Oldenburger STACHEL Ausgabe 10/98     Seite 12
 
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Wenn der Ökostrom vom Atomkraftwerk kommt.

Das Watt kennt in Oldenburg jede/r, aber was, bitte schön, ist NaturWatt? Gibt es im Wattenmeer, ohnehin eine der letzten Naturlandschaften Deutschlands, jetzt ein Stück Watt, das noch natürlicher ist als andere? Leider falsch - NaturWatt ist der Name einer neugegründeten Tochtergesellschaft der EWE, die ab November umweltfreundlichen Strom aus erneuerbaren Energiequellen an Endverbraucher verkaufen will. Die EWE wiederum ist eine Tochtergesellschaft der PreussenElektra, von der sie ihren Strom bezieht, der beispielsweise in Oldenburg zu rund 70 Prozent aus dem durch Störfälle bekanntgewordenen Atomkraftwerk an der Unterweser stammt.

Die EWE möchte mit ihrem neuen Angebot den umweltbewußten Verbraucher ansprechen, der Atomstrom ablehnt und klimaschädlichen Kohlestrom vermeiden möchte. Wenn er seinen Strom zukünftig von NaturWatt bezieht, leistet er oder sie einen Beitrag zum Ausbau der umweltfreundlichen regenerativen Energien aus Wind, Sonne oder Biomasse. Damit sich das nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die EWE lohnt, wird der Ökostrom den Endverbraucher siebeneinhalb Pfennige pro Kilowattstunde mehr kosten als Atom- oder Kohlestrom. Im Jahr macht das einen Betrag von 100 bis 150 Mark für den Durchschnittsver braucher aus. Die zusätzlichen Einnahmen sollen nach Angaben des Unterhehmens in den Bau neuer Windkraft- und Solaranlagen investiert werden. Soweit die Planung.

Grünes Mäntelchen

De facto bezahlt der Kunde aber damit etwas, was die Stromversorger ohnehin schon machen - allerdings nicht ganz freiwillig. Das Stromeinspeisungsgesetz verpflichtet nämlich die Stromkonzerne, regenerativ erzeugten Strom, z.B. aus Windenergie, zu einem garantierten Mindestpreis abzunehmen. Daß die Stromkonzerne diese in ihren Augen ungerechte Subvention nurmehr zähneknirschend gezahlt haben, zeigt das jüngste Beispiel einer gerichtlichen Auseinandersetzung um die Mehrkosten für die Windstromeinspeisung: Die PreussenElektra klagt vor dem Landgericht Oldenburg gegen ihre Tochtergesellschaft EWE auf Rückzahlung ihres gesetzlich festgelegten Anteils an diesen Mehrkosten. Die EWE hatte in Übereinstimmung mit dem Gesetz die Hälfte der errechneten Mehraufwendungen auf die PreussenElektra abgewälzt, die den Betrag auch brav überwiesen hatte (allerdings unter Vorbehalt), um anschließend Klage einzureichen. Nach Auffassung der Stromkonzerne verstößt das Stromeinspeisungsg esetz gegen die Verfassung und europäisches Wettbewerbsrecht.

Der Kunde ist der Dumme

Vor diesem Hintergrund scheint es konsequent, wenn der Stromversorger EWE die ihnen vom Staat aufgebürdeten Mehrkosten für den Ökostrom jetzt auf die Stromkunden umlegen will, denn ob der Staat den Ökostrom aus Steuergroschen subventioniert oder der Kunde freiwillig mehr zahlt, kommt für sie auf das gleiche heraus: Weniger Mehrausgaben!

Für den Kunden, der einen Vertrag mit NaturWatt abschließt, ist trotz gegenteiligen Bekundungen der EWE nicht einwandfrei zu ersehen, ob er nicht in guter Absicht doch nur den Atomkonzern subventioniert. Denn der Strom, den die EWE in ihren Windparks und Deponiegas-Kraftwerken erzeugt, landet im gleichen Netz wie der Atomstrom, den sie von PreussenElektra bezieht. Der Kunde merkt den Unterschied nur am Portemonnaie - aus der Steckdose fließt dergleiche Strom und das Geld landet nach wie vor beim gleichen Konzern. Es bleibt abzuwarten, wie der Markt auf das neue NaturWatt-Angebot reagieren wird. Vielleicht bleibt es ja auch nur ein netter Versuch.

tog


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