Oldenburger STACHEL Nr. 246 / Ausgabe 11/04     Seite 5
 
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你学习外语吗 - هل تدرس لغه ٳجنبيه؟

Sprachenangebot an der Uni gefährdet

Das Fremdsprachenangebot an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg ist für die Größe der Universität beachtlich. Es lassen sich in mehr als 15 Sprachen Grundkenntnisse und Sprachnachweise erwerben. Die Auswahl ist nicht auf gängige "Mainstream"-Sprachen und alte Sprachen beschränkt. Auch Sprachen wie z.B. Ukrainisch, Schwedisch, Arabisch, Chinesisch oder Japanisch können gelernt werden.

Zur Kasse gebeten

Was Studenten und Mitglieder und Angehörige der Universität bislang zur persönlichen oder beruflichen Qualifizierung kostenlos nutzen konnten, wird seit diesem Semester mit Teilnahmegebühren belegt. Für alle, die keinen Sprachnachweis erbringen müssen, kommen 50 Euro zusätzlich zum obligatorischen Semesterbeitrag von jetzt 175 Euro, ab Sommersemester 200 Euro, hinzu. Zwar sind 50 Euro für einen fünfzigstündigen Sprachkursus nicht viel Geld, doch gehören die Kurse zum normalen Lehrangebot. Es wäre etwa vergleichbar mit der Erhebung von Gebühren für eine freiwillige Teilnahme an einem gewöhnlichen Uni-Seminar. Doch soll gerade das Studium an der Universität ermöglichen, auch über den Tellerrand des eigenen Faches hinauszuschauen, um so eine kompetente wissenschaftliche und künstlerische Berufsqualifikation zu erreichen.

Übergangsregelungen
verhindern Protest

Für die derzeitigen Sprachkurse gibt es eine Übergangsregelung. So werden die Gebühren in diesem und nächstem Semester nur für die Anfängerkurse (I und II) und die Sprachkurse im 5. Semester erhoben. Die Fortsetzungskurse aus den letzten Semstern (III und IV) sind noch gebührenfrei. Auf diese Weise will man niemanden zum Abbrechen des Kurses zwingen. Außerdem sollen damit Proteste vermieden werden: zukünftige Teilnehmer kennen keine gebührenfreie Sprachkurse und die Fortgeschrittenen sind von den Gebühren nicht betroffen und setzen sich ebenfalls nicht zur Wehr. (Aha? Und was ist das hier für ein Artikel??? d. S.)

Angebliche Finanznot

Die Begründung, die Uni hätte kein Geld, die häufig für das Einführen von Gebühren herangezogen wird, ist fragwürdig. Zwar gibt es viele Töpfe, die sehr knapp bemessen sind, aber es ist zweifelhaft, ob die Gelder auch insgesamt so knapp bemessen sind. Ein Beispiel für Investitionen in überflüssigen Luxus ist die Einführung eines neuen Uni-Logos.

Auswirkungen der Gebühren

Bisher brachte häufig erst die Zahl der freiwilligen TeilnehmerInnen die erforderliche Mindestanzahl für den Kurs zustande. Ihnen zu verdanken ist damit die Vielfalt des Studienangebotes hinsichtlich der Fremdsprachen, da sonst Kurse ausfallen und vielleicht langfristig gar nicht mehr angeboten würden. (Z.B. hat Arabisch III z.Z. elf Teilnehmende, davon nur drei, die den Sprachnachweis benötigen. Bei weniger als fünf Teilnehmenden muß der Kurs ausfallen und die Leistungsnachweise in einem späteren Semester erworben werden). Durch die Gebührenerhebung wird jedoch die Bereitschaft schwinden, einen Sprachkurs allein aus Interesse zu machen. Daher ist zu befürchten, daß kleinere Sprachkurse faktisch seltener oder gar nicht mehr angeboten werden, weil nicht mehr genügend Teilnehmende zusammenkommen.

Widerspruch oder Halbherzigkeit?

Die Reduzierung der Sprachvielfalt stünde in klarem Gegensatz zur oft gepredigten Internationalisierung der Universität. Auf der einen Seite werden Master- und Bachelor-Studiengänge eingeführt mit Verpflichtungen zum Auslandsaufenthalt, während die Teilnahme an Sprachkursen erschwert wird und damit die Möglichkeit, sich sprachlich auf einen Auslandsaufenthalt oder die Begegnung mit internationalen Studierenden vorzubereiten. Dieses ist nur ein Beispiel für die Halbherzigkeit, mit der die neuen Bildungskonzepte entwickelt und umgesetzt werden.

