Oldenburger STACHEL Ausgabe 8/01     Seite 7
 
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"Dem Führer - Worte deutscher Dichter"

Nimmt diese "Landschaft" endlich Abschied von diesem Heimat-Dichter?

Am 16.5.2001 beantragte die OLLI-/PDS-Fraktion, daß der Rat der Stadt Oldenburg den Beschluß fassen soll, "August Hinrichs wird aus der Ehrenbürgerliste der Stadt Oldenburg gestrichen."

Damit rührte man an einer der Grundfesten oldenburgischer Vergangenheit, die über Jahrzehnte nach dem Kriege von konservativer und nationalistischer Seite aus aufrechterhalten wurde.

Oldenburg hatte keine Täter, Oldenburg hatte nur Mitläufer, die in der Kategorie "unbelastet" im Entnazifizierungsverfahren eingestuft worden sind. Zu diesen, als Mitläufer Eingestuften, gehörte im besonderen der Heimatschriftsteller August Hinrichs. War aber August Hinrichs nur ein Mitläufer, ist die erste Frage, die es zu beantworten gilt.

Und die zweite Frage ist, sollen wir auch Mitläufern das Recht auf der Liste der Ehrenbürger dieser Stadt zu stehen, zubilligen?

Zuerst jedoch zu Hinrichs: 1935 wurde er Landesleiter des Gaus Weser-Ems der Reichsschrifttumskammer. 1937 NSDAP-Mitglied. 1934 hatte er schon im Auftrage der Gauleitung ein Festspiel zur 700-Jahr-Feier der "Bauernschlacht in Altenesch" geschrieben. Für das Stück "De Stedinge", Uraufführung 27.5.1934, wurde 1935 die Freilichtbühne "Stedingsehre Bookholzberg" geschaffen.

Das Stedinger-Motiv griff Hinrichs noch einmal 1939 in seinem Stück "Steding Renke, Spiel vom Opfergang eines Volkes" auf, das wieder in Oldenburg uraufgeführt wurde. Im selben Jahr verfasste er den Einakter "Tilly vor Oldenburg", der zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den NSDAP-Gauleiter Carl Röver im Oldenburger Schloß festliche Prämiere hatte.

Bereits 1936 war Hinrichs mit einem KdF-Dampfer gereist, und hatte seine Eindrücke zu der Komödie "Petermann fährt nach Madeira", verarbeitet. In seinen beiden Volksstücken "Der Musterbauer", 1940 und "Sware Tied" 1944 setzt Hinrichs Bauernsolidarität und Treue zum Hof gegen "städtisches Gewinnstreben und persönliches Glücksverlangen". Hinrichs erhielt den Stavenhagen-Preis 1938, die Goethe-Medaille für Wissenschaft und Kunst 1939, den Gau-Kunst-Preis Weser-Ems 1943 und 1944 wurde er Ehrenbürger von Oldenburg.

Als er 1956 verstarb wurde er unter grosser politischer und prominenter Anteilnahme beerdigt. Die NWZ schrieb: "Voran gingen die Kranzträger: Der Vorstand des OTB, die Tischlerinnung, die "Kringdeerns un Jungs" in Tracht, die Kränze des "Spieker" und der Niederdeutschen Bühne tragend, dann Polizeibeamte in weiß mit den Kränzen des Ministerpräsidenten, des Verwaltungspräsidenten und der Stadt Oldenburg ... Als die unübersehbare Trauergemeinde das offene Grab umstand, ... traten nacheinander die Freunde des Verstorbenen hinzu, um ihn aufrichtige Dankesworte nachzurufen. Oberbürgermeister Trinne, namens der Stadt, Nikolaus Bernett für den OTB und DTB, Kammerpräsident Freese als Handwerksmeister und Freund. Mit einem plattdeutschen Gedicht ehrte Dr. Hermann Lübbing, im Namen des Landesvereins, den Heimatdichter und Heinrich Diers rief dem "leewen Frünn" ..., die Verehrung aller in der Heimatbewegung "Stehenden" zu ..."

Wer diese Sonderseite der NWZ vom 27. Juni 1956 liest, begreift, warum die geistigen Nachfahren dieser Trauergemeinde mehr als nur Schwierigkeiten haben, zu begreifen, oder es auch gar nicht wollen, daß August Hinrichs für die Nazis im regionalen Bereich ein beliebter Protagonist war, der sich und sein Schaffen ohne Probleme in den Dienst der Nazis stellte.

Noch 1979 als Hinrichs 100. Geburtstag mit Veranstaltungen und einer Ausstellung gefeiert wurde, heißt es im Ausstellungskatalog: "Viele Literaten wurden nach 1933 zu billigen Panegyrikern(Verfasser von Lobreden) der neuen Machthaber, und, es ist heute noch peinlich zu sehen, wer alles darunter war und sich im Dritten Reich anpasste und offerierte. Bei August Hinrichs ist in keiner Form eine derartige Anbiederung feststellbar."

Hier irrt der Verfasser dieser Zeilen. In der Anthologie "Dem Führer - Worte deutscher Dichter" schrieb August Hinrichs zum Geburtstag des Führers 1941:

1em

Viele Helden gebiert ein Volk

und gräbt ihre Namen

zu langem Gedächtnis

mit ehernem Griffel

in steinerne Male.

Zeichen und Male zerfallen,

die Namen verwehn.

1em

Unverlöschbar nur dauert,

wer seinen Namen

durch übermenschliche Tat

mitten hinein schrieb

ins lebendig aufglühende

Herz seines Volkes.

Dort lebt er und leuchtet

Durch alle Zeiten.

1em

Die oben gestellte Frage, ob Hinrichs nur ein Mitläufer war, muß aufgrund der Biografie Hinrichs verneint werden. Und, ob Menschen mit dieser Biografie, die solche Gedichte schrieben, wie das zum Führergeburtstag 1941, auf der Liste der Ehrenbürger dieser Stadt stehen dürfen, muß auch verneint werden.

Ob der Rat der Stadt Oldenburg auch dieser Auffassung ist, wird er am 28. August beantworten müssen.

Diese Antwort ist der Rat allen Opfern der Nazis schuldig, auch dem Schriftsteller Carl-von-Ossietzky, nach dem in dieser Stadt die Universität benannt ist.

R. H. Kühnrich

 

 
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