Oldenburger STACHEL Ausgabe 10/97     Seite 15
 
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Sind alle Schwarzafrikaner Drogenhändler?

Als Antwort auf Ihren Artikel "Drogenhändler werden zum Dauerproblem. Schwarzafrikaner ändern Taktik nach verstärkter Polizeipräsens " (von R. Dehmer in NWZ vom 21.8.97) sende ich Ihnen diesen Brief, um Ihre und andere Darstellungen zu hinterfragen und richtig zu stellen.

Seit einiger Zeit haben wir (Schwarzafrikaner ) hier in Deutschland und vor allem in Oldenburg äußerst unangenehme Begegnungen mit der Polizei und der Bevölkerung. Meiner Ansicht nach hat die Art der Darstellung von Schwarzafrikanern in den Medien einen sehr wesentlichen Teil dazu beigetragen.

Warum können schwarzafrikanische Drogenhändler, Diebe und Verbrecher, die dem deutschen (Ausländer-)Gesetz unterstehen, nicht ebenso BEurteilt werden wie entsprechende deutsche Kriminelle? Wieso können deutsche Polizisten und Journalisten deutsche Kriminelle und Drogenhändler von der allgemeinen deutschen Bevölkerung abgegrenzt darstellen, schaffen dies aber nicht, wenn es um die Schwarzafrikaner geht? Dies ist die Frage, die ich Ihnen stellen möchte!

Ich bin wirklich entrüstet über die Art, uns Schwarze zu sehen und darzustellen, quasi als Sündenböcke der deutschen Gesellschaft. Ich habe schon ein beklemmendes Gefühl, wenn ich in die Stadt gehe und mich in öffentlichen Räumen befinde. Ich frage mich, was die Leute um mich herum denken, wenn sie einen solchen Artikel gelesen haben, der Schwarzafrikaner pauschal als Drogenhändler abstempelt. Ich persönlich mußte in der letzten Zeit Polizeikontrollen wirklich diskriminierender Art ertragen, ganz zu schweigen von den vielen Nachfragen echter oder falscher Drogenabhängiger, ob ich ihnen "Stoff" verkaufen kann.

Nach der Lektüre dieses Artikels können LeserInnen jeden Schwarzen, der im Besitz eines Handys ist, als Drogenhändler verdächtigen. Schlimmer noch: unsere deutschen Frauen, die keine Vorbehalte gegen schwarze Männer haben, werden in diesem Artikel pauschal der kriminellen Mittäterschaft beschuldigt. Demnach machen diesen Frauen sich schon verdächtig, wenn sie den Familienwagen auf ihren Namen anmelden lassen, weil allein dieser Fakt sie zu Komplizinnen ihrer dealenden Ehemänner machte.

Diese ständigen Diskriminierungen, die einer rassistischen Ideologie folgen, zielen einfach darauf ab, uns aus dem Land zu treiben.

Die schwarze Bevölkerungsgruppe, um die es sich hier handelt, ist an Bahnhöfen und anderen öffentlichen Orten dauernden Kontrollen durch die Polizei und ständigen Frustrationen über diese Diskriminierung ausgesetzt. Diese Form des Rassismus führt bei mir dazu, daß ich es mir erspart habe, zum diesjährigen Stadtfest zu gehen, weil ich nicht wieder als einziger in der Menschenmenge herausgegriffen und kontrolliert werden wollte; dabei möchte ich als Schwarzafrikaner einfach nur genauso geachtet werden wie die Menschen um mich herum.

Zum Zeitpunkt, an dem ich Ihnen dies schreibe, beschränken sich die meisten Schwarzafrikaner darauf, zur Arbeit, zum Einkaufen und nach Hause zu gehen. Sie gehen nicht zu Straßenfesten selten spazieren, weil sie sich den Frust ersparen wollen, wieder einmal von der Polizei kontrolliert zu werden. Warum werden nicht alle Menschen gleich oft kontrolliert? So können sich auch alle Menschen gleich frei bewegen! Alle Menschen sind gleich - auch bei Polizeikontrollen!

Warum gibt es keine freundlichen Beziehungen zwischen Polizisten und Schwarzafrikanern, ja warum finden "Unterhaltungen" zwischen Polizisten und Schwarzafrikanern überhaupt nur bei Ausweis- und Drogenkontrollen statt?

Aye Achouet

(Der vollständige Offene Brief ist im Oktober-Alhambra-Programm abgedruckt; die entsprechenden NWZ-Artikel sind dort auch zu finden)


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel. Differenzen zur gedruckten Fassung sind nicht auszuschließen.
Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.


 

 
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