Sprache als Brücke zwischen Menschen und Kulturen

Ein Studium von Sprachen ist nicht nur akademisch interessant hinsichtlich der Sprachstruktur und des Denkens in dieser Sprache, sondern gibt vor allem Einblicke in für uns fremde Kulturen. Das ist sehr wichtig in unserer Gesellschaft, in der Menschen aus vielen Ländern zusammenleben, sowie in einer Wissenschaft, die ohne internationale Zusammenarbeit nicht funktioniert.

لمذا تدرس أللغة ألعربية؟

Sehr deutlich läßt sich die Brückenfunktion von Sprache am Arabischen aufzeigen. Seit dem 11. September 2001 fühlt sich ein Teil der westlichen Gesellschaft durch die "islamische Welt" bedroht. Umgekehrt gibt es auch ein Bedrohungsgefühl gegenüber der "westlichen Welt". Diese Gefühle gilt es abzubauen, wenn die aktuellen Probleme friedlich bewältigt werden sollen. Hier kann das Erlernen der arabischen Sprache eine sehr wichtige Funktion einnehmen. Man lernt nicht nur die Sprachstrukturen und die Sprache selbst kennen, sondern auch etwas vom arabischen Denken, denn Sprache ist Ausdruck des Denkens und Fühlens von Menschen. Zudem kommt man beim Erlernen einer Sprache nicht umhin, auch etwas über die kulturelle Einbettung der Sprache vermittelt zu bekommen, d.h. im Falle des Arabischen lernt man z.B. einiges über den Islam, seine unterschiedlichen Strömungen und seine gesellschaftliche Umsetzung, aber auch über arabische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Nicht ohne Grund stand daher die arabische Welt im Mittelpunkt der diesjährigen Buchmesse.

Sprache gibt Zugang zu Quellen

Die aktuellen politischen Auseinandersetzungen im Irak oder Israel von beiden Seiten betrachten kann, wer Arabisch (und im Fall Israel auch Hebräisch) z.B. an der Uni gelernt hat. So kann er oder sie die hier verfügbaren arabischen Zeitungen, Fernseh- und Radioprogramme verfolgen und erhält damit Einblicke, die NutzerInnen der hiesigen Medien aufgrund von Sprachproblemen und Aufbereitung durch westliche Journalisten verschlossen bleiben.

ألعربية ـ في ألمدرسة ايضا؟

Eigentlich wäre es daher sogar wünschenswert, würde Arabisch in Schulen angeboten - es ist ähnlich "mathematisch", "logisch" und "alt" wie das Lateinische, gibt den SchülerInnen aber zudem noch den besonderen Reiz, eine andere Schrift zu erlernen, die man obendrein noch von rechts nach links schreibt. Arabisch enthält zwar nicht die Wurzeln unserer eigenen Sprache, dafür ist sie lebendig und gewinnt immer mehr an außenpolitischer und gesellschaftlicher Bedeutung. Arabisch steht mit 200 Millionen Muttersprachlern auf Platz vier auf der Weltrangliste nach Chinesisch (885 Mio. Mspr.), Spanisch (385 Mio. Mspr.), Englisch (322 Mio Mspr.) und wird gefolgt von Bengali (189 Mio Mspr.) und Hindi (182 Mio Mspr.). Zusätzlich findet Arabisch als Sprache des Korans Verbreitung in nicht-arabische Länder und wird dort von vielen Muslimen gesprochen.

Andere Sprachen, anderere Vorteile

Kulturelle Brücken ähnlicher oder anderer Art werden bei anderen Sprachen geschlagen. Auf dem wirtschaftlichen Sektor kommt dem Chinesischen eine wachsende Bedeutung zu, da China als Markt der Zukunft gilt. Daher findet man in den Chinesisch-Kursen auch Studierende, die Wirtschaftswissenschaften studieren und sich beruflich in Richtung Fern-Ost orientieren möchten. Doch Chinesisch ist aufgrund der Schriftzeichen sehr mühsam zu erlernen, weswegen es durchaus Sinn macht, dieses studiumsbegleitend auf freiwilliger Basis anzubieten. Ähnliches gilt für Japanisch.

Russisch ist z.B. nützlich, weil viele Menschen aus der ehem. UdSSR hier leben. Jugendarbeit wäre neben anderen nur eine berufliche Einsatzmöglichkeit von Russisch...

Sprachenlernen muß gefördert werden

Die Möglichkeit, Sprachen zu erlernen, ist also für das Individuum und die Gesellschaft sehr wertvoll. Eine Universität, die die Internationalität herausstellt, ist dafür ein idealer Ort. Daher müssen die Sprachkurse weiterhin kostenfrei bleiben und das Angebot weiter ausgebaut werden.

muh

 

 
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