Oldenburger STACHEL Ausgabe 2/96     Seite 4
 
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Jesus left Chicago...

and went down to Oldenburg

Ein Kalter Bericht der Bluesnacht

Es ist einer dieser kalten Freitagabende, an denen mensch sich dreimal überlegt, noch rauszugehen. Einen Hund würde mensch bei diesen Wetter auch nicht heraus schicken.

Daher erwartet mensch in der Wallstraße kaum einen Menschen, außer einigen durch die Kälte eilenden, hartgesottenen Nachtschwärmern und Kinogängern.

Doch was ist das? Die Kneipen der Wallstraße sind gerammelt voll, es sieht fast nach einen sommerlichen Umsatz aus. Und nicht nur die Kneipen sind belebt, trotz der Kälte wandern die Gäste auch von einem Lokal zum nächsten. Das kann doch einem kalten Winterfreitag nicht normal sein, oder doch?

Aber das ist auch kein normaler Freitag! Sondern der 9. Februar. Es findet die 5. Internationale Bluesnacht statt. In elf Kneipen der Innenstadt und in der Kulturetage finden verschiedene Blueskonzerte statt. Für 15 DM erhielt mensch eine Karte, die den Zutritt zu jedem dieser Veranstaltungen erlaubte.

Die Qual der Wahl

Auch wir wanderten mit den vielen anderen Besuchern von Kneipe zu Kneipe, von Konzert zu Konzert und hörten uns an, was so läuft. So bekamen wir einen Überblick, was alles zu der Musikrichtung "Blues" gehört. Das war aber eine große Bandbreite. Da hörten wir rockigen Blues, wurden an Rock'n'Roll erinnert, hören Soul, und etwas, das an Soul erinnern sollte, etwas in Richtung Country. Wir genossen gute Gitarrensoli, tolle Stimmen, schöne Saxophone und sehr gute Rhythmen. Blues aus den Niederlanden, England, den USA und Deutschland.

Sträflinge machen Blues

Am Ende unseres Überblicks blieben wir vorerst in der Brasserie hängen. Dort spielte eine gute Mischung aus Gitarrensound, Saxophon und Tasteninstrumenten mit dem rhythmusgebenden Schlagzeug und einer männlichen Bluesstimme. "The Dalton Brothers Blues Gang" schafften in kürzester Zeit eine gute Stimmung in die "Brasserie", mit eigenen Sachen, aber auch einigen Coverversionen von beispielsweise Gary Moore und Commitments. Sie spielten gut zusammen. Mensch erkannte, daß sie gern und lange zusammenspielten. Und sie hatten Spaß an ihrer Musik! Doch leider fehlte den sieben Deutschen die Seele der Schwarzen, und das merkt mensch doch. Allerdings fehlte das der Formation im "Take it Easy" trotz der guten Sängerin mit der guten Stimme noch mehr. Die gute Frau konnte die Bluessongs nachsingen, doch nicht deren Stimmung ganz mit rüberbringen.

I'm the wanderer...

Im Malör hörten wir guten Blues der schnellen Art aus den Niederlanden. War sehr schön.

Vergeblich suchten wir an diesem Abend einen Schwarzen, der alleine am Klavier sitzend Blues sang. Der

einzige Einzelauftritt war "Clemens' Rhythym'n'Folk Show". Ein Mann mit seiner Gitarre legte eine Show hin, die manche Band nicht zu acht hervorbrachte.""einzige Einzelauftritt war "Clemens' Rhythym'n'Folk Show". Ein Mann mit seiner Gitarre legte eine Show hin, die manche Band nicht zu acht hervorbrachte.Folk Show". Ein Mann mit seiner Gitarre legte eine Show hin, die manche Band nicht zu acht hervorbrachte.""einzige Einzelauftritt war "Clemens' Rhythym'n'Folk Show". Ein Mann mit seiner Gitarre legte eine Show hin, die manche Band nicht zu acht hervorbrachte.Folk Show". Ein Mann mit seiner Gitarre legte eine Show hin, die manche Band nicht zu acht hervorbrachte.

Oldenburgs Straßen belebten sich bei jeder Pause wieder mit wandernden, nach Neuem strebenden Menschen.

Zu guter Letzt landeten wir in der Kulturetage, wo uns drei Angebote offen standen. So hörten wir erst bei der "Blues Company" rein. Hier erfuhren wir, daß wir Blues nicht immer mit Traurigem verbinden dürften, sondern daß mit dem Spielen des Blues die Melancholie überwunden werde. So konnte man auch beim nächsten Lied weder traurig sein noch ruhig auf der Stelle stehen.

Jimi lebt?

Doch dieses Konzert verließen wir bald, da uns die versprochenen Improvisationen von Rainer Baumann interessierten. Das war dann für mich der Höhepunkt des Abends. Bei der "Rainer Baumann Band" trafen wir eine Musikerbesetzung an, mit der auch jeder anderer Rock verbunden werden konnte. Auch sahen Schlagzeuger und Bassist nicht wie typische Musiker aus. Sie hätte ich auch gut - rein nach dem Aussehen zu urteilen - in die Grunge- oder Punkecke stecken können. Mensch soll doch nicht nach dem Äußeren urteilen!

Dann begann Rainer Baumann auf seiner Gitarre zu improvisieren. Das Schlagzeug und der Baß stiegen ein und zu guter Letzt noch die Stimme. Es gab nun keinen Zweifel mehr, sie können aussehen, wie sie wollen, aber sie sind Bluesmusiker. Wir brauchten nicht lange, um festzustellen, daß hier nicht die Stimme im Vordergrund stand, sondern auf jeden Fall die Gitarre mit ihren genialen Soli. Er zauberte Töne aus dieser, das war nicht zu glauben, ob mit Bottleneck oder ohne.

Rainer Baumann begleitete nicht umsonst in den letzten 25 Jahren Berühmtheiten wie Roger Chapman, Alexis Korner und Frumpy. Außerdem hat er sich eine gute Band aus jüngeren Menschen zusammengestellt, die wohl auch in anderen Ecken spielen, aber Blues spielen können - nein, ihn nicht nur spielen, sondern ihn auch spüren. Sie gingen ohne Probleme auf Rainer Baumanns nicht seltenen Improvisationen ein. Doch ließen sie sich auch nicht von der Gitarre zu sehr in den Hintergrund drängen. Es war eine schöne Mischung, und ich habe lange keine solchen Gitarrensoli gehört.

Trotz Petrus ein Lob

Insgesamt war die 5. Internationale Bluesnacht in Oldenburg ein voller Erfolg. Sie zog trotz der extremen Witterungsbedingungen viele Menschen auf die Straßen und die Lokalitäten. Sie konnte jedem etwas bieten.

Etwas rockiges, etwas mehr in Richtung Country oder die gute Gitarre von Rainer Baumann.

wischi


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