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"Fahrsmart" - ein Gewinn?

Presseerklärung des Kreisverbands Oldenburg-Stadt Bündnis 90/DIE GRÜNEN zum Fahrsmart

Das Projekt "Fahrsmart" läuft in Lüneburg und Oldenburg seit 1990/91 im Öffentlichen Personennahverkehr. Es handelt sich dabei um ein bargeldloses Zahlungs- und Abrechnungssystem, an dessen Gesamtkosten (16,1 Mio DM) sich die Bundesregierung mit 9,1 Mio DM beteiligt hat. Das Pilotprojekt und damit die Förderung des Bundes endet zum 31.12.96.

Die Bundesregierung schreibt der Einführung von Fahrsmart drei wesentliche Ver-besserungen im ÖPNV zu:

- zufriedenere KundInnen
- ein verbessertes Angebot
- und einen Anstieg der Fahrgastzahlen

Laut Bundesregierung sind die KundInnen deshalb so zufrieden, weil sie nun den ÖPNV nutzen könnten, ohne sich im komplizierten Tarifsystem auszukennen.

Tatsache ist, daß es die Verkehrsbetriebe offensichtlich vorziehen, ihren KundInnen den Durchblick in Sachen Tarifsystem vollends zu nehmen, anstatt endlich ihren Tarifdschungel zu entrümpeln. Das undurchsichtige System ist also kein "Verdienst" von Fahrsmart, sondern stellt den Verkehrsbetrieben ein Armutszeugnis aus.

Diese Geschäftsbedingungen sind außerdem rechtlich problematisch: Ohne Tarif-Klarheit und ohne Quittung für erbrachte Leistungen wird den KundInnen jede Möglichkeit der Kontrolle entzogen.

Die vielgelobte Verbesserung des Angebotes ist keinesfalls auf die zusätzlichen Daten von "Fahrsmart" zurückzuführen. Denn die Verkehrsbetriebe haben von dieser Verwendungsmöglichkeit der "Fahrsmart" - Daten nie Gebrauch gemacht. Tatsache ist, daß die Verbesserungen ausschließlich auf die Umsetzung der Verkehrsentwick-lungspanung zurückzuführen sind.

Der Anstieg der Fahrgastzahlen ist ebenfalls nicht "Fahrsmart" anzurechnen, sondern ist lediglich die Konsequenz aus dem verbesserten Angebot.

Noch nicht nachgedacht hat die Bundesregierung dagegen über die Datenschutzproblematik. Dies wird besonders dann aktuell werden, wenn das "Fahrsmart"-System auf Multifunktionskarten erweitert würde, wie bereits gefordert.

Multifunktionskarten sind deshalb problematisch, weil sie personenbezogen funktionieren, d.h. jede Handlung des Benutzers/der Benutzerin kann lückemlos nachvollzogen werden.

Es zeigt sich also, daß die millionenschwere Förderungssumme des Bundes für den Ausbau des ÖPNV wesentlich besser angelegt gewesen wäre.

Die Aufgabe, den ÖPNV attraktiver zu gestalten, kann nur gelöst werden durch:

- Eine einheitliche Organisation des ÖPNV (Verkehrsverbünde), damit aufeinander abgestimmte Fahrpläne und einheitliche Tarife in der ganzen Region realisiert werden.
- Ein verbessertes Angebot:
- bessere Vertaktung vor allem am späten Abend
- bessere Anbindung der Stadtrandgebiete
- Öffnung der Stadtteilbahnhöfe (wo es sich anbietet)

In diesem Sinne wäre auch die Verschwendung von 58 Mio DM für das Prestigeobjekt "Oldenburger Stern" noch einmal zu überdenken. Die sinnvollere und billigere Lösung ohne Tunnel könnte den Oldenburger ÖPNV ein gutes Stück voranbringen.


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel. Differenzen zur gedruckten Fassung sind nicht auszuschließen.
Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.