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Träumerei

Neulich hatte ich einen Traum:

Bei meiner morgentlichen Zeitungslektüre am Frühstückstisch stolperte ich über eine Schlagzeile. Dort stand: "Letztes Gewerbegebiet in Oldenburg wird erschlossen." Dann sah ich das Datum. Es war der 20. Oktober 2010. Wie ein Film lief die Entwicklung der letzten 15 Jahre blitzartig vor meinem geistigen Auge ab. Schon 1995 hatte sich die Stadt Oldenburg eines besonderen Vorzuges erfreut, nämlich, daß jeder Punkt des Stadtgebietes über das gut ausgebaute Netz der Stadtautobahnen von jedem anderen Punkt des Stadtgebietes aus innerhalb kürzester Zeit erreichbar war (Dieser Vorzug wurde den Oldenburgern besonders an den schönen Sommerwochenenden, die sie im eigenen Garten zubrachten, durch das beruhigende Rauschen des fließenden Verkehrs auf den Autobahnen ständig in Erinnerung gerufen). Einen weiteren Vorzug, nämlich, daß von fast jeder Stelle des äußeren Stadtgebietes der Blick durch architektonisch ansprechend und abwechslungsreich gestaltete Kordons von Gewerbebauten gefesselt wurde, verdankte sie einer beispiellosen Invasion von Gewerbe- und Industriebetrieben in den letzten 15 Jahren.

Durch die vorausschauenden und optimistischen Zielvorgaben des neuen Flächennutzungs-planes hatte die Stadtverwaltung 1995 diese erfreuliche neue Entwicklung eingeleitet, die nun mit der Realisierung der letzten 10 von ehemals 300 Hektar geplanter Gewerbefläche ihren krönenden Abschluß finden sollte.

Dummerweise klingelte an dieser Stelle meines Traumes der Wecker, denn gerne hätte ich noch etwas darüber erfahren, wie es der Stadt Oldenburg gelungen war, eine solch beachtliche Menge von florierenden Wirtschaftsbetrieben anzulocken, ganz zu schweigen davon, daß ich auch gerne gewußt hätte, wo denn im Jahre 2010 die ganzen Leute wohnen würden, die in diesen neuen Betrieben arbeiteten. Leider erfährt man in diesen Träumen ja nie etwas, was von größerem Nutzen ist, denn, ausgestattet mit einem solchen Wissen, hätte ich mich vielleicht um eine Stelle als Wirtschaftsförderer bei der Stadt bemühen können. Ich wäre ein gefragter Mann gewesen.

Etwas unbehaglich war mir nach diesem Traum allerdings schon, denn eigentlich mag ich Oldenburg ja so, wie es ist, ganz gern, mit den vielen Grünflächen und den alten Kulturland-schaften, die trotz der störenden Autobahnen noch ihren Reiz haben, und die einem heimatver-bundenen Menschen das Gefühl von etwas Vertrautem, Unverwechselbarem vermitteln. Dieses jedoch könnte unwiederbringlich zerstört werden, wenn der Traum vom wirtschaftlichen Wachstum auch hier Einzug halten würde.

Ich denke mir, was fängt die Stadt denn mit ihren vorhandenen, voll erschlossenen Gewerbeflä-chen an, z. B. am Osthafen. Ich kenne dort Freiflächen, die sind ideal, um darauf Drachen steigen zu lassen, oder wild zu campen (das Blankenburger Holz ist ja ganz nah). Wird dort in einigen Jahren vielleicht ein Standplatz für Mobilheime hinkommen (Erschließung ist vorhan-den, Strom und Wasser dürften kein Problem sein, nicht zu vergessen der Autobahnanschluß) oder vielleicht ein Campingplatz (kann, durch Hecken eingefaßt, ganz gut in die Landschaft eingepaßt werden, die Schrottverwertung sieht man dann nicht mehr) ?

Gewerbebetriebe sollen dort jedenfalls nicht mehr angesiedelt werden (habe ich gehört), die kommen direkt an die Holler Landstraße (ist ja auch viel näher zur Autobahn!). Die Landschaft soll dort auch "ökologisch" gar nicht so wertvoll sein, das stand letztens in meiner Lieblings-zeitung... Aber dabei fällt mir ein: Neulich habe ich da wieder was geträumt - von irgendwel-chen militanten Naturschützern, Unterschriftenaktionen, ... aber das ist eine andere Geschichte.

Thomas Günther


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel. Differenzen zur gedruckten Fassung sind nicht auszuschließen.
Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.