Oldenburger STACHEL Nr. 243 / Ausgabe 6/03     Seite 2
 
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Persönlichkeitsraub

oder Datenschutz mit dem Seitenschneider?

Zum sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten wird in dieser Welt nicht gerade motiviert. Eher ist das Gegenteil der Fall. So lädt auch die Stadt Oldenburg ein, eMails zu senden oder CD's - auch mit persönlichen Daten - öffentlich (für das Recycling) auszustellen. [2]

An vielen Orten wird die Privatsphäre gelöchert. Da lauschen die Behörden an Telefonen. Auch in Oldenburg stehen bereits an mehreren Stellen Überwachungskameras und Web-Cams, mit denen unser Leben beobachtet wird. Anhand elektronischer Protokolle ist es ständig möglich, den genauen Aufenthaltsort der EigentümerInnen von Mobiltelefonen zu erfahren. So manche reagiert mit resignativer Haltung: "Ich habe nichts zu verbergen - sollen die mich doch beobachten." Doch diese Lethargie kann böse Folgen haben.

Der Anschlag

In einer Zeit immer komplizierter werdender Regelungen jedoch leben alle in dem Risiko, mal etwas falsch zu machen. Beim allerbesten Willen - wer weiß schon über alles Bescheid? Wenn jedoch der böse Nachbar ...? So ist es nichts Ungewöhnliches, wenn sich Menschen bei AnbieterInnen elektronischer Dienste wie eMail melden, daß fälschlich in ihrem Namen Äußerungen mit negativer Absicht verbreitet werden. Sich dagegen zu wehren ist schwer. Und zwar um so schwerer, je mehr die AngreiferIn über die geschädigte Person weiß.

Die AnbieterInnen solcher Dienste haben ihren Sitz meist in der Ferne, zum guten Teil in Übersee. Auch wenn sie oft eine deutschsprachige Abteilung haben, gestaltet sich die Kommunikation kompliziert. Als ein Mitglied der STACHEL-Redaktion durch die Versendung von vorgetäuschten eMails malträtiert und bei anderen fälschlich denunziert wurde, gelang die Schließung der durch Vortäuschung erschlichenen eMail-Adresse nur deshalb, weil der Angreifer aufgrund des langjährigen vorsichtigen Verhaltens der angegriffenen Person bestimmte persönliche Daten raten mußte und dabei Fehler gemacht hatte. Der Provider: "Wir wissen ja nicht, wer die richtige Person XY ist. Wir können da nichts machen." Hätten alle Angaben den Tatsachen entsprochen, würde der erschlichene Account vermutlich noch heute genutzt und unserE RedaktionsmitarbeiterIn in ein falsches Licht gerückt werden können.

Persönliche CD's nicht öffentlich auslegen

Begrüßenswert ist die derzeitige Sammlung von CD's zur Rückgewinnung von Rohstoffen. Die abgegebenen CD's sind über einen längeren Zeitraum in Kiosken und verschiedenen anderen Orten öffentlich zum Abholen bereitgestellt, bis sie auf den Weg zur Weiterverarbeitung gebrachte werden. Wer hier die vorletzte - nun nicht mehr benötigte - Systemsicherung dazu tut, muß sich nicht wundern, wenn in Bälde jemand ziemlich viele persönliche Daten kennt - vielleicht ja sogar einschließlich vieler Paßworte - die auf manchen Computersystemen ja immer noch im Klartext abgelegt werden. Die Tür zur Möglichkeit des Datenmißbrauchs ist dann weit geöffnet.

Unbrauchbare Empfehlungen der Stadt

Die Stadt Oldenburg gibt bezüglich der CD-Sammlung die Empfehlung, CD's, die persönliche Daten enthalten, mit einem scharfen Gegenstand zu zerkratzen. [2] Die STACHEL-Redaktion hat das getestet. Bei zehn CD's, die wir uns von einem dieser Ständer holten, haben wir mit einem Taschenmesser - wie empfohlen - auf der "Leseseite" gekratzt. Doch es gelang uns lediglich bei zwei CD's so die Daten unleserlich zu machen. Murphy's Law gilt natürlich weiterhin: Wenn die Daten benötigt werden, wird hingegen die CD von selbst den Datengeist aufgegeben haben.

Wirksamer Datenschutz und Recycling

Der Stadtverwaltung war dies nicht bekannt. Nach mehreren Gesprächen auch mit der Gemeinnützigen Werkstatt [1] haben wir nun Folgendes Empfehlung erarbeitet: Die CD kann mit einem Seitenschneider o. ähnl. zerstört werden. Oder einfach Knicken. Doch Vorsicht: Gelegentlich zerplatzen die CD's und dann fliegen feinste Brösel durch die Gegend. Am besten also die Aktion in einer Tüte absolvieren - dann kann nichts passieren. Die Tüte kann direkt bei den üblichen Müllannahmestellen der Stadt abgegeben werden oder - wie auch Batterien in kleinen Mengen - einfach bei der Abholung auf die Restmülltonne. Wer ganz sicher gehen will, bringt's direkt zur Gemeinnützigen Werkstatt - zum Schutz gegen Puzzleanten evtl. in mehreren Lieferungen. [1]

Weitgehender Datenschutz ist durch die Verschlüsselung eines Backups mittels GnuPG zu erreichen. (zu GnuPG vgl. STACHEL 242) [3]

Gerold Korbus

[1] Gemeinnützige Werkstatt Oldenburg Rennplatzstr. 203, Tel.: 0441,3405-0. Öffn.zeiten: Mo-Do 7.30-16, Fr. -14.15 Uhr http://www.gem-werkst-ol.de/

[2] Handzettel der Stadtverwaltung. Im BürgerInnenamt oder http://www.oldenburg.de/awb/pdf/cd.pdf sowie http://www.oldenburg.de (diverse Angebote)

[3] siehe auch STACHEL 242: Oldenburg und der Datenschutz http://www.stachel.de/03.04/4daten.html Hacker bei den Sheriffs (die Sheriffs als Hacker) http://www.stachel.de/03.04/4poli.html

 

 
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