Oldenburger STACHEL Ausgabe 2/96     Seite 5
 
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SadomasochistInnen in Oldenburg

SMart Bremen / Oldenburg

SadistInnen und MasochistInnen. Fast JedeR kennt sie, nicht aus Fernsehtalkshows, sondern ganz persönlich. Nur wissen die meisten es nicht. Denn nur die wenigsten Menschen mit SM Neigungen trauen sich, diese vor anderen zuzugeben. Viele geben es nicht einmal vor sich selber zu.

Jetzt gibt es in Bremen/ Oldenburg einen Verein, der das ändern will.

Vorurteile gegen SM

Sadomasochismus gilt allgemein als Perversion. Häufig wird SM auch mit Gewalt gleich gesetzt.

Nun ist die landläufige Vorstellung, daß SM Sex mit Fesseln und Peitschen, mit dem Spiel von Herrschaft und Unterwerfung ist, zwar richtig, aber vor allem ist es etwas, was denen, die es machen, Lust und Spaß bereitet. Denn wenn es das nicht tut, dann ist es kein SM. Wenn zwei Menschen etwas zusammen machen, was beide als lustvoll empfinden und das niemandem schadet, dann ist das in Ordnung. Falsch oder pervers ist höchstens die Moralvorstellung, die es ihnen verbieten will, weil es nicht "normal" ist.

SM ist auch keine Gewalt im eigentlichen Sinne. Gewalt ist die Ausübung von physischem oder psychischem Zwang auf eine Person gegen ihren Willen. Um Gewalt auf einen Menschen auszuüben, muß mensch diesen nicht schlagen. Ja noch nicht einmal berühren. Andersherum sind Schläge keine Gewalt, wenn sie nicht als solche empfunden werden. So paradox es klingt: Schläge können Lust bringen obwohl oder gerade weil sie mit Schmerzen verbunden sind. Im richtigen Kontext (der sexuellen Stimulation) erlebt ist der Schmerz keine negative sondern eben eine äußerst lustvolle Erfahrung. Um dem Irrtum vorzubeugen: Außerhalb des durch SM gegebenen besonderen Bezugsrahmens und ohne die sehr genaue Dosierung empfinden auch MasochistInnen Schmerzen nicht als lustvoll. Dann tun sie schlicht und ergreifend weh! Es ist auch nicht so, daß der/die PartnerIn der/die sich unterwirft wirklich ausgeliefert ist. Denn er/sie hat (fast) immer ein Sicherheitswort. Sobald dieses Wort ausgesprochen wird, wird das Spiel sofort abgebrochen. Nur in seltenen Fällen verzichten beide auf ein Codewort, weil sie sich z.B. sehr gut und lange kennen. Auch wird bei (fast) allen Paaren SM und Alltag getrennt. Außerhalb der abgegrenzten SM-Welt sind sie gleichberechtigte Menschen.

Von vielen wird SM mit Prostitution gleichgesetzt. Bei den bundesweiten SM Gruppen und Initiativen, wie z.B. SMart Bremen / Oldenburg, geht es jedoch ausschließlich um nichtkommerziellen SM.

SMart

Wie in vielen anderen Städten haben sich auch in Bremen und Oldenburg SadomasochistInnen zusammengeschlossen und "SMart Bremen / Oldenburg" gegründet. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von unterschiedlichen Leuten, zwischen achtzehn und..., mit devoten, dominanten oder ambivalenten Neigungen und Phantasien.

Unter anderem wird ein offener regelmäßiger SM-Stammtisch angeboten. Dabei kommen alle Fragen um und über SM, Probleme, die sich aus der besonderen Situation von SM-lerInnen ergeben, Erlebnisse und Erfahrungen mit SM in Praxis und Öffentlichkeit und das eigene Selbstverständnis zur Sprache. Ein selbstbewußterer und selbstverständlicherer Umgang mit SM, mehr Wissen und besseres Selbstverständnis über die eigene Person und SM, und eine genaue Kenntnis der Risiken sind das Ziel. Regelmäßig geht es um das Thema Sicherheit beim Spiel. Wie fessele ich sie/ihn so, daß die Fesseln nicht einschneiden? Wozu sind Panikhaken da? Wie handhabe ich die Peitsche richtig? Wohin darf ich schlagen wohin nicht. Und: Gibt es einen Schlüsseldienst für den Notfall? In unregelmäßigen Abständen sind bestimmte Themen, an denen jeweils Interesse besteht, das Motto des Stammtisches. Darüber hinaus werden auch praktische Fragen, "SM-Kultur", entsprechende Festivitäten und Kontakte zu anderen Gruppen besprochen. Auch die bundesweite SM-Szenezeitschrift "Schlagzeilen" ist am Stammtisch erhältlich.

Der Stammtisch findet jeweils am vierten Freitag im Monat um 20.00 Uhr statt. Der Ort kann bei SMart erfragt werden.

Frauengruppe

Da SMart eine gemischtgeschlechtliche Gruppe ist, und es viele Frauen gibt, die Bedenken haben, zu einer gemischten Gruppe zu kommen, hat sich ein eigener SM-Frauentreff gebildet. Zudem haben auch lesbische Frauen ein Interesse an SM, wollen dieses auch ausleben, aber natürlich nur mit Frauen. Die Treffen sind offen für alle Frauen, ob Lesbe, Bi oder Hetera. Wichtig ist das Thema SM. Gemeinsame Diskussion von Fragen wie: Worauf muß frau besonders achten? Wie sichert frau sich bei einem Erstkontakt ab? Oder: Wie kann frau ihre Phantasien mit dem/der PartnerIn leben? Darüber hinaus wird (wie am Stammtisch) natürlich auch über SM, Sex, Intimschmuck, Tätowierung, Lack, Leder, Latex, Korsagen, die richtigen Handschellen oder die Tauglichkeit von Gerten und Karabinerhaken... geredet und gefachsimpelt.

Die Frauentreffen finden jeden vierten Mittwoch im Monat um 20.00 Uhr statt. Den Ort kann frau (und nur sie) bei SMart erfragen.

Was SMart nicht ist!

SMart kann oder will keine Kontaktbörse, psychotherapeutische Gruppensitzung oder sexuelle Aktivitäten bieten. Das heißt nicht, daß sich nicht auch freundschaftliche Beziehungen, gemeinsame Aktivitäten oder ähnliches aus und über die Treffen hinaus entwickeln können. SMart ist sich bewußt, daß SM-Sexualität in ihren vielen Variationen besonderer Vorsicht und ausgeprägter Verantwortung bedarf. Es wird respektiert, daß Anonymität für einige eine notwendige Voraussetzung ist. Denn vom Ende der gesellschaftliche Stigmatisierung von SM sind wir leider noch weit entfernt.

Kontakt

Wer/welche sich mit SMart in Verbindung setzen will, um die genauen Treffpunkte und Termine zu erfahren oder Informationen zu erhalten schreibt an:

SMart Bremen/Oldenburg, Postfach 1925, D-26009 Oldenburg

Briefe an die Frauengruppe an das SMart-Postfach aber mit SMart-Frauen als Anschrift.

Als AbsenderInnenadressse die eigene Adresse im Brief angeben. An Postlageradressen wird nicht geantwortet. Die Antworten erfolgen in neutralen Umschlägen. Beigelegtes Rückporto wäre nett.

SMart Bremen/Oldenburg


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Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.

 

 
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