Oldenburger STACHEL Ausgabe 7/99     Seite 1
 
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Parkplätze - die Lebensfrage Oldenburgs?

In der Huntestadt wurde die Kampagne zur Stärkung der Bremer Kaufhäuser argwöhnisch verfolgt. Doch bei allem Oldenburger Schielen auf die Bremer Werbung für's Einkaufen mit dem PKW darf nicht vergessen werden, daß die Stadt an der Weser unvergleichlich besser mit dem öffentlichen Nahverkehr erreicht werden kann als Oldenburg. Prozentual weitaus weniger BesucherInnen kommen mit dem PKW, viele nutzen das gute Straßenbahn- und Busnetz. Trotzdem: Was in Bremen an Autopolitik vorgemacht wurde, soll in Oldenburg wiederholt werden. Die Stimmung in der Öffentlichkeit scheint günstig, eine grundsätzliche Wende durchzusetzen. Das City- Management CMO hat eine Interessengruppe mit rund zwanzig Organisationen und Verbänden zusammengetrommelt, die Druck machen soll. Die NWZ ist voll eingestiegen und unterstützt diese "Wir-Gruppe" mit viel Platz und aggressiven Kommentaren. Tenor: Oldenburg veröde geschäftlich und sozial, wenn nicht weitere Parkplätze geschaffen werden. Es sei im Interesse der ganzen Bevölkerung, nicht, die Umwelt zu schonen, ruhiges Wohnen und Einkaufen in guter Luft zu ermöglichen und Innenstadt-Verkehrsinfarkte zu vermeiden, nein. "Es ist ein Skandal, wenn von den wenigen Parkplätzen im Weichbild des Pius-Hospitals etliche für das Renommierprojekt einer Fahrradstraße geopfert werden. Patienten und Besucher von Krankenhäusern sind eher älteren Jahrgangs. Die sollen dann wahrscheinlich per P+R anreisen, wie die Theaterbesucher - oder? Was dieser städtischen Dorf-Idylle fehlt, sind die Kühe in den Straßen - an hohen Festtagen mit rot-grünen Bändern geschmückt. ... Wenn die Aktion Problembewußtsein schaffen will ..., dann ist der Adressat in erster Linie die SPD. Ob die Sozialdemokraten sich von den Grünen werden lösen können, ist dabei die wichtigste Frage. Für das Oberzentrum Oldenburg beinahe lebenswichtig." So kommentierte Michael Exner am 30.6. in der NWZ. Offensichtlich geht es nicht nur um Parkplätze. Das Ziel ist eine andere Mehrheit im Rat, eine andere Stadtpolitik. Die CDU soll die öffentliche Meinungsführerschaft übernehmen und die SPD auf der Linie des Automannes Schröder einbinden. Das Mittel zur Erreichung dieses Ziels soll der Appell an das gemeinsame Interesse vieler Gruppen und Personen an der Nutzung des PKW sein. Hiermit will die "Wir-Gruppe" offensichtlich ein Wir- Gefühl gegen unmweltfreundliche Politik der rotgrünen Mehrheit erzeugen. Welche Rolle dabei das ganz persönliche Interesse einzelner Innenstadthändler an freier Fahrt gerade zu ihrem Laden spielt, darüber darf spekuliert werden.

Mehr Druck für Parkhäuser

Die aktuelle Parkhaus-Propanganda von CMO, "Wir- Gruppe" und NWZ ist kein Sommerlochtheater, sondern ein durchaus ernstzunehmender Vorstoß. Noch einmal ein NWZ-Zitat: "Der ehemalige stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer König hat die Moderatorenrolle übernommen in einer Aktion, die es nach seiner Einschätzung "in dieser Form noch nicht gegeben hat". Das Verkehrsforum, dessen Kern sich "Wir-Gruppe" nennt, wolle zeigen, daß ein großer Querschnitt der Bevölkerung hinter der Forderung stehe, die Parkmöglichkeiten zu erweitern." (30.6.) Entsprechend werden die Pius-Verwaltungsdirektorin und der Ärztekammer- Geschäftsführer zitiert, es wird eine Umfrage bei 50 Innenstadtärzten präsentiert und auf Klagen von Anwälten, Maklern und Steuerberatern hingewiesen. Der neueste Clou ist eine Erklärung des VWG-Aufsichtsratsvorsi tzenden, in der auch er sich für ein neues Parkhaus und mehr Parkplätze ausspricht. Zu welchem Umbau der Innenstadt die Auto-Initiative schließlich hinführen soll, beschrieb der IHK-Sprecher so: "Als konkrete Projekte in Sachen Parkraum nannte er den Rückbau des Waffenplatzes für Kurzzeitparkplätze sowie den Bau des sog. "Theaterparkhauses". Beides werde an der Finanzierung nicht scheitern, versichterte König. Darüber hinaus blicke man auf den Pferdemarkt und das (bald zu schließende) Hallenbad." (NWZ 30.6.)

Alternative: attraktiver ÖPNV

Die Verhinderung einer Tiefgarage auf dem Pferdemarkt war in den achtziger Jahren einer der Wahlziele, mit denen die Grünen in den Rat einzogen. Seitdem ist in Sachen Fahrradfreundlichkeit, Fußgängerzone, Verkehrsberuhigung einiges geschehen, doch das zentrale Verkehrsproblem Oldenburgs ist nicht gelöst: die Erreichbarkeit der Innenstadt durch den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Weiterhin quälen sich die Busse durch die Staus auf dem Ring, weiterhin zahlen NutzerInnen des ÖPNV viel Geld für schlechte Verbindungen, die in zu großen Zeitabständen zu langsam befahren werden. 60 Prozent beträgt in Oldenburg der Autoanteil an den Verkehren - ein bundesweiter Spitzenwert! Gelingt es nicht, die Attraktivität des ÖPNV zu steigern und AutofahrerInnen durch gute Angebote zum Umsteigen zu bewegen, so bleibt der Unmut der Parkplatzsucher weiter bestehen und die Autolobby hat ihre "Argumente" weiterhin zu Hauf, für ein Wir-Gefühl gegen Rot-Grün zu werben.

Natürlich würde nichts besser werden, wenn Handel und CMO den Bau weiterer Parkhäuser durchsetzen könnten. Bei Regentagen ist heute schon zu besichtigen, was passiert, wenn noch mehr Autos in die Innenstadt streben: Nichts geht mehr! Die Attraktivität der Innenstadt insgesamt erhöht sich so nicht, möglicherweise jedoch die Besucherzahl einzelner Geschäfte, die bis ins Kellergeschoß angefahren werden können. Im Gegenteil ist gerade die Fußgängerfreundlich keit Oldenburgs Plus, mit dem die Stadt wuchern sollte. Eine Ausweitung der Fußgängerzone, eine Verkehrsberuhigung auf dem Ring und eine bessere Busanbindung brächten nicht nur den BesucherInnen, sondern auch dem Handel weitere Vorteile.

achim


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