Oldenburger STACHEL Ausgabe 10/97     Seite 5
 
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Wanted: Klappfahrräder für das RUZ Oldenburg

Regionales Umweltbildungszentrum startet mit vielen Ideen und sparsamer Ausstattung

Mit der Einrichtung des Regionalen Umweltbildungszentrums, kurz RUZ, geht "ein langgehegter Wunsch der Stadt Oldenburg" in Erfüllung, wie es Gerd Iwanuk, Leiter des städtischen Amtes für Umweltschutz, formulierte. Aber wie das mit heimlichen Wünschen so ist: Es braucht immer jemanden, der die Sache tatkräftig in die Hand nimmt. So gleicht die Verwirklichung des Regionalen Umweltbildungszentrums einem Schnellschuß aus der Hüfte, denn plötzlich mußte alles ganz schnell gehen: Das RUZ Oldenburg ist nämlich definitiv die letzte von landesweit 24 Einrichtungen dieser Art, die in Niedersachsen genehmigt wurde. Und den letzten beißen bekanntlich die Hunde: "Die anderen Umweltbildungszentren haben vom Land noch 60000 Mark Starthilfe erhalten," so Iwanuk, "wir werden mit wesentlich weniger auskommen müssen."

Daß es das Umweltbildungszentrum in Oldenburg überhaupt gibt, ist der Initiative einiger einflußreicher Fürsprecher zu verdanken. Der Erfolg hatte hier, wie so oft, mehrere Väter. Jürgen Drieling, der umtriebige Dezernent für Umweltbildung und -beratung für Schulen bei der Bezirksregierung und Gründervater der RUZ-Idee, ist einer davon; ebenso auch der Landtagsabgeordnete Wolfgang Wulf (SPD).

"In der Stadt Oldenburg ist vielfältige Kompetenz im Bereich der Umweltbildung mit unterschiedlichen Zielgruppen vorhanden, die in einem städtischen Umweltbildungszentrum gebündelt werden könnte: Umwelthaus, Universität Oldenburg, Umweltamt (u.a. Betreuung des Energiesparens an Schulen), Naturkundemuseum, NaWi-Haus u.a.," heißt es in der Begründung zum Antrag der Ratsfraktion DIE GRÜNEN für den Umweltausschuß vom Mai diesen Jahres. Dies war das Startsignal für die Stadt Oldenburg, mit einem Antrag beim niedersächsischen Kultus-ministerium das RUZ anzuschieben – und die Bewilligung folgte dann beinahe postwendend, zumindest in Rekordzeit.

Auf los geht´s los

Vier Mitarbeiter haben im neu eingerichteten Umweltbildungszentrum ihre Arbeit aufgenommen. Ein ehemaliger Klassenraum eines alten Schulgebäudes, im Stadtteil Osternburg gelegen, dient ihnen als Arbeitsraum, wo sie sich einmal wöchentlich tref-fen, um gemeinsam Ideen auszubrüten. Bis Februar 1998 sollen die drei Lehrer, die mit je fünf Wochenstunden für die Umweltarbeit abgestellt wurden, und der geschäftsführende Mitarbeiter des Umweltamtes, Burkhard Wolters, ein erstes Programm vorlegen, um den etwas sperrigen Begriff "Regionales Umweltbildungszentrum" mit Leben zu füllen.

Dabei scheint es eine der glücklicheren Fügungen des Schicksals zu sein, daß die Stadt ausgerechnet hier im Schulzentrum Osternburg noch räumliche Reserven auftat, die der neuen Bildungseinrichtung als Domizil dienen konnten. Heiko Vollquardsen von der Leitung des Schulzentrums ist einer der Lehrer, die für die zukünftige pädagogische Arbeit des RUZ verantwortlich sein werden. Gleichzeitig ist er aber als ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter der Stadt Oldenburg und beratendes Mitglied des Umweltausschusses seit langem in alles eingeweiht, was im Umweltbereich in Oldenburg so läuft.

