Oldenburger STACHEL Nr. 243 / Ausgabe 6/03     Seite 15
 
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Der Medienbus

In 2003 jährt sich zum zehnten Mal ein zentrales Ereignis der restriktiven Asylpolitik dieser Republik - die Rede ist vom sogenannten "Asylkompromiß" von 1993. Viele sprechen in diesem Zusammenhang von der "faktischen Abschaffung" des Asylrechts.

Seither sind die Anerkennungsquoten gesunken, haben sich die Bedingungen für AsylbewerberInnen verschlechtert. So ist die Unterbringung in Sammelunterkünften die Regel geworden. Zumeist an randständigen Orten angesiedelt, hat man die Leute staatlicherseits, wo man sie haben möchte: zwangskollektiviert (d.h. Zusammenlegung in Mehrbettzimmern von Menschen, die einander völlig fremd sind), ohne Kontakt zur Stadt, abhängig und isoliert.

Wer dies für Übertreibungen hält, wende seinen Blick vor die Tore Oldenburgs: Im ehemaligen Kloster Blankenburg findet sich eine der besagten Sammelunterkünfte, genannt "Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber" (ZASt).

Der durch nichtsbegründbaren Isolation der MigrantInnen dort entgegenzuwirken, ist das Ziel unserer selbstorganisierten Gruppe namens "Medienbus".

Seit Mitte der Neunziger Jahre (mit Unterbrechungen) fährt der Medienbus zum ZASt-Lager Blankenburg, und fungiert dort einerseits als rollendes Lesecafé für die MigrantInnen, mit einem Angebot an Zeitungen in mehreren Sprachen, das Informationen anbieten und einen Ort zwangloser Begegnung schaffen will.

Andererseits geht es uns darum, Informationen rund um Fragen des Asylverfahrens weiterzugeben sowie möglicher Kristallisationspunkt für eine politische Selbstorganisation der Blankenburger MigrantInnen zu sein. Nach unserem Selbstverständnis sind wir parteiisch für die Flüchtlinge. Wir sind überzeugt: Jeder und jede hat das (Menschen-)Recht, dort zu leben, wo er oder sie leben möchte.

Es gibt also keinen Grund, abwehrend und abwertend einwandernden Menschen den Zugang zu unserer Gesellschaft zu versperren. Mal abgesehen davon, daß handfeste politische und ökonomische Gründe (oft auch Kriegsgründe) die Menschen hierher zwingen. Von diesem Standpunkt ausgehend, ist die zynische Kasuistik der BRD-Behörden - staatliche vs. nichtstaatliche, politische vs. ökonomische Fluchtgründe usw. - ebensowenig unsere Sache, wie die kleingeistige Betrachtung der MigrantInnen als KonkurrentInnen um Jobs und Wohnungen, eine Sichtweise, die viele Menschen zu entwickeln neigen, wenn der Kapitalismus sie zu infantilisierten EmpfängerInnen von Arbeitsplätzchen macht.

Zurück zum Medienbus: Für unsere Arbeit im Spannungsfeld zwischen einem Engagement für MigrantInnen und dem grundsätzlich politischen Ansatz, mitzuhelfen, den rassistischen Konsens in der BRD zu durchbrechen, brauchen wir noch weitere MitstreiterInnen, die mit uns:

· Infos recherchieren und beschaffen

· Kontakte zu den Blankenburger MigrantInnen knüpfen und pflegen

· Bisweilen Vorträge, Diskussionsveranstaltungen usw. organiseren

· Reparaturen am Bus ausführen

Unsere Arbeit ist lustig und traurig, nervig und interessant, auf jeden Fall immer kommunikativ und den Horizont einer Gesellschaft ohne Rassismus nie aus den Augen verlierend. Mensch braucht übrigens keinE ExpertIn in irgendwas zu sein, um bei uns mitzumachen.

tw

P.S.: Wir suchen für den Bus noch einen Stellplatz! Wer einen anbieten kann oder Infos hat: einfach Kontakt aufnehmen über die unten stehende Adresse.

Kontakt: medienbus at gmx punkt de, Medienbus, PF 4102, 26031 Oldenburg

 

 
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