher Menge gefunden. Das Spektrum reicht von unter 10 (!) bis zu einer Milliarde Erreger je Gramm.(14) Wer sind die Personen, die weismachen wollen, es gäbe ungefährliche Bestandteile von Rindern und anderen möglicherweise infizierten Lebewesen? Wegen des Vorkommens der Prionenerkrankung namens Scrapie bei Schafen wird vor dem Verzehr von Fleisch, das von Lämmern oder Schafen stammt, gewarnt. Das Robert-Koch-Institut in Berlin hält die Gefahr sogar für so groß, daß auch bei Schafen ein dem Rindertest vergleichbarer Test für notwendig erachtet wird. (15)

Seine Freunde ißt mensch nicht

Nach dem Fleischer kam bei Mikado (s.o.) eine seit Jahrzehnten vegan lebende Frau zu Wort. Sie stellte ihre lebendige Lebensweise vor. Aus den Fragen der Kinder blickte die Angst hervor, etwas falsch machen zu können, z.B. schwer krank zu werden oder in der Mode nicht mithalten zu können, wenn mensch auf Tierisches verzichtet. Den ZuhörerInnen konnte klar werden, daß Weihnachten auch ohne Pute im Bratentopf zu überleben ist. Wer nun gar nicht auf Fleisch verzichten möchte, sollte wenigstens darauf achten, daß vor allem der Tierschutz bei der Haltung berücksichtigt wird. Dies ist vor allem bei Neuland-Fleisch der Fall. Denn bei dieser Gruppe ist der Tierschutzbund mit eingebunden. Weitgehend trifft dies sicher auch auf die anderen Bio-Siegel wie z.B. Bioland und Demeter zu. (16)

Ich möchte nicht schließen, ohne meine Bedenken hinsichtlich der geplanten drastischen Umstellung von annähernd 20 Prozent auf Biolandbau zu äußern. Ich befürchte, daß so eine Entwicklung - so wünschenwert das ist - in einer so kurzen Zeit nicht ohne erhebliche Einschränkungen bei der Qualität zu machen ist. So "Klasse" wird die Masse nicht zwangsläufig werden. (17)

Wer ist hier nicht ganz dicht?

Außerdem haben so manche immer noch nicht begriffen - oder wie ist die folgende Meldung zu verstehen: "Infiziertes Medikament - In Spanien sind laut Zeitungsberichten mehrere hundert Menschen mit einem Medikament behandelt worden, das aus dem Blutplasma eines an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) gestorbenen Briten gewonnen wurde. CJK ist die menschliche Variante der Rinderseuche BSE." (18)

Konsequente Verschleierungstaktik? - "Tierärztin klagt an: BSE-Fälle 1993 verschleiert

Hinweise auf BSE- kranke Rinder in Schleswig- Holstein hat es schon im Jahr 1993 gegeben. Damals hatten die Tierärztinnen Margit Herbst und Kari Köster- Lösche im Schlachthof von Bad Bramstedt 21 Rinder als BSE- verdächtig beanstandet.

Ein Labor in Hannover bestätigte damals bei zwei Tieren Gehirnschädigungen, einen BSE- Nachweis gab es jedoch damals nicht. Als Herbst öffentlich eine gründliche Untersuchung forderte, wurde sie vom Kreis Segeberg entlassen. "Der Fall wurde damals systematisch verschleiert", sagte Herbst am Dienstag auf Anfrage. Besonders skandalös sei es gewesen, "daß die Rinder verarbeitet wurden und zum Teil sogar in den Einzelhandel gelangten", so die Tiermedizinerin.

Gegen die fristlose Kündigung hatte Herbst 1995 vor dem Arbeitsgericht Neumünster erfolglos geklagt: Das Gericht schloß sich der Argumentation des Kreises an, die Ärztin habe das Vertrauensverhältnis zerstört, weil sie den "Dienstweg" nicht eingehalten hätte. Sie habe nicht versucht, eine "betriebsinterne Lösung" zu finden. Statt den "Dienstweg einzuhalten", sei sie mit ihrem Verdacht an die Öffentlichkeit gegangen.

"Es blieb mir kein anderer Weg, weil meine Vorgesetzten auf meine Hinweise nicht reagierten", sagte Herbst. Die heute 60- Jährige ist inzwischen frühpensioniert. Nach ihrer Entlassung im Zusammenhang mit dem BSE- Verdacht habe sie keine Anstellung als Tierärztin mehr gefunden. Auffällig sei auch, daß man von dem Fall später nie mehr etwas gehört habe. Das ganze sei einfach zu den Akten gelegt worden." (19)

Gerold Korbus

5pt ps: Der "wissenschaftliche" Streit geht weiter. "Fisch Zuchtfische, vor allem Lachse aus Norwegen sowie Forellen oder Karpfen, dürfen auch weiterhin mit Fischmehl gefüttert werden. Nach Aussagen des Münchner Instituts für Zoologie, Fischerei-Biologie, und Fischkrankheiten gilt eine Übertragung über infizierte Nahrung auf diese Fische als wahrscheinlich. Medicine-worldwide hält derartige Bekanntmachungen für eine unverantwortliche Panikmache, da es für eine derartige Übertragung zur Zeit auch nicht die geringsten Hinweise oder gar Beweise gibt." (15) Doch Medicine-worldwide winkt auch bei Schweinen als Transmitter - Übertrager - ab: "Obwohl Schweine bisher auch mit Tiermehl gefüttert wurden, besteht nach derzeitigem Wissensstand keinerlei Gefahr bezüglich einer Ansteckung mit BSE." (15) Dazu vgl. den Bericht von "monitor" oben.