Er weist besonders auf die idealen Standortqualitäten des neuen Bildungszentrums hin: Hunte und Küstenkanal, der geschützte Landschaftsraum der Buschhagenniederung, Schleuse und Wasserkraftwerk, selbst der neuangelegte Waldlehrpfad im Stadtwald sind dank der zentralen Lage des RUZ schnell zu erreichen.

Sein Kollege Jürgen Köstler hat schon einen Plan entwickelt, wie die noch vorhandenen Entfernungen vom RUZ zu den "außerschulischen Lernorten" innerhalb des Stadtgebietes und darüber hinaus auf umweltfreundliche Weise überbrückt werden können. Er setzt dabei auf den "Umweltverbund". Den Schülern sollen zusammenklappbare Fahrräder angeboten werden, die auch im Bus mitgenom-men werden können oder, wenn erforderlich, auf einem Anhänger verstaut werden können. Für dies Projekt hofft er darauf, daß möglichst viele Oldenburger und Oldenburgerinnen, die ein ausrangiertes Klapprad irgendwo stehen haben, sich bei ihm melden.

14 Klappräder hat er schon gesammelt. Gemeinsam mit den Schülern sollen diese instandgesetzt werden und einen einheitlichen Anstrich erhalten. "In Grün", so Köstler, "wie sich das für eine Umwelteinrichtung gehört." Anbieter von Klapprädern können sich beim Schulzentrum Osternburg unter der Nummer 926 86 27 melden (von 8 bis 13 Uhr) – das Umweltzentrum hat noch kein eigenes Telefon.

Angliederung an Umweltamt nur provisorisch

Bei der Ausstattung des neuen Zentrums sind Fantasie und Improvisationstalent gefragt, denn bislang sind nur 10 000 Mark von der Niedersächsischen Umweltstiftung dafür vorgesehen. In der Stadtkasse herrscht bekanntlich gähnende Leere. Eine neue Einrichtung, und sei sie auch noch so heiß ersehnt, kommt da doch eher ungelegen.

Die Angliederung des RUZ an das städtische Umweltamt ist ein Provisorium. Die Ver-antwortung soll schon bald an einen Trägerverein über-geben werden, dessen Hauptaufgabe es sein wird, die Unabhängigkeit der Einrichtung sicherzustellen und – Sponsoren zu finden. Neben Bildungsinstitutionen wie der Universität, der Volkshoch-schule und dem Museum sollen vor allem wirtschafts-nahe Einrichtungen: die IHK, Handwerks- und Landwirtschaftskammer mit ins Boot geholt werden. Auch mit den Umweltverbänden und sozialen Einrichtungen wird eine Zusammenarbeit für möglich gehalten.

Ziel des Regionalen Umweltbildungszentrums aus städtischer Sicht ist es, "die kommunale Umweltpolitik durch handlungsorientierte Umweltbildung zu unterstützen". Als Zielgruppe werden deshalb nicht nur die Schulen gesehen, sondern im weitesten Sinne alle OldenburgerInnen. Eine "regionale Vernetzung", besser gesagt Arbeitsteilung mit den benachbarten Umweltbildungszentren in den Landkreisen Ammerland und Oldenburg, soll angestrebt werden. Inhaltlicher Schwerpunkt der Umweltbildungsarbeit in Oldenburg soll deshalb die "Stadtökologie" mit den Handlungsfeldern Verkehr, Energie, Siedlungswesen und Natur und Landschaft sein.

Ernst Stulken vom Technischen Gymnasium der BBS II möchte praxisorientierte Projekte verwirklichen wie den Bau von Elektroautos, eines Blockheizkraftwerkes oder von Sonnenkollektoren; Heiko Vollquardsen denkt an Pflegemaßnahmen in Natur- und Landschaftsschutzgebieten und Burkhard Wolters soll die Aufgabe der Koordination dieser unterschiedlichen Vorschläge übernehmen.

So scheint in der Aufbauphase jeder beschäftigt mit seinen unterschiedlichen Aufgaben und es bleibt zu hoffen, daß das Umweltbildungszentrum sich trotz der materiellen Mangelsituation zu einer festen Größe innerhalb der Stadt Oldenburg entwickeln wird.

tog


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