Oldenburger STACHEL Ausgabe 2/01     Seite 7
 
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FÖJ im Selbstversorgungsverein

Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist eine Einrichtung auf Landesebene nach dem Vorbild des Freiwilligen Sozialen Jahres, um ökologisch engagierte Jugendliche von 16 bis 27 Jahren zu fördern. Für ein Jahr arbeitet der/die FÖJ-lerIn in einer anerkannten FÖJ-Einsatzstelle, wird begleitet von mehreren regionalen FÖJ-Seminaren und hat die Möglichkeit, in seiner Einsatzstelle eigene Projekte zu entwickeln und durchzuführen. Viele FÖJ-lerInnen nutzen dieses Jahr, um zwischen Schule und Berufsausbildung neue Lebens- und Arbeitsbereiche kennenzulernen und etwas Sinnvolles für Umwelt und Natur zu tun.

Zwischen Bremen und Hannover betreibt der Verdener Permakulturverein ein großes Gartengelände auf dem Land. Wir sind ein paar junge Leute zwischen 20 und 30, die hier an Selbstversorgung und Naturschutz arbeiten und forschen. Die 7ha pachtfreies Gelände nutzen wir seit 1998 und der ehemalige Roggenacker ist schon mit winzigen Bäumchen übersäht, dazu gehört auch ein Stück wilder Wald an der Bachniederung im Norden. Permakultur ist eine Planungsmethode für (Öko-)Systeme, die sehr an dem natürlichen Ablauf aller Vorgänge orientiert ist und auch radikal und analytisch die landwirtschaftlichen Methoden der letzten 6000 Jahre in Frage stellt. Permakultur ist eine kleine Bewegung weltweit (nicht Dollar-gewinnorientiert), die gerade in der nördlichen Hemisphäre noch in den Kinderschuhen steckt. So experimentieren wir mit ungewöhnlichen Pflanzen und Methoden, ebenso wie mit vergessenen, alten Sorten und Werkzeugen. Energiesparen ist angesagt! Mehr zum Thema "Permakultur" kann man anschaulich im Internet erfahren, oder in einem der inzwischen schon recht zahlreichen deutschsprachigen Bücher.

Unser Projekt ist ehrenamtlich, d.h. nicht auf Verkauf von Waren ausgerichtet, sondern eher als Forschungs- und Vorzeigeobjekt gedacht. Die Motivation zu diesem doch eher ungewöhnlichen Treiben kommt bei uns auch stark aus einer Infragestellung der herrschenden Gesellschaft-, Wirtschafts- und Lebensform. Wir Ehrenamtlichen verdienen uns den Lebensunterhalt (abgesehen von Obst, Gemüse und Wildkräutern vom Gelände und der Gegend) anderweitig, nebenbei, irgendwie. EinE FÖJ-lerIn in Niedersachsen bekommt 300 DM Taschengeld plus die ca. 300 DM Kindergeld (sofern die Eltern es hergeben). Wer billig lebt, kommt damit über die Runden, ansonsten ist ein Nebenjob kein Problem, viele FÖJ-lerInnen hier werden auch noch zusätzlich von ihren Eltern unterstützt. À propos billig leben: In der Kleinstadt Verden gibt es eine Alternativszene mit Wohngemeinschaften, Wagenplätzen, Antifa und dem großen Ökologischen Zentrum, in dem auch der Permakulturverein seinen Schreibtisch hat. Hier sind einige ökologische Initiativen und Betriebe selbstverwaltet unter einem Dach, im Haus sind auch noch 1-2 weitere FÖJ-lerInnen.

Die Permakulturgruppe selbst versucht möglichst gleichberechtigt zu arbeiten, d.h. volles Mitsprache-/Entscheidungsrecht (wir praktizieren Konsensprinzip) für den/die FÖJ-lerIn, eigene Zeiteinteilung, Urlaubsplanung etc.. Wir erwarten keine 38h-Woche im Permakulturprojekt und freuen uns über jegliches anderweitige politische oder sonstige Engagement. Wir versuchen einen ganzheitlichen Ansatz auch auf uns Menschen anzuwenden und versuchen, die ganze Person zu sehen und nicht nur "die PraktikantIn". Wir erwarten dementsprechend aber, daß Du bereit bist, auch mit Verantwortung zu übernehmen für die vielleicht weniger schönen Aufgaben (Vereinsverwaltung, Finanzierung, Buchhaltung...). Ebenso haben wir Probleme mit Arbeitnehmermentalitäten, à la "Was soll ich tun?". Auf die Dauer ist Eigeninitiative gefragt. Selbstverständlich gibt es Betreuung und Raum für eine gründliche Einarbeitung und auch das Angebot einer außerhalb stehenden Vertrauensperson, hilfreiche Gespräche zur neuen Lebenssituation durchzuführen (raus aus Schule/Elternhaus usw.). Wir helfen natürlich auch bei der Wohnungssuche und Ähnlichem. Außer dem Verdener Öko-Sumpf sind wir viel in überregionalen Permakultur-, Umwelt- und Politikkreisen unterwegs, so daß Du fast Gelegenheit hast, jedes Wochenende auf irgendwelchen Treffen und Aktionen zu verbringen.

Was soll ich noch schreiben? Wir suchen natürlich jemand nettes, der/die zu uns paßt und Spaß an dem Projekt hat. Bei Interesse ruf einfach mal an: Klaus (01 71/1 56 56 20) oder Thomas (0 42 64/37 04 44)

Klaus

 

 
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