Oldenburger STACHEL Ausgabe 5/01     Seite 3
 
Aktuelles
Archiv
2003
2002
2001
Dezember (229)
November (228)
Oktober (227)
September (226)
August (225)
Juni (224)
Mai (223)
April (222)
März (221)
Februar (220)
Januar (219)
2000
1999
1998
1997
1996
1995
1994
UHN
Service
Wir über uns
Impressum
Kontakt
 
Inhalt dieser Ausgabe
 

Nur eine Behindertentoilette -

"Behinderte Integration" ß la Universität?

Betroffene betrachten ein vor kurzem der Öffentlichkeit übergebenes Gebäude: Die großgehaltene Nummerierung der Räume - günstig für Sehbeeinträchtigte - können im Uni-Neubau genauso wenig wie die elektrischen Türöffner über ein erhebliches Manko hinweg täuschen. Während oberflächlich betrachtet bei der Gestaltung Mobilitätsbeeinträchtigte berücksichtigt wurde, existieren einige bedeutende Nachteile im Gebäude. Das merken - zumindest derzeit noch (?) - auch die sogenannten "Normalen". Bei der Begehung trafen wir wiederholt auf StudentInnen, die orientierungslos umher irrten. Ob das an der (noch?) fehlenden zentralen Orientierungstafel liegt? Die Markierungen im Fahrstuhl sind tastbar, was positiv ist, jedoch mit Ausnahme ausgerechnet des Notrufes.

Im Bereich der Seminarräume (vom Haupteingang aus hinter den Seminarräumen durch die Glastür) befindet sich eine Tabelle mit Namen und Raumnummern. Doch die fiel völlig durch: Zu kleine Buchstaben und zu hoch geraten. Das zu entziffern, fällt bereits manchen Normalsichtigen schwer. Sehbeeinträchtigte können hier nicht einmal durch sehr nahes Herantreten ausgleichen. Daß mensch auf einen Stuhl steigen muß, kann ja wohl nicht beabsichtigt sein. Ironischer Kommentar bei der Begehung: Den Professor in der oberen Reihe nehm' ich nicht.

Oberpeinlich: Eine einzige Behindertentoilette im großen Gebäude

Angesichts dieser Tatsache kommen Zweifel, ob die Architektur tatsächlich aus der heutigen Zeit stammt. Im Mittelalter hatten die Häuser gar keine Toiletten. Die Straßen hatten immerhin Gossen. Die Menschen verrichteten ihre Geschäfte, wo sie gerade waren. Beispielsweise hielten sie den Hintern aus dem Fenster und ...

Aber heute? Die Flure sind zwar für normale Situationen breit genug. Doch wenn richtig Betrieb ist, wird es sicher bereits ein Problem sein, mit dem Rolli von der einen Ecke bis zum Fahrstuhl zu kommen. Dort gibt es eventuell Wartezeit. Wer es rechtzeitig von der dritten Ebene bis zum Erdgeschoß zur Behindertentoilette schafft, hat Glück gehabt. In den oberen Etagen können Behinderte unter solchen Bedingungen nicht arbeiten. Aber es soll nicht nur gemeckert werden. Denn wir fanden oben auf einem Flur gleich zwei geräumige Teeküchen unmittelbar nebeneinander. Das hat doch was.

Mangehafte Kennzeichnung von Treppenstufen

Nicht nur für Sehbeinträchtigte ist es riskant, den Weg bei den Seminarräumen zu nutzen. Vom Haupteingang betrachtet ist die Rampe zwar gut hinter der Tür plaziert, die am ehesten geöffnet wird. So ist auf dieser Seite das Risiko, die - wenigen - Stufen abwärts zu stürzen, geringer. Doch in der Gegenrichtung gibt es für Menschen mit Rollstuhl zunächst Probleme, die Tür in den Flur zu öffnen, da diese über ein großes Kraftmoment verfügt. Und dann geht es ziemlich stracks die wenigen Treppen runter. Das dürfte auch für Menschen, die nicht beeinträchtigt sind, ein Risiko bedeuten. Mindestens deutliche Markierung ist hier dringend angesagt.

Freie Bestuhlung für gut befunden

In den Seminarräumen gibt es lose Bestuhlung. Das ermöglicht die freie Wahl des Sitzplatzes auch mit Rolli. Wünschenswert wäre allerdings, in den Räumen jeweils einen oder auch zwei höhenverstellbare Tische vorzuhalten, damit mensch mit dem Rollstuhl unter den Tisch fahren kann, wie sich die anderen mit dem Stuhl daran setzen können.

Gerold Korbus

6pt P.S.: Sicher gibt es noch viel mehr über das neue Gebäude und die Uni überhaupt zu berichten. Für weiteres Lob oder auch Kritik steht das autonome Referat für behinderte und chronisch kranke Studierende im AStA gerne zur Verfügung. Da kann mensch auch mitmachen. Erreichbar: Raum M1-154 (AStA-Flur), Tel. 0441,798-3100, Fax -3164. Emil: behindertenreferat at uni-oldenburg punkt de, WorldWideWeb: www.uni-oldenburg.de/ßbref. Sprechzeit: Dienstag 9.30-11.30 Uhr. Plenum: Dienstags (1-2 mal monatlich, Termin wird per Aushang bekannt gegeben).

Außerdem gibt es beim StudentInnenwerk die Behindertenbeauftragte Wiebke Hendeß - Telefon 0441,798-2797, Fax: -2071, Emil: wiebke punkt hendess at sw-ol punkt de.

Die Schwerbehinderten-Vertrauensperson für Bedienstete der Universität ist Herr Karl Heinz Meyer, Tel. -4005.

EineN BehindertenbeauftragteN für Studierende hat die Universität derzeit nicht, was aber weder im Kanzleramt noch im Präsidium bekannt zu sein scheint.

 

 
  Differenzen zur gedruckten Fassung nicht auszuschließen. Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Siehe auch Impressum dieser Ausgabe und Haupt-Impressum