Oldenburger STACHEL Ausgabe 11/01     Seite 13
 
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Oldenburg bekommt Farbe

Im letzten Monat staunten wir nicht schlecht. An einem wunderschönen herbstlichen Samstag Mittag fuhren wir vom Wochenmarkt auf der Haareneschstraße in Richtung Universität. Es war wirklich ein schöner Tag, der Himmel war nur teilweise bewölkt und immer wieder schien die Sonne durch und wärmte etwas. Das gelb-rötliche Herbstlaub schimmerte und gab dem ganzen einen schönen Eindruck.

Kurz vor dem Westkreuz mußten wir jedoch stutzen. Die Lichtverhältnisse veränderten sich plötzlich und es roch nicht mehr nach Herbst sondern nach frischer Farbe. Außerdem war ein Stechen in den Augen zu spüren. Nanu? Was war nun passiert? Ein plötzlicher Klimawechsel und eine Horde Maler in der Nähe? Nein, weit und breit waren keine Maler zu sehen. Ein Blick in den Himmel brachte auch keine Klarheit. Die Sonne schien immer noch und der Himmel war weiterhin leicht bewölkt. Was also verursachte die merkwürdige Stimmung? Und vor allem: Was stach plötzlich so im Auge?

Ein Blick nach unten brachte die Wahrheit schließlich zutage. Die Straße war blau. Ein Blick nach vorne: Die Straße ist schwarz. Ein Blick nach links: Die Straße ist schwarz. Wieder ein Blick nach unten: die Straße ist blau. Nein, hier liegt keine Verwirrung vor. Die Straße ist tatsächlich blau geworden. Unsere Adleraugen verrieten auch sogleich, woher der Geruch stammte.

Da hat doch tatsächlich ein Spaßvogel die Straße blau angestrichen. In einem leuchtenden, fast sogar schreienden, aber auf jeden Fall blendenden himmelblau. Ungefähr 5m im Quadrat. Würde es nicht so in den Augen stechen und müßte man die Augen nicht fast schließen vor Schmerzen, könnte man es fast für einen netten Gag halten. Jetzt heißt es Vorsichtig sein, denn es könnte ein Auto kommen, das man wegen des Stechens in den Augen möglicherweise zu spät wahrnimmt. Die Farbe muß noch relativ frisch gewesen sein, daher der Geruch. Auf einer Straße braucht man wahrscheinlich etwas mehr als für eine Wand, der Geruch dürfte also auch länger wahrzunehmen sein.

Na gut, denken wir, irgendwann wird die Farbe schon wieder abgerieben sein. Da kommen uns Radfahrerinnen entgegen, im Vorbeifahren hören wir sie noch sagen: "Boah, das blendet aber ganz schön!". Wir fahren weiter, schließlich wollten wir in der Haareneschstraße keine Wurzeln schlagen, sondern die auf dem Markt gekauften Wurzeln zubereiten. Nach gut 10 Metern haben wir schon wieder dieses Stechen in den Augen. Hoppla, schon wieder ist die Straße blau. Und schon wieder ist es eine Kreuzung. Ob unser Spaßvogel letztendlich nach System vorgegangen ist?

Als sich auch die letzte Kreuzung vor dem Westkreuz blau darstellte, wurden wir endgültig stutzig. Da steckt bestimmt System hinter. Die letzten drei Kreuzungen vor dem Westkreuz sind himmelblau gestrichen, fast das gleiche blau wie auf dem Schild "Fahrradstraße", jedoch viel greller. Ob da vielleicht ein Zusammenhang besteht?

Wir sind der Sache nachgegangen. Den Spaßvogel konnten wir auch ausfindig machen: die Stadt Oldenburg. Die Kunstwerke sind jedoch noch nicht fertig. Was ihnen noch fehlt, sind entfremdete Darstellungen von Fahrrädern.

Die farbigen Kreuzungen sollen Autofahrer auf deutlicher auf die Gefahrenpunkte aufmerksam machen. Aha. Da stellt sich uns doch gleich die Frage, ob nicht große Schilder, die im Scheinwerferlicht reflektieren, sinnvoller gewesen wären? Oder hat sich etwa herausgestellt, daß Autofahrer keine Schilder mehr wahrnehmen und nur noch das sehen, was vor ihnen auf der Straße leuchtet? Und was ist mit den Radfahrern, die die Augen schließen müssen, weil die Straße plötzlich blendet?

Vielleicht ist es ja so, daß Schilder ausgedient haben und überhaupt nicht mehr vor Gefahren warnen können. Als notorische Radfahrer kann man sich vielleicht auch nicht vorstellen, was in einem Autofahrer vorgeht, wenn er auf eine Kreuzung zufährt. Wir haben nicht aufgegeben und stattdessen daran geglaubt, daß es sich hier nicht um einen Spaßvogel handelt, sondern um eine richtig innovative Idee. Wir sind deshalb in der Nacht noch einmal an den Tatort zurückgekehrt und wollten sehen, wie die Kreuzung im Dunkeln bzw. im Scheinwerferlicht leuchtet.

Nichts. Dunkel. Düster. Kein Leuchten. Kein Reflektieren. Die Kreuzungen leuchten nicht und fallen auch nicht auf. Nachts scheint es also keine Gefahr mehr zu geben. Oder nachts fahren keine Radfahrer. Oder nachts fahren keine Autos in die Kreuzungen. Nein, das stimmt so nicht. Wir haben Radfahrer auf der Haareneschstraße und fahrende Autos in den Seitenstraßen gesehen. Nachts gibt es dann wohl keine Gefährdung auf diesen Kreuzungen mehr. Das ist gut zu wissen. Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer, wenn man abends unterwegs ist.

Joey

It's time to close the windows. - Nicht nur weil es Winter wird, d. S.

 

 
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