3pt(0) Oldenburger STACHEL 12/00, http://www.stachel.de/00.12/12bse1.html, http://www.stachel.de/96.06/4bse.html, http://www.stachel.de/98.03/3antibio.html, http://www.stachel.de/94.09/9FLEICH1.html, http://www.stachel.de/94.09/9FLEISCH.html, http://www.stachel.de/96.11/11jod.html. Wer keinen Netzanschluß hat, kann sich bei Interesse gerne an die Redaktion wenden - Adresse siehe Impressum. (1) http://katalyse.de/ (2) http://www.spiegel.de/politik/europa/ 0,1518,107974,00.html (3) http://katalyse.de/umweltlexikon/index.htm (3a) http://m-ww.de/krankheiten/prionenkrankheiten/bse.html (4) http://userpage.fu-berlin.de/ßdittbern/BSE/ News4.htmlÖ#21 (10.11.1999), http://userpage.fu-berlin.de/ßdittbern/BSE/ Medien3.htmlÖ#YAHO_15, http://www.woche.de/, (5) http://www.verbrauchernews.de/haushalt/lebensmittel/ 0000005179.html, Artikel vom 31.3.2000 (6) www.bse-news.de (7) http://userpage.fu-berlin.de/ßdittbern/BSE/News1.htmlÖ#14, 28.4.1997 (ard-171/khd), http://www.doh.gov.uk/, http://www.independent.co.uk/www/ (8) www.bse-news.de, BSE NEWS Newsticker, Meldung vom 16.1.2001 (9) (Buchtip: Rudolf H. Strahm, Über - und Unterentwicklung). Außerdem: Strahm Rudolf H., Arbeitsgemeinschaft Dritte-Welt-Läden e. V. / GEPA Gesellschaft zur Förderung der Dritten Welt mbH (Hrsg.), Warum sie so arm sind, Arbeitsbuch zur Entwicklung der Unterentwicklung in der Dritten Welt mit Schaubildern und Kommentaren, 217 S., Peter-Hammer-Taschenbuch 27, 6. Auflage, Hammer Wuppertal 1989, BN 6064 (10) http://www.wdr.de/tv/monitor/archiv/2001/01/18a.html (11) Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, Thielallee 88-92, 14195 Berlin, http://bgvv.de/ (12) Süddeutsche Zeitung; 03.02.2001, S. 52, http://szarchiv.diz-muenchen.de/, http://www.sueddeutsche.de (13) http://www.wdr.de/tv/monitor/archiv/2001/02/08b.html (14) http://www.spiegel.de/img/0,1020,74301,00.jpg (15) http://m-ww.de/krankheiten/prionenkrankheiten/bse.html (16) Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau e.V. (AGÖL), www.AGOEL.de, http://www.demeter.de, Informative Schweizer Web-Site zum Thema "Gemüse" http://www.mediatime.ch/gemuese/, Datenbank biologisch/ökologischer Direktvermarkter, http://www.allesbio.de/ http://www.bioland.de, http://www.neuland-fleisch.de/ (17) http://www.bml.de/, http://www.bml.de/reden/ministerin/ 2001-02-08-regierungserklaerung.htm (18) taz Nr. 6368 vom 9.2.2001, Seite 2, 12 Zeilen (afp), http://www.taz.de (19) (dpa) Lübecker Nachrichten, Herrenholz 10-12, 23543 Lübeck, Tel. 0451/144-0, 29.11.00 00:10 MEZ, http://www.ln-online.de/Nachrichten/Lokales/ segeberg_3460.htm

Weitere Informationsmöglichkeiten (teilweise mit Verharmlosungscharakter): Bundeslandwirtschaftsministerium: 02 28-5 29 44 53 oder 0 30-20 06 31 20, Niedersachsen: 05 11-36 70 40 (beim Landvolkverband), Bremen: 04 21-3 61-1 74 67, Hamburg: 0 40-4 28 61 00, Schleswig-Holstein: 04 31-1 60 58 70, Berlin: 0 30-90 28-28 28, Brandenburg: 03 31-8 66 77 76

Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände e.V., Heilsbachstr. 20, 53123 Bonn, Tel. 02 28/6 48 90, Fax 02 28/64 42 58

http://www.naturkost.de

Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Besuchsanschrift: Rochusstr. 1, 53123 Bonn; Postanschrift: Postfach 140270, 53107 Bonn. Tel. 02 28/5 29-0 oder 0 18 88-5 29-0, Fax 02 28/5 29-42 62 oder 0 18 88-5 29-42 62, E-Mail: internet at bml punkt bund.de, http://www.bml.de/

Bundesministerium für Bildung und Forschung Dienstsitz Bonn, Heinemannstr. 2, 53175 Bonn-Bad Godesberg, Tel. 02 28/57-0, Fax 02 28/57-36 01; Dienstsitz Berlin, Hannoversche Straße 30, 10115 Berlin, Tel. 0 30/2 85 40-0, Fax 0 30/2 85 40-52 70

 

 
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